Freitag, 16. November 2018

Fondsinitiator gegen Alt-Vorstand Streit um Wölberns Millionenpool spitzt sich zu

Jede Menge Cash: Beim geplanten Wölbern-Liquiditätspool geht es nach Angaben des Emissionshauses um bis zu 40 Millionen Euro

Krach beim Hamburger Fondsemittenten Wölbern Invest: Der aktuelle Inhaber und Chef Heinrich Maria Schulte streitet heftig mit dem langjährigen Vorstand Ove Franz. Es geht um viele Millionen Euro sowie die Rechte von 27.000 Investoren. Beide Seiten drohen mit dem Gang zum Gericht.

Hamburg - Wenn Heinrich Maria Schulte die Vorzüge seines Unternehmens anpreist, dann verweist er gerne auf dessen lange Tradition sowie auf die Erfolge der Vergangenheit. Das Emissionshaus Wölbern Invest, dessen Inhaber und Chef Schulte seit 2006 ist, habe seit 1993 insgesamt 92 geschlossene Fonds mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 3,5 Milliarden Euro aufgelegt, davon rund 1,8 Milliarden Euro Eigenkapital, so Schulte beispielsweise in einem aktuellen Schreiben. "Die positive Performance unserer Fonds wird von unabhängigen Marktteilnehmern immer wieder bestätigt."

Unter anderem mit diesem Verweis wirbt Schulte zurzeit für sein neuestes Vorhaben: die Einführung eines Liquiditätspools. Die freien Geldmittel von mehr als 20 geschlossenen Fonds aus dem Hause Wölbern sollen in einen Topf gegeben werden, aus dem dann bei Bedarf Kredite an beteiligte Fonds erteilt werden sollen. So will Schulte die Einnahmen aller Beteiligungsgesellschaften im Pool erhöhen.

Nach Angaben von Wölbern Invest könnte der Liquiditätspool ein Volumen von bis zu 40 Millionen Euro erreichen. Betroffen sind rund 27.000 Anleger, die gegenwärtig schriftlich darüber abstimmen, ob der Plan umgesetzt wird oder nicht.

Einer dieser Investoren ist Ove Franz, der frühere, langjährige Kopf des Bankhauses Wölbern, jener Gesellschaft also, von der Schulte Wölbern Invest 2007 abspaltete. Franz saß jahrelang für die CDU in der Hamburger Bürgerschaft und zählt in der Hansestadt zur Bankenprominenz. Seit 1995 ist er Präsident des noblen Hafen-Klubs, einer Vereinigung von mehreren hundert Führungskräften der Hamburger Wirtschaft.

Nicht irgendwer im Hause Wölbern

Ins Bankhaus Wölbern trat Franz bereits 1962 ein. Zwischen 1974 und 1998 leitete er die Bank als persönlich haftender Gesellschafter und später auch als Vorstand. Bis zum Jahr 2002 war er zudem Mitglied des Aufsichtsrats.

Als Wölbern-Chef hat Franz eigenen Angaben zufolge in den 1990er Jahren insgesamt 25 Holland-Immobilienfonds mit einem Eigenkapital von rund 200 Millionen Euro (seinerzeit etwa 400 Millionen Mark) entwickelt und platziert. In der Branche gilt er als einer der Väter der jahrelang so beliebten Hollandfonds. Für das Emissionshaus Wölbern legte er letztlich den Grundstein für die umfangreiche Leistungsbilanz sowie für die Erfolge im Bereich geschlossener Fonds, auf die der heutige Inhaber Schulte so gern verweist.

Kurzum: Ove Franz ist ausgewiesener Fondsexperte und darüber hinaus beileibe nicht irgendwer im Hause Wölbern. Es entbehrt daher nicht einer Pikanterie, dass ausgerechnet er heute zu den schärfsten Kritikern des Plans zählt, einen Liquiditätspool einzurichten. Mit dem aktuellen Wölbern-Inhaber und Chef Schulte, von Haus aus Mediziner, ist Franz deshalb bereits heftig aneinandergeraten.

Zwei Streitpunkte gibt es zwischen beiden Parteien: Zum einen lehnt Franz den geplanten Cashpool ab, weil er der Ansicht ist, dass die Liquidität eines Fonds grundsätzlich in die Tasche des Anlegers gehört. Die Informationen jedenfalls, die Wölbern den Anlegern zur Abstimmung mitgeliefert hat, reichen nach Ansicht des erfahrenen Fondsprofis bei weitem nicht aus, um zu einem vernünftigen Urteil zu gelangen.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH