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20.07.2012
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Dax-Geflüster
Wer Aktien meidet, zahlt drauf

Von Kai Lange

Kurstafel an der Börse: Trotz Gewinnmitnahmen am Freitag hat der Dax binnen drei Wochen 7 Prozent zugelegt. EZB, Fed und Politik lotsen Anleger weiter Richtung Risiko
REUTERS

Kurstafel an der Börse: Trotz Gewinnmitnahmen am Freitag hat der Dax binnen drei Wochen 7 Prozent zugelegt. EZB, Fed und Politik lotsen Anleger weiter Richtung Risiko

Die Börsen erholen sich, obwohl Europa in die Rezession rutscht. Der steigende Druck auf Deutschland stützt den Dax: Politik und Notenbanken führen Anleger auf einer Einbahnstraße Richtung Risiko, indem sie Alternativen zu Aktien versperren.

Hamburg - 176 Euro. So viel kostet es derzeit pro Jahr, wenn man der Bundesrepublik Deutschland 10.000 Euro leiht. Die Bundesfinanzagentur gab in dieser Woche erstmals eine zweijährige Bundesanleihe mit einem negativen Effektivzins von 0,06 Prozent heraus - bei einer jährlichen Inflation von derzeit 1,7 Prozent ergibt das eine negative reale Rendite von minus 1,76 Prozent.

Wer sein Geld dem Bund leihen und vermeintlich sicher anlegen will, zahlt eine Gebühr, bitte schön. Willkommen in der für Sparer verkehrten Welt, in der Welt der finanziellen Repression.

Nicht nur Deutschland verdient derzeit Geld mit Schulden. Auch Holland, Belgien, Frankreich und der Euro-Rettungsfonds EFSF haben in dieser Woche Geldmarktpapiere zu negativen Renditen platziert. Am meisten Geld kann freilich die Schweiz von Anlegern verlangen - für die Erlaubnis, dem Land Geld leihen zu dürfen. Der Marktzins zweijähriger Schweizer Bundesanleihen liegt derzeit bei minus 0,4 Prozent.

"Ein Wesensmerkmal einer finanziellen Repression ist ein negativer Realzins, der durch die Zentralbanken künstlich gedrückt wird", sagt der Kölner Vermögensverwalter und Fondsmanager Bert Flossbach. Und Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, ergänzt: "Die konservativen Sparer werden am schwersten von der finanziellen Repression betroffen sein."

Das bedeutet: Wer für das Alter vorsorgen und nach Inflation zumindest eine kleine Rendite erzielen will, kommt an Aktien nicht mehr vorbei. Sparer werden ins Risiko gezwungen. Das ist ärgerlich für viele Sparer, aber förderlich für den deutschen Aktienmarkt.

Druck auf Deutschland steigt - und der Dax klettert

Denn was derzeit für Staatsanleihen gilt, könnte bald auch für Sparkonten gelten. Wer Geld für längere Zeit auf einem Konto verwahren will, zahlt dafür eine Gebühr. Einige Schweizer Banken, wie die Zürcher Kantonalbank oder die UBS, haben dieses Szenario bereits simuliert. Undenkbar für den Euro-Raum? Undenkbar war es lange Zeit auch, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins unter die Marke von 1 Prozent drücken könnte - seit Juli liegt der Schlüsselzins für die Banken bei 0,75 Prozent.

Und da geht noch was in Richtung Nullzins. In dieser Woche hat der Internationale Währungsfonds dem Krisenmanagement der Europäer ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Damit erhöht der IWF den Druck vor allem auf die zaudernden Deutschen, die endlich den Weg für gemeinsame Anleihen und eine gemeinsame Bankenhaftung frei machen sollen.

Die EZB solle ihre Geldpolitik weiter lockern, sprich die Zinsen weiter senken sowie verstärkt Staatsanleihen kaufen, um die Euro-Zone aus ihrem "unhaltbaren Halbzustand" zu befreien, so IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard. Auch die Vize-Präsidentin der EU-Kommission, Viviane Reding, sparte nicht mit Kritik am vermeintlichen deutschen Ego-Kurs.

Der steigende Druck auf Deutschland hilft dem Dax - obwohl längst noch nicht ausgemacht ist, dass Zugeständnisse der deutschen Politik die Euro-Schuldenkrise wirklich lösen. Doch nachdem der Bundestag die Hilfen für Spanien in dieser Woche durchgewinkt hatte, zog der der deutsche Leitindex weiter an - bereits Ende Juni hatten die Finanzmärkte mit Gewinnen auf deutsche Zugeständnisse beim Euro-Gipfel reagiert.

Trotz kräftiger Gewinnmitnahmen am Freitag hat der Dax Chart zeigen in den vergangenen drei Wochen rund 7 Prozent zugelegt. Was den deutschen Steuerzahler beunruhigt, kann den Dax-Anleger freuen. Doch wird es weitere Schritte Deutschlands in Richtung Schulden-Union geben?

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