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29.10.2012
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Fondsinitiator
Wölbern Invest kämpft gegen eigene Kunden

Von Christoph Rottwilm

Justitia im Gericht: Die Richter in Hamburg entschieden für die Anleger und gegen Wölbern Invest
DPA

Justitia im Gericht: Die Richter in Hamburg entschieden für die Anleger und gegen Wölbern Invest

Über 1000 Anleger liegen inzwischen mit dem Emissionshaus Wölbern Invest über Kreuz, vor allem wegen des Cashpools für ihre Fonds. Ein prominenter Investor erzielte jetzt vor Gericht einen weiteren wichtigen Etappensieg. Ungemach droht dem Fondshaus zudem von anderer Seite.

Hamburg - Erfolg für die Anleger im Streit um den geplanten Liquiditätspool für Immobilienfonds von Wölbern Invest: Das Oberlandesgericht (OLG) Hamburg erklärte kürzlich den Anfang Februar dieses Jahres gefassten Beschluss zur Einführung des Pools für den Wölbern-Immobilienfonds Holland 65 für nichtig (Az. 11 U 100/12).

Im Konflikt zwischen den Wölbern-Anlegern und dem Emissionshaus um den Liquiditätspool ist dies soweit bekannt das erste rechtskräftige Urteil in einem Hauptsacheverfahren durch ein Oberlandesgericht. Zuvor hatte bereits das Landgericht Hamburg in mindestens drei Fällen rechtskräftig für die Anleger entschieden. Zudem gab es zahlreiche einstweilige Verfügungen (EV) gegen die Durchführung des Pools. Auch für den Fonds Holland 65 hatte das OLG Hamburg Anfang Juni eine solche EV erlassen (Az. 11 U 71/12).

Zum Hintergrund: Wölbern hatte Anfang 2012 die rund 27.000 Anleger von 24 Immobilienfonds darüber abstimmen lassen, ob die freien Mittel der Fonds künftig per Liquiditätsmanagementsystem verwaltet werden sollen. Die Fonds, so die Darstellung Wölberns, sollten sich mit dem Teil ihrer Gelder, der nicht in Immobilien gebunden ist, untereinander Kredite geben. So sollte sich die Lage aller beteiligten Gesellschaften verbessern.

Nach Angaben Wölberns, das sich seit 2006 in der Hand des Arztes und Investors Heinrich Maria Schulte befindet, stimmten 23 von 24 Fonds für die zunächst probeweise Einführung des Cashpools. Gleichzeitig regte sich jedoch in Anlegerkreisen Widerstand. Wölbern habe in der Beschlussvorlage nicht ausreichend über den geplanten Pool und die möglichen Konsequenzen informiert, so das Argument der Kritiker.

Ein fachkundiger Kläger

Zum Beispiel sei Anlegern nichts mitgeteilt worden über die offensichtliche Verschlechterung des Chancen-Risiko-Profils der Fonds, die an einem solchen Pool teilnehmen. Schließlich, so die Kritiker, sei es deutlich riskanter, freie Mittel als Darlehen an möglicherweise schwächelnde Beteiligungsgesellschaften zu vergeben, als diese Gelder auf festverzinste Konten zu legen.

Um den Pool trotz erfolgter Abstimmung noch zu stoppen, wurden daher in mehreren Fällen Gerichte eingeschaltet.

Bemerkenswert im vorliegenden Fall ist, dass es sich bei dem Kläger nicht um einen Privatanleger handelt, sondern um das Emissionshaus Deutsche Fonds Holding (DFH) - also um einen unmittelbaren Konkurrenten Wölberns und zudem einen professionellen Investor und Fondskenner. Die DFH wurde Anfang der 90er Jahre gegründet und hat seither eigenen Angaben zufolge 60 geschlossene Publikumsfonds mit einem Investitionsvolumen von 13,2 Milliarden Euro realisiert.

Weder die DFH noch deren Anwälte wollten sich gegenüber manager magazin online zum vorliegenden Urteil äußern. Tatsächlich beschränkt sich der Streit der Fondshäuser allerdings nicht auf diesen einen Fall. Nach Informationen von manager magazin online hat die DFH insgesamt einen siebenstelligen Betrag aus eigenen Dachfonds in vier Immobilienfonds von Wölbern investiert, nämlich in die Gesellschaften Holland 65, 67, 68 und 69. Auch für die Fonds 67, 68 und 69 erwirkte die DFH vor Monaten einstweilige Verfügungen gegen die Durchführung des Cashpools.

Zudem handelt es sich bei diesen drei Fonds um die erwähnten Fälle, in denen das Landgericht Hamburg dem Kläger, der DFH, auch im Hauptsacheverfahren Recht gab. Die Urteile wurden rechtskräftig, nachdem Wölbern eine bereits eingelegte Berufung zurückgezogen hatte. Bei weiteren Fonds, bei denen andere Anleger gegen den Pool opponieren, stehen endgültige Gerichtsentscheide noch aus.

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