Samstag, 27. August 2016

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Neue Schiffspleiten Verzweifelter Kampf gegen den Untergang

Containerschiffe, Tanker, Bulker: Das ist die deutsche Handelsflotte
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dpa

Wieder haben Schiffsfonds Insolvenz angemeldet und weiteren steht das wohl bevor. Emissionshäuser, Reedereien, Banken, Vertriebe und Investoren kämpfen mit harten Bandagen um ihr Geld und wenden dabei manch juristischen Winkelzug an - und zwar nicht nur im Schiffsfondssektor.

Hamburg - Die Pleitewelle am Schiffsfondsmarkt flaut nicht ab. Jüngstes Opfer sind die Beteiligungsgesellschaften "Magellan Meteor" und "Magellan Star" aus dem Hause HCI Capital Börsen-Chart zeigen, für die in diesen Tagen Insolvenz angemeldet wurde. Die beiden Frachter mit je 735 Containerstellplätzen wurden damit ebenfalls Opfer der Schifffahrtskrise, die bereits seit 2008 die Märkte belastet, und die schon anderen Fonds das Aus brachte.

Und weitere dürften folgen. Das Emissionshaus Atlantic in Hamburg etwa steht möglicherweise kurz davor, für seinen mit Abstand größten Schiffsfonds Insolvenz anzumelden. In welch prekärer Liquiditätsnot sich der rund 90 Millionen Euro schwere "Atlantic Flottenfonds" befindet, geht aus einem Schreiben an die Investoren hervor. Demnach sieht die Fondsgeschäftsführung keine Möglichkeit mehr, den Schiffsbetrieb unter den von den finanzierenden Banken - vor allem die Commerzbank-Tochter Deutsche Schiffsbank - geforderten Prämissen fortzuführen. Selbst eine stabilisierende Kapitalerhöhung - sprich: eine Geldspritze - komme nicht in Frage, weil die erforderliche Fortführungsprognose vom Wirtschaftsprüfer nicht testiert werde. Die Insolvenz sei also nicht mehr zu vermeiden.

Vorgeschlagen wurde daher eine andere Variante: Die Anleger, die einst mehr als 30 Millionen Euro in die vier Spezialtanker des Fonds investiert hatten, sollten einem schnellen Verkauf der Schiffe zustimmen, um der Insolvenz zuvorzukommen. "Mit dieser Maßnahme glauben wir, einen höheren Erlös zu erzielen, als dies durch einen Insolvenzverwalter erreicht werden kann", schrieben die Geschäftsführer. Gleichzeitig machten sie jedoch klar, dass dabei wohl nicht einmal genug eingenommen würde, um die Restschulden bei den Banken zu begleichen. Für die Anleger wäre also auch so nur der Totalverlust geblieben. Auf einer Gesellschafterversammlung entschieden sie sich inzwischen mit großer Mehrheit gegen den Verkauf.

Vorausgegangen ist dieser dramatischen Zuspitzung ein rund zwölfmonatiger Kampf, in dem das Emissionshaus Atlantic, die involvierte Reederei Chemikalien Seetransport mit dem Reeder und prominenten Forderer einer Vermögenssteuer für Reiche, Peter Krämer, an der Spitze, die Banken und die Anleger um das Überleben des Fonds gerungen haben. Erforderlich gewesen wäre - wie immer in diesen Fällen - in erster Linie frisches Kapital . Darüber jedoch, wer dieses in welcher Höhe hätte beisteuern sollen, war schier keine Einigung zu erzielen.

Initiatoren bevorzugen den Postweg

Von einigen Anlegern wurden die Schuldigen bereits ausgemacht. Die Umsetzung eines tragfähigen Konzeptes sei anscheinend allein aufgrund des mangelnden Engagements beziehungsweise der möglichen Eigenbeiträge der Banken aber auch des Emissionshauses Atlantic nicht möglich, heißt es in einem Kommentar des Anlegerbeirates. Von Seiten des Fondsemittenten war dazu keine Stellungnahme zu bekommen.

Ähnlich wie der "Atlantic Flottenfonds" geraten zurzeit auch andere Schiffsfonds in Not - Konflikten zwischen Fondsanbietern, Banken und Anlegern bleiben dabei nicht aus. Ein Streitpunkt ist häufig die Beteiligung an Liquiditätsspritzen für die schiefliegenden Fonds. Anleger werden aufgefordert, frisches Geld nachzuschießen, fordern jedoch ihrerseits auch höhere Beiträge von Emissionshäusern, Reedereien und Kreditgebern. Die wiederum können das, so die Beteuerung, kaum leisten, weil sie mitten in der Krise vielfach selbst mit dem Rücken zur Wand stehen. Schließlich ist das Neugeschäft mit Schiffsfonds praktisch zum Erliegen gekommen, Umsätze machen die Emissionshäuser zurzeit fast ausschließlich mit Gebühren aus laufenden Fonds, in die sie vielfach mehr als 90 Prozent ihrer Arbeitskraft stecken.

Ein Knackpunkt der ebenfalls Gemüter erhitzt, ist die Frage, ob wichtige Weichenstellungen im schriftlichen Umlaufverfahren entschieden werden können, oder ob dafür eine Präsenzgesellschafterversammlung anberaumt werden muss. Immer mehr Fondsemittenten bevorzugen offenbar das schriftliche Verfahren. Das spart zwar Kosten, verhindert aber auch die Diskussion über mögliche Versäumnisse der Fondsgeschäftsführer oder anstehende Entscheidungen. Und letztere sind besonders in diesen Zeiten oft von erheblicher Tragweite - nicht selten geht es um die Existenz der Beteiligungsgesellschaft und die Frage, wie diese gerettet werden kann.

Ein Beispiel: Die Anleger des insolvenzbedrohten Schiffsfonds MS "Fresena" vom Emissionshaus Gebab in Meerbusch bekamen vor einigen Tagen einen Brief mit der Einladung zu einer Gesellschafterversammlung. Auf dem Treffen, das für Freitag dieser Woche anberaumt ist, soll über den Verkauf des fondseigenen Containerfrachters sowie die Auflösung der Beteiligungsgesellschaft entschieden werden. Keine Kleinigkeit also, und offensichtlich Anlass genug, sich einmal persönlich zu treffen.

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