Mittwoch, 19. Dezember 2018

Stiftungen Attraktives Geschenk an die Nachwelt

Oldtimer-Rallye: Von der Schörghuber-Stiftung für den guten Zweck veranstaltet

3. Teil: Nichts für ungeduldige Naturen

Beispiel die Familie Schörghuber. Die Schörghuber Stiftung & Co. Holding KG ist schlicht eine Dachgesellschaft für die Unternehmensbereiche Hotels, Getränke, Immobilien und Lachszucht. Seit dem Tod von Stefan Schörghuber 2008 sitzt die Witwe hier einem Stiftungsrat vor, der den Holding-Vorstand beaufsichtigt. "Die Stiftungsidee regelt die Aufsichtsratstätigkeit", sagt ein Unternehmenssprecher.

Daneben ist die Schörghuber-Gruppe aber auch Mäzen: Seit 1992 stiftet sie regelmäßig Geld für das berühmte "Haus der Kunst" in München. Überdies gibt es auch noch eine echte Schörghuber Stiftung, die 1995 aus dem privaten Kapital von Josef Schörghuber, dem Senior, drei Millionen D-Mark erhielt und seitdem Freizeitaktivitäten von Münchener Kindern finanziert. Diese Stiftung wiederum wird nicht in Eigenregie geführt, sondern treuhänderisch vom Sozialreferat der Stadt München verwaltet. Da man bei dieser Summe mit Zinserträgen allein nicht weit kommt, veranstaltet die Schörghuber-Gruppe jedes Jahr eine Oldtimer-Ralley und ein Golf-Turnier und sammelt so regelmäßig mehr als 300.000 Euro für den guten Zweck ein.

Unkündbares Darlehen von der Stadt

Ähnlich die Stahlgruber-Stiftung. Otto und Willy Gruber hatten keine Erben für ihr Unternehmen Stahlgruber, einen großen Münchener Händler mit Autoersatzteilen und -Zubehör. So vermachten sie schon 1969 das Eigenkapital von 23 Millionen Mark der Stadt München, unter der Bedingung, dass es als unkündbares Darlehen im Unternehmen blieb. Die Zinsen bekommt die Stadt, die das Geld für die Schulung und Förderung des Nachwuchses im Kfz- und Vulkaniseur-Handwerk einsetzten muss.

Der Branche verpflichtet ist auch die Günther Rid Stiftung. Die "Berufsausbildung des Führungsnachwuchses im bayerischen Einzelhandel unter besonderer Berücksichtigung mittelständischer Unternehmen" ist ihr Zweck laut Satzung. Sie hält alle Anteile an der Betten Rid GmbH, einem 1916 gegründeten Händler mit Heimtextilien, Möbeln und Zubehör, und besitzt überdies die wertvollen Laden-Immobilien in der Münchener Innenstadt, die konstant hohe Renditen abwerfen. 3 Millionen Euro pro Jahr kann die Stiftung so für den guten Zweck einsetzen.

1988 erkannte Günther Rid, begabter Einzelhändler in dritter Generation, dass er auf seine beiden Söhne als Nachfolger nicht rechnen konnte oder wollte. Er errichtete die Stiftung, dotierte sie zunächst mit einem überschaubaren Betrag, setzte sie aber testamentarisch als Erbe seines Unternehmens ein. Vier Jahre lang stand er noch selber an der Spitze der Stiftung, dann starb er überraschend.

Weniger irrationale Entscheidungen

Doch obwohl die Stiftung als Eigentümer bereits feststand, kehrte lange keine Ruhe im Unternehmen ein. Eine Strategie folgte der nächsten. Auch der Stiftungsvorstand wechselte beständig. Peter Habit, ein Jurist aus der Verlagsbranche, seit 2009 im Amt, ist der siebte Stiftungschef nach dem Gründer, was er aber ausdrücklich nicht als Mangel an Stabilität verstanden wissen will. "Die Gefahr irrationaler Entscheidungen ist geringer", benennt er die Vorteile einer Stiftung im Vergleich zu einem familiengeführten Unternehmen.

Den jüngsten Wechsel in der Geschäftsführung des Unternehmens Anfang Juli beschreibt Habit als konsequenten Schritt einer Neuausrichtung. Mit Robert Waloßek steht jetzt ein erfahrener Kaufhaus-Manager (Breuninger, Oberpollinger, Ludwig Beck) an der Spitze von Betten Rid, der das Thema "Qualität" pushen und den Einzelhändler zum "Benchmark" für die Branche machen will. "Betten Rid steht unter besonderer Beobachtung", sagt Habit. "Wer in Seminaren mittelständischen Einzelhändlern glaubwürdig sagen will, wie es geht, der muss im eigenen Unternehmen seine Hausaufgaben gemacht haben."

Waloßek sagt, für ihn mache es keinen Unterschied für einen Stiftungs-Eigentümer zu arbeiten, zumal der Beirat hier "sehr lebendig besetzt" sei. Doch es gibt auch andere Erfahrungen: Was einem stiftungsgeführten Unternehmen fehlt, ist oft ein wagemutiger, entscheidungsfreudiger Unternehmer, sagt ein Manager, der lange für ein solches Unternehmen gearbeitet hat. Das ist vermutlich nichts für ungeduldige Naturen.

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