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27.04.2012
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Neue Schiffspleiten
NordLB soll Fondsrettung blockiert haben

Von Christoph Rottwilm

Containerschiffe, Tanker, Bulker: Das ist die deutsche Handelsflotte
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dpa

Erneut sind zwei Schiffsfonds pleite. Dabei ging es hinter den Kullissen offenbar hoch her: Seit etwa einem Jahr rang das Emissionshaus Ownership um die Frachter und 20 Millionen Euro Anlegergelder - jetzt brachte eine merkwürdige Entscheidung der finanzierenden Bank das Aus.

Hamburg - Das Emissionshaus Ownership in Hamburg hat in dieser Woche Insolvenzantrag für die Mehrzweckfrachter MS "Pride of Madrid" und MS "Pride of Paris" gestellt. Betroffen sind jeweils etwa 300 Anleger, die 2007 in jedes der Schiffe knapp zehn Millionen Euro Eigenkapital investiert hatten. Weitere jeweils rund 13,7 Millionen Euro wurden als Kredit beigesteuert.

Soweit liest sich die Meldung wie eine von vielen in der aktuellen Schifffahrts- und Schiffsfondskrise. Doch der Hintergrund erscheint diesmal besonders bemerkenswert. Etwa ein Jahr lang verhandelten die Verantwortlichen von Ownership über das Schicksal der Frachter. Und anders als bei anderen Pleiteschiffen war es am Ende nicht der Mangel an Kapital, der den Ausschlag gab.

Doch der Reihe nach: Wie es zur Insolvenz gekommen ist, lässt in groben Zügen ein Schreiben an die Vertriebspartner erahnen, das manager magazin online vorliegt, und das in ähnlicher Form auch die Anleger erhalten dürften. Demnach gerieten beide Schiffe durch die Pleite der Bremer Beluga-Gruppe Anfang 2011 in Schieflage. Die "Pride of Madrid" und die "Pride of Paris" wurden von Beluga bereedert und waren auch an die Gruppe verchartet, seinerzeit allerdings noch unter den Namen "Beluga Fascination" und "Beluga Flirtation".

Um die Einnahmeausfälle abzufangen, verhandelten in der Folge Fondsgeschäftsführer und Banker über ein Finanzierungskonzept. Letztere vertraten das Institut, das beide Schiffe mit Darlehen versorgt hatte, nämlich die NordLB in Hannover. Die Verhandlungen, das ist dem Schreiben zu entnehmen, verliefen offenbar für alle Beteiligten recht mühsam.

Streit um eine Schiffahrtsgruppe mit Sitz auf Zypern

Fest stand sehr schnell: Um die Schiffe wieder in die Bahn zu bringen, mussten die Kredittilgungen eine Zeit lang ausgesetzt werden. Zudem benötigten beide Fonds jeweils 1,5 Millionen Euro frisches Kapital.

Um dieses Geld setzte dann ein heftiges Ringen ein. Glaubt man der Fondsgeschäftsführung von Ownership, dann hat sie die zusammen drei Millionen Euro aufgebracht. Jeweils knapp 700.000 Euro gaben die bereits in den Fonds engagierten Anleger. Den Rest sagte zunächst ein Großinvestor zu. Später sprang eine "renommierte international agierende Reedereigruppe" ein, wie es im Schreiben heißt.

Bei dieser Reedereigruppe der eine Schlüsselrolle zukommt, handelt es sich nach Informationen von manager magazin online um die Marlow Schifffahrtsgruppe mit Sitz auf Zypern und deutscher Niederlassung in Hamburg. Marlow war bereit, 815.000 Euro für die "Pride of Madrid" und 840.000 Euro für die "Pride of Paris" zur Verfügung zu stellen. Die Gesellschaft knüpfte dieses Commitment allerdings - und das ist der Kasus Knaktus - an die Bedingung, selbst die Bereederung der Schiffe zu übernehmen.

Zu einem solchen Wechsel des Bereederers gab es zwischen der Bank und den Fonds offenbar bereits eine Regelung. Laut so genanntem Termsheet, der grundsätzlichen Zusage der neuen Finanzierung seitens der NordLB also, war ein Wechsel der Bereederung laut Ownership möglich. Lediglich die Übernahme dieser Aufgabe durch eine "nicht bankgenehme Bereederungsgesellschaft" sei ausgeschlossen worden, so das Fondshaus.

Landesbank lehnt neuen Vertragsreeder ab

Gegen Marlow schien daher nichts zu sprechen: Marktteilnehmern zufolge handelt es sich dabei um eine weltweit tätige Schifffahrtsgruppe mit Aktivitäten in verschiedenen Bereichen der maritimen Dienstleistung. Laut Ownership-Schreiben steht das Unternehmen zudem mit der NordLB in langjährigen Geschäftsbeziehungen.

Die Landesbank jedoch blockte dennoch ab: Ende März teilte sie mit, das sie dem Wechsel des Vertragsreeders nicht zustimmt.

Daraufhin ging die Sache schnell: Ohne den Auftrag zur Bereederung der Schiffe stand Marlow als Geldgeber nicht mehr zur Verfügung. Ownership machte noch einen weiteren Rettungsvorschlag, der jedoch von der Bank nicht aufgegriffen wurde. Stattdessen kündigte die NordLB Anfang April die Kredite, was die Insolvenz der Fonds zur Folge hatte.

Bei Ownership ist die Verbitterung offenbar groß. Es steht zwar nicht explizit in dem Brief an die Vertriebsleute, aber zwischen den Zeilen ist die Frage deutlich herauszulesen: Wollte die NordLB die Schiffe überhaupt retten? "Beide Frachter befinden sich in laufenden Beschäftigungsverhältnissen, der Marktwert liegt jeweils über den restlichen Darlehensvaluta", sagt Ownership-Geschäftsführer Olaf Pankow. "Eine Rettung wäre in diesen Fällen wirtschaftlich sinnvoll und machbar gewesen."

Die NordLB wollte sich zu der Sache mit Verweis auf die Vertraulichkeit des Kundenverhältnisses nicht äußern.

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