Fondsmanager magazin RSS  - Fonds

Alle Artikel und Hintergründe


13.06.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Fondsschiff versteigert
NordLB bootet Anleger in der Karibik aus

Von Christoph Rottwilm

Containerschiffe, Tanker, Bulker: Das ist die deutsche Handelsflotte
Fotos
dpa

Angesichts schwächelnder Schifffahrtsmärkte haben Banken zurzeit Probleme mit Schiffskrediten, die nicht bedient werden können. Die NordLB hat in einem Fall jetzt eine entlastende Lösung gefunden - zum Leidwesen von mehreren hundert Fondsanlegern, die dabei Millionen verlieren.

Hamburg - Strahlender Sonnenschein, schneeweißer Strand und türkisfarbenes Wasser, das ist Aruba. Auf dem malerischen Eiland der niederländischen Antillen, etwa 25 Kilometer nördlich von Venezuela, wurde vor einigen Tagen der Mehrzweckfrachter MS "Pride of Madrid" versteigert, und zwar an die deutsche Gesellschaft Auerbach Schifffahrt. Der Deal dürfte einige hundert Fondsanleger hierzulande allerdings nicht gerade in karibische Stimmung versetzt haben, denn sie verloren dabei mehrere Millionen Euro. Die Verantwortung dafür schieben die Anleger vor allem der Norddeutschen Landesbank (NordLB) zu.

Was ist passiert? Die "Pride of Madrid" wurde Auerbach für 10,5 Millionen Euro zugeschlagen. Das noch junge Unternehmen mit Sitz am Hamburger Ballindamm selbst bringt allerdings lediglich Eigenkapital in Höhe von drei Millionen Euro in den Erwerb ein. In Höhe von 7,5 Millionen Euro, so erfuhr manager magazin online, erhielt Auerbach eine Finanzierung von der NordLB.

Genau dieser Kredit sorgt bei Anlegern für besonderen Unmut. Denn die "Pride of Madrid" ist für die NordLB beileibe keine Unbekannte. Das Schiff befand sich vor dem Verkauf an Auerbach im Besitz eines Fonds des Hamburger Emissionshauses Ownership. Rund 400 Ownership-Kunden hatten 2007 zusammen etwa zehn Millionen Euro Eigenkapital in den Frachter investiert. Zudem erhielt der Fonds eine Fremdfinanzierung über 13,7 Millionen Euro - und zwar ebenfalls von der NordLB in Hannover.

Die Folge dieser Dreieckskonstellation: Die Anleger verlieren durch die Versteigerung der "Madrid" den weitaus größten Teil ihres Geldes, denn der Erlös von 10,5 Millionen Euro reicht gerade, um die Restschulden von knapp zehn Millionen Euro bei der NordLB zu begleichen.

Willkommene Entlastung für die Landesbank

Innerhalb der Landesbank dagegen führt der Verkauf zu nicht viel mehr als einer simplen Umbuchung: Auf der einen Seite werden die restlichen knapp zehn Millionen Euro Schulden beglichen, die der Ownership-Fonds noch bei der Bank hatte. Gleichzeitig bleibt das Schiff in den Büchern des Instituts, mit der neuen Kreditforderung in Höhe von 7,5 Millionen Euro gegenüber Auerbach Schifffahrt.

So gelingt es der NordLB, ihr Engagement bei diesem Schiff um gut zwei Millionen Euro zu senken. Für die Bank dürfte das eine willkommene Entlastung darstellen. Wie viele andere schiffsfinanzierende Institute auch, haben die Hannoveraner derzeit mit problematischen Schiffskrediten schwer zu kämpfen. Institute wie die NordLB, die HSH Nordbank oder die Commerzbank-Tochter Deutsche Schiffsbank hatten vor der Wirtschaftskrise jahrelang im großen Stil Containerschiffe, Massengutfrachter und Tanker finanziert und damit das ungeheure Wachstum der Welthandelsflotte mit angetrieben.

Dann jedoch kam die Lehman-Pleite. Die Weltwirtschaft geriet in die Krise und der Welthandel brach zusammen. Davon hat sich die Schifffahrt bis heute nicht vollständig erholt. Zahlreiche Schiffsfonds leiden nach wie vor unter Liquiditätsnot. Banken, Emissionshäuser und Anleger ringen um die Fortführung der Beteiligungsgesellschaften.

So war es auch bei dem Ownership-Fonds "Pride of Madrid". Das Schiff geriet Anfang 2011 durch die Pleite der Beluga-Gruppe des Bremer Unternehmers Niels Stolberg in Schieflage. Der Frachter war von Beluga bereedert und auch an die Gruppe verchartet worden.

Zur Startseite
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • deli.cio.us
  • Pinterest

Weitere Artikel zu Diesem Thema

Rubelschwäche und Wirtschaftskrise
Pimco greift in Russland zu
Ausblick 2015
Warum der Guerilla-Anleger gefragt ist
Nach dem Abgang von Bill Gross
Gewagte Wette bringt Pimco in ruhigeres Fahrwasser
Mohammed Islam aus New York
Dieser Schüler zockt in den Pausen an der Börse - und hat bereits Millionen verdient

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH





Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?