Montag, 17. Dezember 2018

Fondsbranche Schiffskrise treibt Emissionshaus in die Pleite

Tanker in Seenot: In Hamburg musste ein Schiffsfondsemittent Insolvenz anmelden

Es trifft zwar lediglich ein kleines Unternehmen, für die Fondsbranche dürfte das Alarmsignal jedoch nicht zu überhören sein: In Hamburg hat die Firma Appencapital, Emissionshaus für Schiffsbeteiligungen, Insolvenz angemeldet. Weitere könnten folgen. 

Hamburg - Insolvenzen von Schiffsfonds gab es seit Ausbruch der Schifffahrtskrise schon einige, jetzt hat es ein Emissionshaus erwischt: Die Firma Appencapital sowie die dazugehörige Bereederungsgesellschaft Appencarrier haben Anfang Februar in Hamburg Insolvenz angemeldet. Seit Beginn der Marktkrise 2008/2009 ist es erst die zweite bekannte Pleite eines Fondsemittenten, zuvor hatte 2009 die Gesellschaft Fafa Capital die Waffen gestreckt.

Bei Appencapital handelt es sich lediglich um einen kleinen und noch jungen Player in dem Markt. Die Firma wurde 2005 gegründet. Seitdem wurden nach Angaben des Hauses drei Schiffsfonds für Privatanleger sowie einige weitere sogenannte Private Placements für jeweils wenige vermögende Kunden, zum Teil Geschäftspartner und Bekannte, aufgelegt.

Einer der drei Publikumsfonds wurde bereits kurz vor Ausbruch der Krise nach dem Verkauf des Schiffs aufgelöst, so das Unternehmen gegenüber manager magazin Online. Zwei weitere, mit den Containerschiffen MS "Appen Hamburg" und MS "Appen Paula" darin, befinden sich demnach nach wie vor in Betrieb und werden von der Hamburger Reederei Thien & Heyenga gemanagt. Laut Appencapital sind an den beiden Fonds rund 500 Anleger mit rund zwölf Millionen Euro Eigenkapital beteiligt. Insgesamt, inklusive Bankdarlehen also, kommen beiden Fonds auf ein Investitionsvolumen von rund 40 Millionen Euro.

"Eine Reihe kleiner Fondshäuser, bei denen man auf eine Insolvenz wartet"

Appencapital war zudem Teil der Appen-Gruppe, die unter dem Label Appenship vor allem als Schiffsbroker und Logistikdienstleister agierte. Auch dieses Unternehmen ist allerdings bereits pleite, der Insolvenzantrag wurde bereits im Oktober 2011 gestellt.

Für Geschäftsführer Robert von Appen steht sein Haus beispielhaft für viele: Zwar sei bereits 2009 das Neugeschäft eingestellt worden, so von Appen zu manager magazin Online. Aufgrund der Krise der Schifffahrt seien jedoch inzwischen immer mehr Abschreibungen notwendig gewesen, die letztlich zur Überschuldung geführt hätten. "Weil wir keine positive Fortführungsprognose hatten, war die Insolvenz nach dem Jahresabschluss 2010 unausweichlich", sagt von Appen. "In die Situation könnten andere Emissionshäuser in vergleichbarer Lage ebenfalls geraten."

Das sehen andere Marktbeobachter ähnlich. "Es gibt eine Reihe kleiner Fondshäuser, bei denen man ebenfalls geradezu auf eine Insolvenz wartet", sagt Anlegeranwalt Jens-Peter Gieschen von der Kanzlei KWAG, der die Branche stets im Blick hat. "Bislang gelingt es vielen, die Unterstützung von Banken und anderen Geldgebern aufrechtzuerhalten. Diese Geduld dürfte aber irgendwann erschöpft sein."

Zum Hintergrund: Die Schiffsbranche befindet sich in schwerer See. Zunächst waren vor allem die Märkte für Containerschiffe nach der Lehman-Pleite 2008 eingebrochen. Das hatte viele Schifffahrtsgesellschaften in erhebliche Liquiditätsnot gebracht. Die Anleger der Fonds, die den Großteil der Schiffe finanziert hatten, mussten in zahlreichen Fällen zusätzliches Kapital aufbringen, um ihre Investments zu stützen. Einige Schiffe fuhren dennoch in die Insolvenz.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH