Donnerstag, 15. November 2018

Fahrradaktien Anlegen statt Abstrampeln

Fahrräder fürs Depot: Nicht nur technischer Glanz
DPA

2. Teil: Anlageprofis wachen auf

Keine schlechten Aussichten also für die Industrie - bei 4 Millionen jährlich in Deutschland verkauften Fahrrädern. Die Höhe der Zahlen macht deutlich, dass sich die Fahrradbranche von der Schrauber-Idylle schon längst verabschiedet hat. Auch der Konzentrationsprozess der Branche zeigt deren Reifung.

Gab es vor einem Jahrzehnt noch eine Vielzahl kleiner und unabhängiger Hersteller, sind diese heutzutage oftmals unter einem Dach gebündelt. Unter dem Dach von Accell zum Beispiel finden sich bekannte Namen wie Hercules, Batavus oder Winora. Unter dem von Derby Cycle sind es Focus oder Kalkhoff. Und Pon hat es vorgemacht - und sich in aller Stille Derby Cycle einverleibt. Mit Folgen für Derby Cycle. "Da unser Hauptaktionär Pon bereits mehr als 95 Prozent der Aktien der Derby Cycle AG besitzt", sagt Finanzvorstand Brüls, "dürfte gerade für potentielle Investoren das Interesse an einem Einstieg bei uns erloschen sein."

Doch erst langsam hat sich diese Erkenntnis auch in den Glastürmen der Investoren und der restlichen Industrie verbreitet. Beispiel Automobilbranche. Viele Unternehmen bieten inzwischen auch Fahrräder an. In erster Linie dürften die Zweiräder für die Autobranche eine Möglichkeit schaffen, vom umweltfreundlichen Image der Fahrräder zu profitieren.

Mifa produziert für Daimler-Tochter Smart

Gebaut werden sie allerdings zumeist von den Fahrradherstellern. Mifa zum Beispiel produziert für Daimler-Tochter Smart ein E-Bike. Und Porsche Börsen-Chart zeigen entwickelt seine Fahrräder zwar selbst, lässt sie aber von Rotwild fertigen, und die Schaltung kommt von Shimano .

Auch Investoren sind auf diese Entwicklungen aufmerksam geworden. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer zum Beispiel hat über das Investmentvehikel "Alternative Strategic Investments" in Mifa investiert. "Egal, wie groß die Krise ist, Fahrrad wird immer gefahren", sagt Maschmeyer.

Und Angus Steel, Fondsmanager unter anderem des Delta Lloyd Deelnemingen Fonds, steckte im Mai vergangenen Jahres Teile seiner Anlegergelder in Accell. Das Unternehmen bündelt Hersteller zum Beispiel von Rudergeräten, aber eben auch bekannte Radmarken wie Hercules. "Wir haben dort investiert, weil es eine starke Marktposition jn Europa hat im Fahrrad- und Fahrradteilemarkt.", sagt Manager Steel. (...) Längerfristig dürfte Accell von einigen interessanten Trends profitieren wie ejnem gesundheitsbewussteren Lebenswandel, umweltfreundlichem Transport und alternder Gesellschaft. (...) Außerdem ist der Aktienpreis in unseren Augen unterbewertet."

An der Börse scheint sich diese Einstellung durchzusetzen. Die Aktie von Giant beispielsweise hat seit Beginn des Jahres um über 28 Prozent an Wert gewonnen, die von Merida Industry um über 80 Prozent. Für Verbandsmann Schreyer eine logische Entwicklung. "Das Fahrrad, als Verkehrsmittel allgemein, gewinnt immer mehr an Bedeutung", findet er. "Viele Gründe sprechen derzeit dafür, dass dies auch weiterhin so sein wird: steigendes Gesundheitsbewusstsein, individuelle und flexible Mobilität, nachhaltige Mobilität, ökonomisch." Die Börse gibt ihm derzeit Recht - bis zum nächsten Massensturz.

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