Samstag, 24. Juni 2017

EM 2000 Shearer köpft Deutschland raus

Das war's dann wohl für Lothar Matthäus und Co: Nach einer Niederlage gegen England durch ein Tor von Alan Shearer steht die deutsche Fussball-Nationalmannschaft bei der Euro 2000 vor dem Blitz-Aus in der Vorrunde.

Charleroi - Der deutschen Nationalmannschaft droht bei der Fußball-Europameisterschaft das Aus - erstmals seit 16 Jahren in einer Vorrunde. Das Team von Trainer Erich Ribbeck unterlagen am Samstag im belgischen Charleroi 0:1 gegen die englische Nationalelf, die erste Niederlage gegen die Insel-Kicker seit 34 Jahren. Vor und während des Fußball-Klassikers kam es außerhalb des Stadions zu Krawallen.

Jubel über das Siegtor: Alan Shearer, Kapitän der englischen Fussball-Nationalmannschaft
DPA
Jubel über das Siegtor: Alan Shearer, Kapitän der englischen Fussball-Nationalmannschaft
Alan Shearer köpfte in der 53. Minute unhaltbar für Torhüter Oliver Kahn ein. Die Engländer rückten damit in der Gruppe A auf Platz 2 hinter Portugal vor. Ihnen reicht zum Weiterkommen ein Unentschieden im letzten Vorrundenspiel gegen Rumänien.

Deutschland muss dagegen bei Tabellenführer Portugal antreten, der sich im anderen Spiel des Tages mit einem 1:0 gegen Rumänien bereits vorzeitig für das Viertelfinale qualifizierte.

Ausgerechnet der in der englischen Presse viel kritisierte Shearer, der zuvor mehr als 500 Minuten nicht mehr getroffen hatte, rehabilitierte sich mit dem Tor des Tages. Nach einer Freistoßvorlage von Mittelfeldstar David Beckham köpfte der für Newcastle stürmende Shearer aus acht Metern Entfernung ein.

Die deutschen Kicker setzten mit der Niederlage die Serie enttäuschender Leistungen seit dem vorzeitigen Abgang und indiskutabler Leistung bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 fort. Vor allem im Mittelfeld fehlte es an Kreativität aber auch an Glück.

Einzig Youngster Sebastian Deisler konnte mit Ideenreichtum überzeugen und sich als Hoffnungsträger profilieren, bevor er entkräftet gegen ausgewechselt wurde.

Der deutsche Sturm kam wegen ausbleibender Vorlagen erst gar nicht zum Torschuss. Stürmer Ulf Kirsten blieb bis zu seiner Auswechslung gegen Paolo Rink ein Totalausfall, doch auch Rink fand nicht mehr richtig ins Spiel.

Ungeachtet der Niederlage waren die deutschen Kicker nicht völlig chancenlos. Dietmar Hamann und Mehmet Scholl in der 19. beziehungsweise 23. Minute verfehlten die deutsche Führung nur knapp. In der zweiten Hälte hatten Jancker und erneut Scholl gute Chancen.

Mit einer Glanzparade wehrte Kahn in der 35. Minute einen britischen Treffer durch Michael Owen ab, der durch einen Verteidigungsfehler frei zum Kopfball kam. Paul Scholes verfehlte eine Minute später nur knapp Kahns Kasten.

Im Gegensatz zum 1:1 gegen Rumänien zeigte Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus als Abwehrchef eine ansprechende Leistung. Christian Ziege gelang es, Beckham weitgehend auszuschalten.

Matthäus sagte nach seinem 148.Länderspiel, die Deutschen wollten nun versuchen, gegen Portugal zu gewinnen, um ihre Minimalchance zum Weiterkommen zu nutzen. Er sprach von einem "Nervenspiel" und bescheinigte den Engländern, ihre Chance genutzt zu haben. "Wir konnten das, was wir uns vorgenommen haben, nicht ganz umsetzen", sagte Matthäus.

Vorrundengruppe A in Charleroi:

England - Deutschland 1:0


1:0 Shearer (53. Minute)


England: Seaman - Gary Neville, Keown, Campbell, Philip Neville - Beckham, Ince, Scholes (72. Barmby), Wise - Shearer, Owen (61. Gerrard).

Deutschland: Kahn - Babbel, Matthäus, Nowotny - Deisler (72. Ballack), Hamann, Jeremies (75. Bode), Ziege - Scholl - Kirsten (70. Rink), Jancker.

Schiedsrichter: Pierluigi Collina (Italien)

Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)

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