Montag, 27. April 2015

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Investieren in Luxus Das Bling-Business

Audrey Hepburn als Holly Golightly: Der Film "Breakfast at Tiffany's" ließ den Schmuck aus dem Hause Tiffany glänzen
Getty Images / Paramount Pictures
Audrey Hepburn als Holly Golightly: Der Film "Breakfast at Tiffany's" ließ den Schmuck aus dem Hause Tiffany glänzen

Das Geschäft mit dem Glanz treibt den Juwelier Tiffany's seit Langem um. Auch andere Lifestyle-Unternehmen profitieren von der Lust auf Luxus. Kein Wunder, wenn das auch bei Investoren Begehrlichkeiten weckt - gerade in der Krise. Doch wie unabhängig ist Luxus wirklich vom konjunkturellen Umfeld?

Hamburg - Der Augenaufschlag ist unvergessen. Der und das Glitzern des Diamantcolliers um den Hals von Audrey Hepburn. Mit "Frühstück bei Tiffany's" hat sich nicht nur die Schauspielerin selbst ein Denkmal gesetzt, sondern auch dem Juwelier Tiffany's. Und damit quasi im kleinen Schwarzen demonstriert, was Luxuskonzerne ausmacht - sie leben von ihrem Ruf, ihrer Exklusivität. Und davon können auch Anleger profitieren, denn etliche Luxuskonzerne sind börsennotiert.

Tiffany's zum Beispiel ist im Vorzeigeindex S&P 500 zu finden. Damit steht das Unternehmen im Fokus vieler Analysten und Investoren. Seth Peterson ist einer von ihnen, er arbeitet für die Berenberg Bank aus London. Für ihn sind die Luxuspapiere nicht mit den üblichen Konsumaktien zu vergleichen.

"Wenn Tesco Börsen-Chart zeigen den Benzinpreis an seinen Zapfsäulen um 10 Pence anhebt, trifft das deren Kunden. Bei Tiffany's oder LVMH Börsen-Chart zeigen ist das anders", sagt Peterson. Tatsächlich gilt die Nachfrage nach den edlen Produkten als vergleichweise unabhängig vom konjunkturellen Umfeld. Völlig losgelöst von der Konjunktur sind allerdings auch sie nicht.

LVMH beispielweise verbuchte 2008 einen Reingewinn von 2,316 Milliarden Euro. Im Krisenjahr 2009 sank er auf 1,873 Milliarden, stieg 2010 dann wieder auf 3,318 Milliarden. Und Tiffany's kürzte erst in dieser Woche seinen Ausblick auf das Jahr 2012, weil das Weihnachtsgeschäft schleppend verlief. Die Aktie verlor prompt 11 Prozent an Wert.

Warum LVMH die Billigkette Tesco abhängt

Luxusgüterproduzenten also als Bollwerk in der Krise? Ganz so einfach ist es offenbar dann doch nicht. Denn auch ein Luxusgüterhersteller kann schnell an Glanz verlieren. "Es gibt zwar keinen Beweis dafür, dass Frauen in der Krise weniger Schuhe oder Handtaschen einkaufen", sagt Analyst Peterson. "Aber teuere Yachten sind in der Krise doch etwas anderes als Krawatten oder Uhren."

Immerhin gibt es noch einen weiteren Aspekt, der für Luxusanbieter spricht - zumindest nach Petersons Ansicht. "Diese Unternehmen haben die Preismacht. Das heißt, sie können ihre Preisvorstellungen durchsetzen." Und das liegt daran, dass sie weitaus mehr verkaufen als nur die hochwertige Uhr oder Handtasche. "Sie bieten den Wohlfühlfaktor, zu etwas Exklusivem zu gehören. Das spiegelt sich in der Werbung wieder. 'Du bist unser Kunde, weil Du smart und schick bist, und weil man sich 'was gönnt, wenn man hart arbeitet'."

An der Börse zumindest scheint sich diese Einschätzung in Teilen tatsächlich durchzusetzen. Vergleicht man die Entwicklung der Aktien des Supermarkts Tesco mit der des Luxuskonzerns LVMH, dann enteilt das LVMH-Papier dem Billig-Konkurrenten ganz deutlich. Mit einem entsprechenden Investment wäre der Anleger bislang also gut gefahren.

Und in Zukunft? Probleme finden sich auch am Hochglanzhimmel der Todd, LVMH oder Burberrys.

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