Mittwoch, 16. Januar 2019

Bilanz 2011 Privatanleger flüchteten aus Fonds

Panik: Mit den Kursstürzen im Sommer 2011 wandten sich viele Privatanleger von der Börse ab. Die Kursverluste sorgten auch für sinkende Geldvermögen der Deutschen

Millionen Privatanleger sind 2011 wegen der Turbulenzen an den Börsen aus ihren Fonds geflüchtet. Unter dem Strich zogen sie 16,6 Milliarden Euro ab. Erstmals seit zwei Jahren sind die Geldvermögen der Deutschen auch wieder gesunken - wegen der Verluste an den Börsen.

Frankfurt am Main - Verunsicherte Privatanleger haben im vergangenen Jahr Milliarden aus Fonds abgezogen. Aus Publikumsfonds - unter anderem Renten- und Aktienfonds - flossen unter dem Strich 16,6 Milliarden Euro ab, wie der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Mit einer schnellen Trendwende rechnet die Branche nicht: "Der Januar war insgesamt wieder negativ", sagte BVI-Präsident Thomas Neiße.

"Die Verkäufe der Privatanleger sind der Suche nach Sicherheit geschuldet", erklärte Neiße. "Viele Bürger haben mittlerweile das Vertrauen verloren. Dies gilt sowohl für das Vertrauen in die Stabilität unserer Währung als auch für das Vertrauen in das Finanzsystem. Und das gilt insbesondere für das Vertrauen in die Fähigkeit der europäischen Politik, die Verschuldungskrise zu lösen."

Dagegen investierten institutionelle Investoren mitten in der Euro-Schuldenkrise weitere 45 Milliarden Euro in Spezialfonds. Insgesamt verwaltete die Fondsbranche in Deutschland Ende des Jahres 2011 ein Vermögen von 1,783 (Vorjahr: 1,832) Billionen Euro - direkt und indirekt für etwa 50 Millionen Anleger.

Fondsbranche verwaltete 2011 insgesamt weniger Vermögen

BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter betonte, er sehe bei Privatanlegern kein generelles Misstrauen gegenüber Aktienfonds. "Es liegt vielmehr eine Vertrauenskrise in den Kapitalmarkt vor." Publikumsfonds hätten in den vergangenen 20 Jahren ganz erheblich zum Vermögensaufbau beigetragen, bilanzierte Richter: "Dieser Trend ist weiterhin intakt."

Wachstumspotenzial sehen die Kapitalanlagegesellschaften auf dem Feld der privaten Altersvorsorge. Angesichts niedriger Zinsen und wachsender Inflationsgefahren könne beispielsweise mit Bundesanleihen kaum erfolgreich vorgesorgt werden, erklärte der Branchenverband.

Viele Anleger haben im vergangenen Jahr mit Aktien allerdings auch erhebliche Kursverluste erleiden müssen. Vor allem im Sommer 2011 waren die Kurse tief abgestürzt und hatten damit auch am Geldvermögen der Deutschen genagt.

Kursverluste nagen am Geldvermögen der Deutschen

Erstmals seit mehr als zwei Jahren verloren die Privathaushalte im dritten Quartal 2011 wieder Geld: Ihr Vermögen aus Bargeld, Bankeinlagen oder Sparbriefen sank von Juli bis September gegenüber dem Vorquartal vor allem wegen des Absturzes an den Börsen um 63 Milliarden Euro auf 4663 Milliarden Euro, wie die Deutsche Bundesbank am Dienstag mitteilte. Zuvor war es Ende Juni auf ein Rekordhoch geklettert. Im Vergleich zum dritten Quartal 2010 blieb aber ein Plus von 2,1 Prozent.

Ohne den negativen Effekt an den Kapitalmärkten stieg das Geldvermögen der Privathaushalte im dritten Vierteljahr 2011 zwar um gut 31 Milliarden Euro. Auch dieser Zuwachs fiel nach den Angaben aber deutlich geringer als in den Quartalen zuvor.

rei/dpa-afx

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