Mittwoch, 13. Dezember 2017

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Fondsinitiator Wölbern Invest kämpft gegen eigene Kunden

Justitia im Gericht: Die Richter in Hamburg entschieden für die Anleger und gegen Wölbern Invest

2. Teil: Protokoll einer "Horrorveranstaltung"

Das Emissionshaus Wölbern Invest gibt gegenüber manager magazin online in Reaktion auf das Urteil des OLG Hamburg an, es sollten "keine weiteren Rechtstreitigkeiten geführt werden". Stattdessen sei damit begonnen worden, "durch offene Kommunikation im Austausch mit den Anlegern Einigkeit über die Führung der Fonds zu erzielen". Insbesondere, so Wölbern, werde in den betroffenen Fondsgesellschaften die Einrichtung eines Beirates angestrebt.

Das klingt wie eine Kehrtwende. Schilderungen von Wölbern-Anlegern sowie deren Anwälten gegenüber manager magazin online über den Verlauf der zahlreichen Konflikte in der jüngeren Vergangenheit lassen allerdings Zweifel daran aufkommen. Insgesamt hat sich inzwischen ein Netzwerk aus einer vierstelligen Zahl von Anlegern gebildet. Darunter befindet sich auch der langjährige Chef des Bankhauses Wölbern, Ove Franz, sowie zahlreiche ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens. Zum Teil wird bereits geklagt oder es werden Anwälte konsultiert, zum Teil informieren sich die Betroffenen mittels umfangreichen Mailinglisten über das Geschehen. Zahlreiche Kanzleien sind ebenfalls involviert.

Auch eine außerordentliche Gesellschafterversammlung des Wölbern-Fonds Österreich 04 im August dieses Jahres ließ kaum ein Einlenken des Emissionshauses erkennen - eher im Gegenteil. Ein inoffizielles Protokoll, das manager magazin online aus Anlegerkreisen erhielt, lässt erahnen, dass es auf dem Treffen überaus turbulent zugegangen sein muss. In dem Schreiben ist die Rede von einer "Horrorveranstaltung".

Schon der Beginn habe sich demnach um vier Stunden verzögert, während derer sich die Geschäftsleitung "incl. eines ganzen Heeres von Juristen" in einem separaten Bereich aufgehalten habe. Die Folge: Viele Anleger mussten die Versammlung vor dem eigentlichen Ende verlassen, um andere Termine einhalten zu können.

Protokoll einer "Horrorveranstaltung"

"Die Art und Weise der Organisation (...), die wiederholte Unkenntnis von Fakten und das Unvermögen des Podiums, konkrete Fragen (...) zu beantworten, (...) haben uns sehr irritiert", schreibt der Autor, der aus Vorsicht anonym bleiben will. Für besonderen Unmut sorgte dem Schreiben zufolge auch eine von Seiten der Geschäftsführung sowie der Treuhandgesellschaft betriebene Abwahl zweier Fondsbeiräte sowie die Wahl von zwei neuen Personen in dieses Amt.

Der aktuelle Richterspruch des OLG Hamburg dagegen nährt die Hoffnung unter den Anlegern auf weitere Erfolge. "Da nicht anzunehmen ist, dass sich das OLG Hamburg selbst wiederspricht, sehen wir dem Ausgang aller noch anhängigen Verfahren mit großer Zuversicht entgegen", sagt einer der Investoren zu manager magazin online. Nach seiner Rechnung könnten am Ende möglicherweise lediglich fünf bis sieben Fonds übrig bleiben, die am Pool teilnehmen.

Auch Rechtsanwalt Dirk Rykena von der Kanzlei Tute & Rykena in Hamburg, der eigenen Angaben zufolge Wölbern-Anleger aus vier Fonds vertritt, wertet das Urteil "als Zeichen dafür, dass auch die bei uns geführten Verfahren positiv ausgehen werden".

Matthias Gröpper schließlich, Anwalt von Gröpper Köpke Rechtsanwälte, Hamburg, sagt, das OLG habe in der mündlichen Verhandlung "entscheidend darauf abgestellt", dass das Informationsschreiben der Fondsgeschäftsführung zur Beschlussumlage "völlig unzureichend und teilweise irreführend" gewesen sei. "Deshalb war der Beschluss rechtswidrig", so Gröpper, der eigenen Angaben zufolge mehr als 350 Wölbern-Anleger vertritt. "Und das gilt für alle anderen Fonds, weil die Geschäftsführung in allen anderen Fällen inhaltlich identische Schreiben versendet."

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