Samstag, 23. Februar 2019

Girogo, PayPass und Co. Karte gezückt, Geld weg

Bald auch ohne PIN oder Unterschrift: Bezahlen mit Bankkarte ist per Funk möglich

Bezahlen, ohne nach Kleingeld zu kramen: Das sollen Verbraucher bald können, indem sie kleine Beträge per Funk mit ihrer Geldkarte zahlen. Geheimzahl und Unterschrift werden überflüssig. Doch bei der neuen Technik lauern auch Fallen.

Berlin - Die Schlange an der Kasse ist lang, doch der Kunde möchte gerne passend zahlen. Bis er jedoch auch den letzten Cent in seiner Geldbörse gefunden hat, vergeht Zeit. Szenen wie diese sollen bald der Vergangenheit angehören. Denn künftig sollen Kunden mit ihrer Geldkarte quasi im Vorbeigehen zahlen können.

Möglich wird dies durch einen integrierten funkfähigen Chip, auf den Guthaben geladen werden kann. Wird die Karte vor einen Terminal an der Kasse gehalten, wird der fällige Betrag einfach abgebucht. "Das geht deutlich schneller als bei der Barzahlung", sagt Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin.

Unter dem Namen "Girogo" soll die neue Technik bald in der Praxis getestet werden. Im Großraum Hannover startet die Deutsche Kreditwirtschaft Mitte April einen Pilotversuch. Allein die Sparkassen werden in der Region insgesamt 1,3 Millionen Girokarten mit Funk-Chip an ihre Kunden ausgeben.

Laut DSGV sollen bis Ende des Jahres dann 16 Millionen Sparkassenkunden über die neuen Karten verfügen, bis Ende 2015 sollen alle 45 Millionen Karten ausgetauscht sein. Auch die Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard setzen die neue Technik ein.

"Revival der Geldkarte"

Die Höchstgrenze für das Guthaben liegt bei 200 Euro. Beim Bezahlen hält der Kunde seine Karte im Abstand von maximal vier Zentimetern vor einen Terminal an der Kasse. Über Funk wird dann der fällige Betrag von der Karte abgebucht. Unterschrift oder Geheimzahl (PIN) sind nicht nötig.

"Das ist sozusagen das Revival der Geldkarte", sagt Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Denn auch bisher konnte der Chip auf der Bankkarte schon zum Bezahlen eingesetzt werden. Davon machten aber nur wenige Kunden Gebrauch.

Mit der Funktechnik soll das nun anders werden. "Ziel ist, durch das kontaktlose Bezahlen den Bargeldanteil zu reduzieren", sagt Michaela Roth. Denn nach wie vor zahlen die Kunden in Deutschland kleine Einkäufe gerne mit Münzen und Scheinen. Bei Beträgen bis fünf Euro liegt der Bargeldanteil laut DSGV bei rund 97 Prozent, bei größeren Beträgen zwischen 100 und 500 Euro hingegen nur bei rund 32 Prozent. Viele Geschäfte akzeptieren bei Kleinbeträgen auch keine Kartenzahlung.

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