Dienstag, 12. Dezember 2017

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Fondsinitiator Wölbern Invest kämpft gegen eigene Kunden

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3. Teil: Bankhaus Wölbern warnt Anleger von Wölbern Invest

Das ist allerdings nicht die einzige Front, an der Wölbern gegen die eigenen Kunden kämpft. Es gibt Indizien dafür, dass sich Wölbern Invest in Liquiditätsschwierigkeiten befindet. In diesen Tagen anstehende Fondsausschüttungen etwa stehen offenbar auf der Kippe oder werden bereits gestrichen.

So erhielt manager magazin online Ende vergangener Woche ein Schreiben der Treuhandgesellschaft an die Anleger des Wölbern-Fonds Deutschland 01, mit dem diese in dieser Woche über die "sofortige Aussetzung der weiteren Auszahlungen" informiert werden. Demnach wird die verbleibende Ausschüttung für 2011 sowie die komplette Ausschüttung für 2012 bei diesem Fonds vorerst ausfallen. Zudem wurden für viele Fonds noch keine Geschäftsberichte für das Jahr 2011 aufgestellt, was nach Ansicht von Anlegern längst hätte geschehen müssen.

Nach wie vor beschäftigt der Verdacht die Anleger, das Emissionshaus habe bereits vor Beschluss des Cashpools Gelder aus Fonds für fremde Zwecke entnommen. Wölbern Invest weist das zurück, die Investoren ließen sich bislang aber nicht überzeugen.

Auch auf der Gesellschafterversammlung des Fonds Österreich 04 im August erhielten die Investoren keine Klarheit zu diesem Punkt. Ohnehin gehörte das Treffen zu den seltenen Gelegenheiten, bei denen sich Wölbern-Anleger persönlich kennenlernen können. Denn ungeachtet der Beteuerung gegenüber manager magazin online ermöglicht das Emissionshaus kaum eine Kommunikation der Anleger untereinander. Gesellschaftertreffen finden selten statt, und die Adressen der Anleger wurden bislang nicht an Mitinvestoren weitergegeben. Die Gesellschafter mehrerer Fonds versuchen daher nun, die Auskunft über die Kontaktdaten ihrer Mitzeichner einzuklagen.

Erneuter Konflikt zwischen Wölbern und Wölbern

Sollte die erwünschte Transparenz schließlich hergestellt sein, so könnte das nach Ansicht von Anwalt Gröpper für die Verantwortlichen bei Wölbern unangenehm werden. "Wenn die Fondsgeschäftsführungen tatsächlich bereits Gelder an andere Fonds verliehen haben, wäre das eine Veruntreuung", sagt er.

Damit jedoch nicht genug. Auch der Zwist zwischen Wölbern Invest und dem Bankhaus Wölbern, dessen Teil das Emissionshaus bis 2009 war, flammt wieder auf. Vor einiger Zeit wurde bekannt, dass Wölbern Invest nach dem Cashpool bereits an einer weiteren Innovation arbeitet. Geplant ist offenbar die Emission festverzinslicher Wertpapiere, die den Anlegern zum Tausch gegen deren Fondsanteile angeboten werden sollen.

Noch liegt kein fertiges Konzept auf dem Tisch, da regt sich bereits Widerstand - und zwar ausgerechnet beim Bankhaus Wölbern. Dessen Stiftung machte auch schon gegen den Cashpool Front. Zudem stritten die Bank und das Fondshaus vor Jahresfrist mit harten juristischen Bandagen um eine Millionensumme, wie manager magazin online berichtete.

Anfang Oktober nun verschickte das Bankhaus ein Schreiben an jene Anleger von Wölbern-Fonds, die ihre Anteile einst per Kredit bei dem Institut finanziert hatten. Nach Ansicht von Beteiligten ging der Brief an tausende Investoren.

"Es war der Presse zu entnehmen, dass es bei der Wölbern-Invest-Gruppe Überlegungen gibt, die Immobilienfonds in eine neue gesellschaftsrechtliche Struktur einzubringen und die Kommanditanteile durch eine Anleihe oder ähnliche Schuldtitel zu ersetzen", hieß es in dem Schreiben, das manager magazin online vorliegt. "Dies stellt eine Beeinträchtigung wenn nicht gar den Entzug der zu unseren Gunsten vertraglich vereinbarten Sicherheit dar."

Das Bankhaus Wölbern weist darauf hin, dass die betroffenen Anleger ohne das OK des Kreditgebers einer solchen Veränderung "nicht zustimmen dürften". Der Brief klingt nicht so, als wäre die Bank geneigt, diese Zustimmung zu erteilen.

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