Donnerstag, 21. September 2017

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Geldanlage Was tun beim Griechen-Exit?

Euro auf Drachme: Kehrt Griechenland der Gemeinschaftswährung den Rücken, dürfte das Auswirkungen auf viele Anlegerdepots haben

Der mögliche Austritt Griechenlands aus dem Euro beschäftigt bereits Politiker und Volkswirte. Auch Anleger sollten sich fragen, wie die Finanzmärkte auf einen solchen Exit reagieren würden. Zwei Szenarien sind denkbar.

Hamburg - Das Risiko, dass Griechenland aus dem Euro Börsen-Chart zeigen austritt, ist real und es nimmt laufend zu, da sind sich die Analysten der Ratingagentur Fitch sicher. Sie schätzen die Wahrscheinlichkeit des Exits so hoch ein, dass sie ihm eine eigene Analyse gewidmet haben. 20 kleingedruckte Seiten lang führen sie darin die Folgen auf, die der Euro-Austritt hätte: für die Staatsfinanzen, für die Banken, für die Versicherer und für die Unternehmen der Hellenen.

Mit ihrer Einschätzung steht die Ratingagentur nicht alleine da. Lange galt ein Abschied Griechenlands aus der Euro-Zone nur als hypothetisch. Doch seit den Parlamentswahlen Anfang Mai und der gescheiterten Regierungsbildung erscheint das Szenario realistisch. Als entscheidender Termin gilt der 17. Juni, wenn in Griechenland erneut gewählt wird.

Den Tag sollten sich auch Kapitalanleger rot anstreichen. Denn schon in der Vergangenheit haben die Schuldenprobleme der Griechen das Geschehen an den Finanzmärkten bestimmt. In den vergangenen Tagen ließen die Sorgen der Anleger den Aktienindex Dax Börsen-Chart zeigen unter die 6000 Punkte rutschen, erstmals seit Januar.

Bei Fitch in London zumindest sind sich die Experten einig: Kommt tatsächlich die Drachme zurück, so könnte das dramatisch enden, jedenfalls für die Griechen selbst. Nach Berechnungen aufgrund fundamentaler Daten würde eine eigenständige griechische Währung gegenüber dem Euro um beinahe 60 Prozent abwerten, schreibt die Ratingagentur. Die Erfahrung zeige jedoch, dass das Minus tatsächlich noch höher ausfallen dürfte.

Schwere Verwerfungen und Kontrolle des Kapitalverkehrs

Die Folge: Die Umnotierung öffentlicher und privater Schulden auf die neue, schwache Währung wird laut Fitch zu Zahlungsausfällen und "schwerwiegenden ökonomischen und finanzwirtschaftlichen Verwerfungen" führen. Eine Kapitalflucht müsste mit Kapitalverkehrskontrollen verhindert werden.

Unter Druck gerieten vor allem die Banken des Landes. Doch auch Versicherungen und Unternehmen, die hohe Verbindlichkeiten im Ausland haben, bekämen Schwierigkeiten.

Jene griechischen Firmen dagegen, die ihr Geld zum Großteil im Ausland verdienen, könnten von der Umstellung sogar profitieren. Das sieht auch Lothar Koch so. Der Portfoliomanager bei der GSAM AG betont den Vorteil, dass die Abwertung dem griechischen Exportsektor helfen würde. Wirtschaftsbereiche, so Koch, die im europäischen Wettbewerb in den vergangenen Jahren unter die Räder kamen, könnten künftig wieder konkurrenzfähig anbieten.

Der Vermögensverwalter erwartet nicht zuletzt deshalb kaum massive Auswirkungen eines Griechen-Exits auf die Anlagemärkte. Lediglich die Ansteckungsgefahr Spaniens oder Portugals könnte für Nervosität sorgen und Sachwerte nochmals stärker in den Fokus rücken, meint er. Gold Börsen-Chart zeigen und Silber Börsen-Chart zeigen könnten möglicherweise ihre zwischenzeitliche Schwächephase beenden.

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