Montag, 18. Juni 2018

Kreditbürgschaften Staatskasse muss für Schiffsbanken einspringen

Containerschiffe, Tanker, Bulker: Das ist die deutsche Handelsflotte
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dpa

Bundesländer mit Werftindustrie haben Banken für die Finanzierung von Schiffen umfangreiche Bürgschaften gegeben. In der aktuellen Schiffskrise dürften HSH Nordbank, NordLB und andere bereits auf das Geld schielen. Es geht um Steuergelder in dreistelliger Millionenhöhe.

Hamburg - Zwischen Hamburg, Bremen und Hannover wird zurzeit heftig um das Schicksal des Containerschiffs MS "Mare" gerungen. Der Hamburger Emittent Elbe Emissionshaus hatte den Frachter 2008 per Fonds an seine Kunden verkauft. Etwa 120 Privatanleger zahlten nach Angaben des Unternehmens rund sechs Millionen Euro Eigenkapital ein.

Zurzeit werden die Geschicke des MS "Mare" jedoch von der Gesellschaft Schultze & Braun in Bremen gelenkt, ihres Zeichens Rechtsanwälte und Insolvenzverwalter. Denn der Fonds fuhr vor wenigen Wochen in die Pleite.

In Hannover schließlich residiert die Norddeutsche Landesbank (NordLB). Sie führt ein Konsortium von Banken an, das der Beteiligungsgesellschaft seinerzeit die Fremdfinanzierung stellte. Von Darlehen in Höhe von insgesamt knapp 21 Millionen Euro stammten rund 15,5 Millionen von der NordLB und der DZ Bank als Hauptfinanzierer.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Lage beim MS "Mare" kaum von vielen anderen maritimen Beteiligungen in der aktuellen Schifffahrtskrise. Der Fonds geriet in Liquiditätsnot und konnte Kredite nicht bedienen. Daraufhin stellten Banken Darlehen fällig, was die Insolvenz zur Folge hatte.

Eine vierte Partei am Tisch

Nun wird fleißig verhandelt, über die Zukunft des Schiffes sowie der Anlegergelder, die auf dem Spiel stehen. Das zieht sich hin - und das wiederum könnte einen einfachen Grund haben: Neben Fondsverantwortlichen, Banken und Insolvenzverwalter sitzt bei den Gesprächen noch eine vierte Partei mit am Tisch.

Gemeint ist das Land Niedersachsen, vertreten durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC. Die Landesregierung in Hannover stellte einst für einen Teil der Fremdfinanzierung eine Bürgschaft. Gut 5,1 Millionen Euro der 15,5 Millionen Euro, die von NordLB und DZ Bank verliehen wurden, wurden auf diese Weise abgesichert. Das geht aus dem jüngsten Geschäftsbericht der Fondsgesellschaft hervor.

Damit ist das MS "Mare" zwar ein spezieller, beileibe jedoch kein Einzelfall. Auch beim Schwesterschiff MS "Jana" beispielsweise befindet sich nach Angaben des Elbe Emissionshauses eine solche Bürgschaft in der Finanzierungsstruktur. Und andere Fondshäuser haben in der Vergangenheit ebenfalls Schiffsfonds mit diesem Extra verkauft, sagen Marktkenner. Zwar nicht in gewaltigem, aber durchaus in nennenswertem Umfang. Die genaue Anzahl der betroffenen Fonds sowie deren Gesamtvolumen kennt am Markt allerdings offenbar kaum jemand.

Zahlen, die betroffene Landesregierungen auf Anfrage von manager magazin online genannt haben, lassen jedoch erahnen, um welche Größenordnung es sich insgesamt handelt. Demnach haben die Länder in den vergangenen Jahren solche Endfinanzierungsbürgschaften in dreistelliger Millionenhöhe vergeben. Ein großer Teil der öffentlich bislang kaum beachteten Verpflichtungen besteht nach wie vor. Sie dürften in der aktuellen Schifffahrtskrise zunehmend in Gefahr geraten, fällig zu werden. Dann begleichen Banken Kreditausfälle mit Steuergeldern. Einem ehemaligen an dem Geschäft beteiligten Banker zufolge wurden die fraglichen Schiffe in den meisten Fällen per Fonds an private Anleger verkauft, die jetzt im gleichen Zuge oft einen großen Teil ihrer Einlage verlieren.

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