Samstag, 1. Oktober 2016

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Vertrauenskrise 2.0 J.P. Morgan erzittert im neuen Weltfinanzbeben

Händler von J.P. Morgan an der New Yorker Börse: Bank-Chef Jamie Dimon muss sich heute der Öffentlichkeit nach einer Reihe von Skandalen und Vorwürfen stellen

Manipulierte Zinsen, gefälschte Dokumente, verschwundene Kundengelder: Die Liste der Bankenskandale wird länger. Eine neue Vertrauenskrise bricht aus, das Weltfinanzsystem zittert - und mittendrin steht häufig J.P. Morgan. Heute trat der Bank-Chef mit einem Milliardengeständnis vor die Öffentlichkeit.

New York - Jamie Dimon betreibt Imagepflege und wirbt um Vertrauen. Der Vorstandschef von J.P. Morgan wird heute nach der Präsentation der Quartalsbilanz die Analysten nicht zur üblichen Telefonkonferenz laden. Er wird sie persönlich in der Zentrale der Bank in New York begrüßen. Händedruck statt Einwahl-Code. Das Tête-à-Tête hat einen guten Grund: Die Wall Street muss eine Serie schwerer Skandale bewältigen, und in einigen davon spielt J.P. Morgan eine prominente Rolle.

Dimon musste im Mai Milliardenverluste aus einer fehlgeschlagenen Spekulation auf Zinsderivate zugeben. Das hat in der aktuellen Quartalsabrechnung ein Loch von 4,4 Milliarden Dollar vor Steuern gerissen, gestand Bank-Chef Dimmon heute öffentlich ein. Trotz dieser Verluste schaffte die Bank im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 4,96 Milliarden Dollar - und blieb damit nur knapp unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums von 5,43 Milliarden.

J.P. Morgan Börsen-Chart zeigen ist aber auch im Visier der Finanzfahnder von Frankfurt über New York bis nach Tokyo, wo fieberhaft versucht wird, den Libor-Skandal aufzurollen. Den Klageschriften zufolge haben die Amerikaner von allen beteiligten Banken die Zinsen sogar am stärksten nach unten manipuliert, während die britische Barclays Börsen-Chart zeigen, die bereits eine Buße von einer halben Milliarde Dollar akzeptierte, noch am ehesten als Mitläufer durchging.

Und am 2. Juli verklagte die Federal Energy Regulatory Commission (Ferc) J.P. Morgan auf Herausgabe von E-Mails, die Licht in laufende Ermittlungen zur Manipultion des US-Energiemarkts bringen sollen.

Von März bis Juni 2011 hatten Stromnetzbetreiber ungewöhnliche Preisofferten für verfügbare Energie beobachtet. Die Ferc hat elf Untersuchungen wegen illegaler Preismanipulation in Kalifornien und dem Mittleren Westen der USA eingeleitet. J.P. Morgan Ventures Energy hat laut der Ferc Angebote abgegeben, die mindestens 73 Millionen Dollar regelwidrige Zahlungen an die Stromproduzenten nach sich zogen. Die Ferc nahm im Dezember auch die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen ins Visier.

Die Finanzbranche als kaum zu vermessender Sündenpfuhl und mafioses Kartell? Der Imageschaden jedenfalls ist schon jetzt nicht zu beziffern, das Vertrauen der Öffentlichkeit in Banken und Banker ist weitgehend dahin. "Die Leute an der Wall Street haben mit Ehrlichkeit nichts mehr am Hut", beklagt sich selbst Roger McNamee, der Mitbegründer des auf Medien- und Techfirmen spezialisierten Finanzinvestors Elevation Partners in New York, der ein Büro im Silicon Valley betreibt. "Der ganze Prozess der Kapitalbildung ist korrupt, das Verhalten der Nasdaq beispielsweise beim Börsengang von Facebook Börsen-Chart zeigen grenzte an Kriminalität", so McNamee.

Milliarden von Dollars verloren

Die Skandale erstrecken sich aber nicht nur von manipulierten Referenzzinsen bis zu abgesprochenen Strompreisen. Erst im April hatten 49 Staatsanwälte der USA einen 26 Milliarden Dollar umfassenden Vergleich mit den fünf größten Hypothekenbanken des Landes geschlossen: Die Bank of America Börsen-Chart zeigen, die Citigroup Börsen-Chart zeigen, J.P. Morgan, Wells Fargo Börsen-Chart zeigen und Ally Financial hatten in Tausenden von Fällen bei Zwangsversteigerungen Dokumente mit "Robo"-Unterschriften manipuliert.

Und erst Mitte Juni ging vor einem New Yorker Gericht ein langjähriges Mammutverfahren gegen Mitarbeiter von GE Capital zu Ende. Diese hatten in einem flächendeckenden Betrugsschema bei Auktionen für kommunale Anleihen mit zahlreichen Banken so zusammen gearbeitet, dass Schulen, Krankenhäusern, Bibliotheken und Altersheimen "praktisch jeder Gebietskörperschaft in den USA" - wie es in einem Vergleich heißt - insgesamt Milliarden von Dollars verloren gingen. Die Verschwörung senkte die Zinsen auf Investments dieser Städte und Bezirke.

Wegen des Libor-Skandals geraten zunehmend auch andere Märkte in Verdacht, manipuliert worden zu sein. Die Notierungen der Rohstoffe Gold Börsen-Chart zeigen und Silber Börsen-Chart zeigen gelten unter Insidern schon lange als verdächtig. Geht es nach Ned Naylor-Leyland, dem Investmentdirektor bei Großbritanniens führender unabhängiger Investmentbank, dann dürfte die Gold-Notierung so entstanden sein wie der skandalumwitterte Libor-Zinssatz. Er sagt für die kommenden Monate entsprechende Enthüllungen vorher, "weil Gold im selben Sinne wie Zinsen den Wert von Geld wiederspiegelt."

Noch deutlicher wird der Kassenwart des Gold Anti-Trust Action Committee, Chris Powell, und erhebt schwere Vorwürfe: "Weil Notenbanken ein Interesse daran haben, Staatsanleihen und den Dollar zu stützen, und weil sie Zinsen niedrig halten wollen, manipulieren sie fortgesetzt den Goldmarkt." Bis in die tiefe US-Provinz setzen sich die Bankenskandale fort. Am Freitag schlossen die Behörden unweit von Atlanta die Montgomery Bank & Trust. Einer ihrer Investmentberater hat 17 Millionen Dollar veruntreut und ist verschwunden. Jetzt sucht ihn das FBI.

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