Samstag, 25. April 2015

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Dubiose Wertgutachten Immobilienhelden mit "Schädling" im Bestand

Verkauf weit unter Wert: Eine merkwürdige Immobilienofferte von S&K
Fotos
[M] manager magazin; Getty Images

Die S&K-Gruppe will mit dem Handel von Wohn- und Geschäftshäusern zu einem der großen Immobilienunternehmen in Deutschland aufsteigen. Tausende Anleger haben Millionen investiert. Doch Gutachten zum Wert der S&K-Immobilien werfen Fragen auf - und wecken Zweifel an der Seriosität der Firma.

Hamburg - Eine Jugendstilvilla in Frankfurt, Kennedyallee 123. An einer Wand im Eingangsbereich hängen die Portäts zweier antiker Heroen, kraftvoll, makellos, in Bronzeoptik und in Gold gerahmt. Es sind Stephan Schäfer und Jonas Köller, die Chefs der S&K Unternehmensgruppe, die dort ihren Sitz hat.

Die Pose hat Symbolwert. Denn Schäfer und Köller haben mit ihrer Firma Großes vor. Laut Website wollen sie die S&K-Gruppe zum "führenden Real-Estate-Unternehmen in Deutschland" machen. Der Weg dahin, so offenbar der Plan, führt über den Handel mit Immobilien, die - beispielsweise aus Zwangsversteigerungen oder anderen Notsituationen - günstig erworben und später möglichst mit Gewinn wieder veräußert werden.

Auch Erfolge gibt es offenbar bereits. Ein Referenzkatalog des Unternehmens listet reihenweise vergangene Immobiliendeals mit Gewinnspannen weit jenseits der 100 Prozent auf, manager magazin online berichtete bereits darüber. Zudem stehen darin zahlreiche Objekte, die sich im Besitz der Firma befinden sollen. Deren Verkehrswerte liegen laut Katalog ebenfalls weit über den einstigen Kaufpreisen.

Insgesamt verwaltet S&K eigenen Angaben zufolge bereits einen Immobilienbestand mit einem Volumen von über 1,7 Milliarden Euro. Zudem werden Beteiligungen an Finanzdienstleistern mit Provisionserlösen von rund 100 Millionen Euro pro Jahr gehalten, heißt es. Auch Geschäfte mit institutionellen Investoren werden angeblich gemacht. Deren Namen nennt S&K allerdings auch auf Anfrage nicht.

Das Bild eines erfolgreichen Immobilienunternehmens

Kurzum: Die S&K-Gruppe, ein erfolgreiches Immobilienunternehmen auf Expansionskurs - dieses Bild soll offensichtlich vermittelt werden. Und daran glauben vermutlich auch tausende Anleger, die ihr Geld über verschiedene Kanäle bereits in die Firma gesteckt haben (siehe Kasten links). 7000 zufriedene Kunden hat die S&K-Gruppe eigenen Angaben zufolge bereits.

Doch wie lange werden die Kunden wohl noch so zufrieden sein? Hat der verwaltete Immobilienbestand tatsächlich den angegebenen Milliardenwert? Und wie valide sind die laut Katalog erzielten Wertzuwächse im Bestand, die auch zur Werbung neuer Anleger genutzt werden? Recherchen von manager magazin online werfen diese Fragen auf.

Im Mittelpunkt der Merkwürdigkeiten steht eine Schlüsselperson im S&K-Reich: Der Diplom-Ingenieur und Architekt Bernd Z. aus Frankfurt. Von ihm wurde der weitaus größte Teil der Immobilienwertgutachten im per Website öffentlich zugänglichen S&K-Referenzkatalog erstellt. Etwa 80 bis 100 Millionen Euro des aufgeführten Bestandes von insgesamt rund 120 Millionen Euro hat Z. attestiert, mit Briefkopf, Unterschrift und Rundstempel der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt.

Ein genauer Blick zeigt jedoch: Soweit ersichtlich stempelt Z. die Analysen nicht als Immobilienwertgutachter ab, sondern als "Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, Von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main öffentlich bestellt und vereidigt". Mehrere Gutachten zu S&K-Objekten, die von Z. angefertigt wurden, und die manager magazin online vorliegen, tragen diesen Stempel.

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