Mittwoch, 28. Juni 2017

Michael Marcovici "Ich bin der größte Kapitalismusfreund"

Kunst und Kommerz: Die Ideen des Michael Marcovici
Fotos

Michael Marcovici ist halb Künstler, halb Unternehmer - und manchmal beides. Er verdiente Geld als Verleger, ließ Ratten mit Devisen handeln, wurde größter Ebay-Händler Europas und ging Pleite. Inzwischen ist er Fondsmanager und setzt auf eine ungewöhnliche Anlageklasse: Internetdomains.

Hamburg - Der Wiener Michael Marcovici ist stets unterwegs. Mal als Künstler in Russland, Irland oder China, mal als Unternehmer in Österreich, Kanada oder Belgien. In welcher Rolle er gerade steckt, ist dabei nicht immer ganz klar. Denn nicht nur in den Projekten des 41-Jährigen verwischen Kunst und Kommerz, sondern auch in seinem Leben. Sein Künstlertum könne er ohne sein Unternehmertum nicht finanzieren, sagt Marcovici.

Er war 17 Jahre alt, als er in Österreich seinen eigenen Börsenbrief herausgab und einige Jahre später an einen deutschen Verlag verkaufte. Auch seine zweite Gründung, eine Technologiezeitschrift namens "Werzeugmagazin", schlug er später los. Sein erfolgreichster Exit war indes das "Street Fashion Magazin", das einfach nur Fotos von Menschen auf der Straße abbildete - garniert mit Werbung großer Modelabels. "Das habe ich gut verkauft", sagt Marcovici. Auf dem Höhepunkt, im Sommer 2001, kurz vor den Anschlägen vom 11. September, gab er das Modemagazin an einen anderen Verleger weiter.

Was Marcovici nach dem Verkauf des "Street Fashion Magazins" blieb, waren Stapel von Handtaschen und Jeans - Waren, mit denen einige Werbekunden ihre Anzeigen entgolten hatten. Zu Geld machte der Unternehmer die Kleider auf Ebay. Der Erfolg war so durchschlagend, dass er einfach als Internethändler weitermachte. Sein Unternehmen Quentis stieg zeitweise zum größten Ebay-Powerseller Europas auf. Achtzig Mitarbeiter in Wien, ein Dutzend in Shanghai. Zu Weihnachten zusätzliche fünfzig, die nur beim Verpacken mithalfen.

Dann jedoch folgte der Abstieg. Anfang 2006 schlitterte Qentis in den Konkurs.

mm: Was war passiert, Herr Marcovici?

Marcovici: Wir haben damals dreißig Millionen Euro Umsatz gemacht, hatten aber nur zwei oder drei Millionen Kapital. Eine Bank hat uns dann Kapital in Aussicht gestellt - unter der Bedingung, dass wir SAP implementieren. Ja, dachte ich, das ist kein Problem. Dann ging aber die Firma pleite, die wir mit der Implementierung beauftragt hatten. Das bedeutete schließlich auch das Ende für uns.

mm: Sie haben sich dann zunächst wieder intensiver der Kunst gewidmet. Ein Beispiel aus dieser Zeit ist ein Projekt, das zunächst als "TREBIF TEE" begann. Was hatte es damit auf sich?

Marcovici: Ich hatte einen Lieferanten aus China, der mir 10.000 Dollar schuldete. Ich wollte bei ihm Leuchter für Fahrradlenker herstellen lassen, die ich zuvor selber entworfen hatte. Doch er hatte nicht geliefert. Irgendwann sagte er mir, er habe das Geld nicht, er kenne aber einen Leuchtbuchstabenhersteller, der ihm 2500 Dollar schulde. Das könne er mir als Kompensation anbieten. Okay, habe ich mir dann gedacht. Ich habe die Chinesen dann Buchstaben für das Pseudo-Unternehmen "TREBIF TEE" produzieren lassen. In Wien habe ich dann "FREE TIBET" draus gemacht - und das als "Made in China" gekennzeichnet. Damit erpresse ich den Lieferanten, dachte ich insgeheim (er lacht). Das habe ich aber natürlich nicht gemacht.

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