Dienstag, 26. Juli 2016

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Schiffsbeteiligungen in der Krise Zwei Fondsschiffe von HCI sind pleite

Schwerer Schiffbruch: Der Fonds HCI Shipping Select 28 befand sich von Beginn an in Schwierigkeiten

Die Schifffahrtskrise trifft Anleger mit voller Wucht: Für zwei Schiffe eines 200-Millionen-Euro-Fonds von HCI Capital wurde jetzt Insolvenz angemeldet. Die Beteiligungsgesellschaft stand schon zuvor unter keinem guten Stern. Die Popularität von Schiffsfonds dürfte das erneut schmälern.

Hamburg - Schon in der Vergangenheit machte der Fonds "Shipping Select 28" des börsennotierten Emissionshauses HCI Capital Börsen-Chart zeigen aus Hamburg seinen Anlegern keine Freude, jetzt kommt es erneut Dicke: Für zwei Schiffe aus dem Fonds wurde vor wenigen Tagen der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Das geht aus einem Schreiben an die Anleger hervor, das manager magazin Online vorliegt.

Bei den Pleiteschiffen handelt es sich um die Produkten-/Chemikalientanker "Hellespont Crusader" und "Hellespont Commander". Sie sind Teil des aus insgesamt sechs Schiffen bestehenden Dachfonds mit einem Volumen von insgesamt rund 200 Millionen Euro. Betroffen sind Schätzungen zufolge mehr als 1000 Investoren.

Grund für die Pleite ist laut Anlegerschreiben die Weigerung der finanzierenden Banken, ein Fortführungskonzept zu unterstützen. Im Klartext heißt das: Die Kreditgeber sind offenbar nicht länger bereit auf ausstehende Zahlungen für die schiefliegenden Schiffe zu warten und drehen dem Fonds den Geldhahn zu.

Die Meldung dürfte kaum geeignet sein, die Popularität von Schiffsbeteiligungen wieder zu steigern. Wie sehr die ehemals so beliebten Fonds von Anlegern zurzeit gemieden werden, zeigen Marktdaten, die am Dienstag vom Branchenverband VGF veröffentlicht wurden.

Anleger meiden Schiffsfonds

Demnach brach das Platzierungsvolumen der Schiffsbeteiligungen im vergangenen Jahr erneut um etwa 50 Prozent ein. Nur noch gut 500 Millionen Euro sammelten die Initiatoren mit ihren maritimen Beteiligungsofferten ein. In Boomphasen waren es mehrere Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt für geschlossene Fonds blieb 2011 mit einem Eigenkapitalvolumen von knapp sechs Milliarden Euro laut VGF gegenüber 2010 stabil.

Zum Hintergrund: Die Wirtschafts- und Schifffahrtskrise Ende 2008 sowie 2009 brachte viele Schiffsfonds in erhebliche Schwierigkeiten. Der Einbruch der Charterraten, zu denen die Fonds ihre Schiffe vermieten, ließ die Einnahmen wegbrechen. Die Folge waren bei vielen Fonds schon in der Vergangenheit erhebliche Liquiditätsengpässe. Auch Insolvenzen hat es schon mehrere gegeben. In der Folge schwand das Interesse der Anleger, derartige Fonds zu zeichnen. Nach einem zwischenzeitigen Aufschwung 2010 und 2011 kämpft die Schiffsbranche gegenwärtig erneut mit der Krise.

Beim Shipping Select 28 begannen die Probleme allerdings schon vor dem Start der eigentlichen Betriebsphase. Rund 70 Millionen Euro Eigenkapital wollte HCI im Jahr 2008 ursprünglich bei Privatanlegern für den Fonds einsammeln. Weitere gut 120 Millionen Euro waren als Bankdarlehen eingeplant.

Der Ausbruch der Krise machte dem Emissionshaus jedoch einen Strich durch die Rechnung. Das Anlegerinteresse ließ schlagartig nach, so dass die Platzierung beim Stand von rund 40 Millionen Euro Eigenkapital abgebrochen werden musste.

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