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08.10.2012
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Anlage
Welche Renten sind noch sicher?

Von Arne Gottschalck

  Düstere Stimmung:  Welche Anleihen können Anleger noch guten Gewissens kaufen? Die Auswahl schrumpft
REUTERS

Düstere Stimmung: Welche Anleihen können Anleger noch guten Gewissens kaufen? Die Auswahl schrumpft

Einst galten Anleihen als solide Langweiler der Geldanlage - doch das hat sich im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise geändert. Welche Rentenpapiere noch Chancen bieten, erklärt Fondsmanager Enzo Puntillo im Interview.

mm: Herr Puntillo, Euro-Land kommt nicht zur Ruhe, die USA steuern hochverschuldet auf ein fiskalisches Kliff nach den Wahlen zu - was ist im aktuellen Rentenumfeld die größte Herausforderung?

Puntillo: Die Herausforderungen sind vielfältig. Die grössten Gefahren für Bondanleger bestehen in der Kombination historisch tiefer Zinsen und hoher Staatsschulden in westlichen Industrieländern. Falls kein genügendes Wirtschaftswachstum erzielt werden kann, riskieren Investoren am Ende einen Teil der Staatsverschuldung tragen zu müssen. Das kann in Form direkter Verluste bei potenziellen Restrukturierung der emittierten Anleihen passieren oder indirekt, in Form negativer Realrenditen.

mm: Gibt es die schon?

Puntillo: Diesen Zustand können Sie bereits heute in vielen Ländern beobachten wo Bonds herausgegeben werden, deren Nominalzinsen unter der aktuellen Inflationsrate liegen. Damit wird die Schuldenlast praktisch unbemerkt auf den Anleger abgewälzt. Bei negativen Realrenditen von 2 bis 4 Prozent kann das die Kaufkraft über zehn bis fünfzehn Jahren so gut wie halbieren.

mm: Geht man die drei Grobgruppen der Anleihen durch - Staatsanleihen, Corporates und High Yield - so äußern sich Experten inzwischen für alle drei skeptisch. Haben diese Experten recht oder gibt es noch aussichtsreiche Anleihen?

Puntillo: Unsere Aufgabe als Fondsmanager ist es, Risiken abzuschätzen und Opportunitäten zu finden. Im Hinblick auf die vorhin beschriebene Situation, die auch als "finanzielle Repression" bezeichnet wird, sollten sich Anleger auf Bonds konzentrieren, dessen Emittenten nachhaltig solide Fundamentaldaten vorweisen, also Länder bevorzugen, die ihre Zinsen nicht künstlich tief halten, und sie sollten auf eine angemessene Bewertung achten.

mm: Und das bedeutet?

Puntillo: Im aktuellen Umfeld bieten vor allem Anleihen aus Schwellenländern positive reale Renditen. Die emittierenden Staaten weisen oft solide Fundamentaldaten aus wie einen tiefen Verschuldungsgrad und starke Fiskalbilanzen - meist ein Resultat erfolgreicher Reformen, die als Antwort auf frühere Krisen eingeführt wurden. Attraktiv sind in vielen dieser Länder Staatsanleihen, die auf Lokalwährungen lauten. Ausserdem sind in Schwellenländern die kurzfristigen lokalen Zinsen niedriger, entsprechend lassen sich mit langen Laufzeiten höhere Renditen erzielen. Um das damit entstehende Inflationsrisiko zu verringern, empfehlen sich inflationsgebundene Papiere. Beispielsweise in Brasilien oder Chile können so Realrenditen von 4,5 bis 2,5 Prozent erzielt werden.

mm: Sind das nicht etwas kleine Märkte?

Puntillo: Von den wirtschaftlichen Reformen und hohen Wachstumsraten in Schwellenländern hat auch der Privatsektor profitiert. Der Markt für Unternehmensanleihen ist entsprechend viel grösser und tiefer als in den 1990er Jahren und bietet Opportunitäten in vielfältigen Sektoren wie Infrastruktur, Öl, Gas, Telekommunikation, Immobilien, Metalle und Bergbau, Landwirtschaft und Banken. Mit einer Billion US-Dollar ist der Markt für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern etwa so gross wie der US-Hochzinsmarkt. Die Qualität der Anlageklasse ist ebenfalls gestiegen: Heute entfallen fast drei Viertel des Marktes auf Investment-Grade-Werte und das durchschnittliche Kreditrating liegt bei BBB+, wobei die Renditen besser und die Nettoverschuldung niedriger ist als bei US-Unternehmen mit gleichen Ratings. Natürlich ist bei der Auswahl der Papiere eine gründliche Bottom-up-Analyse der einzelnen Unternehmen entscheidend.

mm: Wie gehen Sie mit den "politischen Determinanten" um - Rettungsschirme hier, Garantiezusagen dort. Lassen diese sich überhaupt in das Konstrukt klassischen Assetmanagements einbinden?

Puntillo: Investitionen in Staatsanleihen haben immer eine politische Komponente, und auch Unternehmen können laufend mit neuen politischen Situationen konfrontiert werden. Im Grunde genommen geht es bei Bonds darum, zu beurteilen, ob man als Gläubiger für sein Engagement fair entschädigt wird. Bei Negativrenditen etwa ist das grundsätzlich nicht der Fall. Daher glauben wir, dass es besonders wichtig ist, mögliche "Krisenkanditen" frühzeitig zu erkennen und zu meiden.

mm: Ein weites Feld ...

Puntillo: Ja. Darunter fallen Emittenten, die potenziell in unberechenbare politische Situationen geraten und Versprechungen möglicherweise nicht einhalten könnten. Deshalb ist passives Investieren nicht ratsam: Jene Staaten oder Unternehmen mit den höchsten Schulden machen den grössten Teil des Index aus, und eine qualitative Beurteilung wirtschaftspolitischer Massnahmen bleibt völlig aus. Anleger sollten sich nicht von den Turbulenzen und den Schlagzeilen lähmen lassen - es gibt durchaus Chancen, attraktive Renditen zu erwirtschaften. Die können aber nur mit aktiven und dynamischen Investment-Ansätzen genutzt werden.

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  • Copyright:
    Enzo Puntillo ist Head/CIO Fixed Income bei Swiss + Global Asset Management - oder, einfacher ausgedrückt, Anleihenexperte









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