Dienstag, 23. Oktober 2018

Dubiose Wertgutachten Immobilienhelden mit "Schädling" im Bestand

Verkauf weit unter Wert: Eine merkwürdige Immobilienofferte von S&K
[M] manager magazin; Getty Images

2. Teil: IHK spricht von denkbaren strafrechtlichen Folgen

Unter Immobilienfachleuten ist klar: Zwischen Wertgutachtern und Schadensgutachtern liegen Welten. Beide müssen unterschiedliche Qualifikationen mitbringen und Anforderungen erfüllen. Und beide müssen, wenn sie das IHK-Siegel "öffentlich bestellt und vereidigt" führen wollen, unterschiedliche Sachkundeprüfungen ablegen. Nicht selten sprechen Wertgutachter hinter vorgehaltener Hand vieldeutig von "Schädlingen", wenn sie Schadensgutachter meinen.

Das Problem der S&K-Gruppe ist jedoch offensichtlich, dass Architekt Z. die Sachkundeprüfung der IHK Frankfurt für Wertermittlungen von Immobilien nie absolviert hat. Das bestätigt die IHK gegenüber manager magazin online. Eine Anfrage an Z., ob er diese Prüfung bei einer anderen IHK abgelegt habe, blieb unbeantwortet.

Und damit nicht genug: Einem Schreiben der IHK zufolge, das manager magazin online vorliegt, war Z. auch als Schadensgutachter von der Frankfurter Kammer lediglich in der Zeit vom 25. September 2007 bis 6. November 2010 bestellt. Die Gutachten, die manager magazin online vorliegen, stammen jedoch allesamt aus den Jahren 2011 und 2012.

Zwar ist die Tätigkeit als Wertgutachter frei ausübbar. Jeder darf diesen Titel verwenden, ohne dafür eine Ausbildung oder eine Zulassung nachweisen zu müssen. Fest steht jedoch: Architekt Z., der offensichtlich den größten Teil des S&K-Immobilienbestandes bewertet hat, ist entgegen dem Anschein, den seine Gutachten vermitteln, kein offizieller Wertgutachter, sondern Schadensgutachter. Und er verwendete bei der Unterzeichnung der Analysen einen Stempel der IHK, als er schon lange nicht mehr für die Kammer im Einsatz war.

IHK spricht von denkbaren strafrechtlichen Sanktionen

Gutachter Z. beantwortete eine Anfrage zu diesem Thema nicht. S&K-Chef Köller schreibt an manager magazin online, Z. zufolge sei die öffentliche Bestellung aus Altersgründen formell abgelaufen. Eine Verlängerung auf Lebenszeit sei von ihm beantragt und gemäß seinen Angaben auch genehmigt worden. Letzteres ist laut IHK allerdings nicht der Fall. "Eine unbefristete Bestellung sieht unsere Satzung nicht vor", schreibt die Kammer zudem an manager magazin online.

Ob eine IHK-Bestellung vorliegt oder nicht, sei "für uns allerdings unerheblich", so Köller weiter. Denn Z. sei "seit vielen Dekaden Architekt und Gutachter", nicht nur für "Schäden", sondern auch für die "Bewertung von Immobilien".

Leser der Wertgutachten können durch die Verwendung des Schadensgutachterstempels allerdings leicht in die Irre geführt werden, denn der ungeübte Blick wird den genauen Wortlaut des Stempels kaum wahrnehmen. Zudem verstieß Z., indem er den Schadensgutachterstempel verwendete, gegen klare Standesregeln, was nach Einschätzung von Experten justiziabel sein kann.

Die Mustersachverständigenordnung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) regelt eindeutig: "Bei Sachverständigenleistungen auf anderen Sachgebieten darf der Sachverständige nicht in wettbewerbswidriger Weise auf seine öffentliche Bestellung hinweisen oder hinweisen lassen." (Paragraf 12, Absatz 3)

Noch deutlicher wird die IHK Frankfurt. Auf Anfrage von manager magazin online will sie sich zwar zum konkreten Fall sowie möglichen Konsequenzen nicht äußern. Generell teilt die Kammer jedoch mit: "Die unbefugte Bezeichnung als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger ist nicht nur im geschäftlichen Bereich irreführend, da unwahr und kann daher wettbewerbsrechtlich abgemahnt werden. Sie erfüllt - vorsätzliches Handeln vorausgesetzt - zudem den Straftatbestand der Amtsanmaßung." Dazu zähle auch die unbefugte Nutzung von Stempeln und Siegeln, die auf einen öffentlich bestellten Sachverständigen hinweisen.

Ein Sachverständiger habe gemäß der Sachverständigenordnung der IHK Frankfurt nach Erlöschen der öffentlichen Bestellung Bestellungsurkunde, Ausweis und Rundstempel zurückzugeben, so die Kammer.

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