Donnerstag, 26. April 2018

Wohnraumsanierung Steuern sparen mit Hausschwamm

Bundesfinanzhof in München: Hausschwamm-Sanierung leichter absetzbar

Der Bundesfinanzhof hat einige Urteile zur steuerlichen Absetzbarkeit von Sanierungskosten bei Wohneigentum gefällt. Harald Elster, Präsident des Steuerberater-Verbandes Köln, erläutert die höchstrichterlichen Entscheidungen.

mm: Herr Elster, der Bundesfinanzhof hat mehrere Entscheidungen zur Absetzbarkeit von Aufwendungen für die Sanierung von Wohneigentum getroffen. Was genau haben die Richter geurteilt?

Elster: Der BFH hat in drei Urteilen entschieden, dass Aufwendungen für die Sanierung eines selbst genutzten Wohngebäudes als außergewöhnliche Belastung steuerlich abzugsfähig sein können. Und zwar immer dann, wenn durch die Baumaßnahmen konkrete Gesundheitsgefährdungen abgewehrt oder andere unausweichliche Schäden beseitigt werden.

mm: Worum ging es in den Fällen?

Elster: Vor allem um die Frage, inwieweit Aufwendungen zur Sanierung eines mit echtem Hausschwamm befallenen Gebäudes zwangsläufig und somit außergewöhnlich sind. Ferner wurden für andere Maßnahmen, wie zum Beispiel Belastung durch Holzschutzmittel oder Asbest, die Nachweispflichten gelockert. In allen diesen Fällen ist ein amtlich technisches Gutachten vor Beginn von Sanierungsmaßnahmen nun nicht mehr erforderlich.

mm: War die Beseitigung von Schadstoffen in Wohnräumen nicht bisher auch schon steuerlich abziehbar?

Elster: Doch, aber es mussten strengere Nachweise geführt werden.

mm: Zum Beispiel?

Elster: Durch ein ärztliches Attest musste nachgewiesen werden, dass Gesundheitsschäden bereits eingetreten oder zu erwarten sind. Schon vor Sanierungsbeginn musste ein Gutachten vorliegen, das den Zusammenhang zwischen der Belastung und der Gesundheitsgefährdung belegt und die erforderlichen Maßnahmen bestätigt. Außerdem musste der Steuerpflichtige nachweisen, dass die Sanierung fachmännisch erfolgt.

mm: Das war umständlich.

Elster: Ja, es gab aber Ausnahmen. Für Asbestsanierungen etwa war schon bisher kein ärztliches Attest erforderlich. Denn die Gesundheitsgefährdung ist in dem Fall allgemein bekannt. Strittig war in der Vergangenheit aber ein Sanierungsbedarf bei echtem Hausschwamm, da die Finanzverwaltung darin keine Außergewöhnlichkeit sah.

mm: Und das hat sich nun geändert?

Elster: Richtig. Absetzbar sind nun nicht nur die direkten Sanierungskosten zur Beseitigung des Hausschwamms, sondern auch daraus resultierende Behandlungskosten, Gutachterkosten oder Ähnliches. Auch wenn während der Sanierungsmaßnahmen zusätzlicher Wohnbedarf entsteht, können diese Aufwendungen berücksichtigt werden. Und natürlich alle Sanierungsmaßnahmen, für die vor Durchführungsbeginn kein Gutachten vorliegt, bei denen aber der Steuerpflichtige dennoch nachweisen kann, dass er sich den Aufwendungen aus tatsächlichen Gründen nicht entziehen konnte.

mm: Das deutsche Steuergesetz wäre aber nicht das deutsche Steuergesetz, wenn es nicht doch noch einige Feinheiten zu beachten gäbe.

Elster: Die gibt es in der Tat. Den Grundstückseigentümer darf beispielsweise kein Verschulden an der Belastung treffen. Es darf keine Versicherungsmöglichkeit geben. Zum Zeitpunkt des Grundstückskaufs darf dem Erwerber zudem die Belastung nicht bekannt sein. Und das sind nur einige der Einschränkungen, die nach wie vor gelten.

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