Montag, 20. November 2017

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Warnschuss von S&P Deutschland auf Rating-Abschussliste

Reichstag in Berlin: Die enge Verflechtung Deutschlands innerhalb Europas ist nach Einschätzung von S&P mit Gefahren für die deutsche Wirtschaft und den staatlichen Schuldenabbau verbunden

Pikantes Timing: Kurz vor dem EU-Gipfel hat die Ratingagentur Standard & Poor's Deutschland und fünf weiteren Euro-Staaten mit dem Verlust ihrer Topbonität gedroht. Bundeskanzlerin Merkel reagiert betont unaufgeregt.

Frankfurt am Main/Berlin - Die grassierende Schuldenkrise könnte Deutschland seine Topbonität kosten. Angesichts wachsender Probleme hat die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von 15 Staaten der Euro-Zone unter Beobachtung gestellt. Je nachdem, wie der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag ausfällt, droht eine massenhafte Herabstufung. Die Folge könnten höhere Zinsen für neue Schulden sein. Das würde die ohnehin angespannte Lage weiter verschlimmern.

S&P erklärte am späten Montagabend, Deutschlands Spitzenrating von "AAA" möglicherweise um eine Stufe zu senken. Dem zweiten wirtschaftlichen Schwergewicht in Europa, Frankreich, droht sogar die Absenkung um bis zu zwei Stufen. Ein gutes Rating ist aber die Voraussetzung, um sich an den Kapitalmärkten zu günstigen Konditionen frisches Geld zu besorgen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy reagierten betont unaufgeregt. Es würden alle notwendigen Maßnahmen getroffen, "um die Stabilität der Euro-Zone zu gewährleisten", erklärten sie in einer gemeinsamen Stellungnahme. Sie hatten am Nachmittag in Paris eine rasche Verschärfung der Euro-Spielregeln vereinbart. Beim EU-Gipfel sollen nach ihrem Willen die Weichen für die nötige Änderung der EU-Verträge gestellt werden. Bis März 2012 sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein.

Die Analysten von S&P scheinen aber nicht überzeugt, dass die Versprechen auch fruchten. Die Probleme in der Euro-Zone hätten in den vergangenen Wochen ein Maß erreicht, das die Zone als Ganzes unter Druck setze, schrieben sie und beklagten, dass sich die europäischen Politiker weiterhin uneins seien, wie sie mit der Krise umgehen sollten.

Schärferer Ton als üblich

S&P beschränkte sich bei dem Warnschuss nicht darauf, den Ausblick für das Rating auf "negativ" zu senken, wie es üblich ist. Die Agentur wählte die schärfere Form des "CreditWatch with negative implications", was eine höhere Dringlichkeit der Überprüfung bedeutet. S&P hat nun maximal 90 Tage Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Die Agentur will auf jeden Fall noch den EU-Gipfel Ende der Woche abwarten.

Neben Deutschland und Frankreich besitzen auch die Niederlande, Österreich, Finnland und Luxemburg eine Topbonität von "AAA". Die meisten anderen Länder der Euro-Zone verfügen immerhin noch über eine gute oder sehr gute Bonität. Ein "befriedigend" haben Irland, Portugal und Zypern, wobei S&P das Rating von Zypern schon zuvor unter besondere Beobachtung gestellt hatte. Griechenland ist schon auf Ramschstatus abgerutscht; S&P hält die Wahrscheinlichkeit eines Bankrotts in naher Zukunft für "relativ hoch".

Im Falle von Deutschland begründete S&P die mögliche Herabstufung mit der engen Verflechtung innerhalb Europas und den damit einhergehenden Gefahren für die deutsche Wirtschaft und den staatlichen Schuldenabbau. S&P erklärte, es gebe das Risiko, dass die Euro-Zone als Ganzes im kommenden Jahr in die Rezession rutsche. Die Wahrscheinlichkeit liege bei 40 Prozent. Für Staaten wie Spanien, Portugal und Griechenland geht S&P ganz sicher von einem Wirtschaftsabschwung aus.

"Wir müssen uns beeilen, wir haben nicht so viel Zeit", hatte zuvor Sarkozy nach dem Treffen mit Merkel gesagt. Notfalls komme für die beiden größten Volkswirtschaften der Euro-Zone auch ein Alleingang der 17 Euro-Länder infrage. Merkel betonte mit Blick auf den EU-Gipfel: "Wir sind fest entschlossen, die Entscheidung jetzt genau bei diesem Rat herbeizuführen." Natürlich werde aber auch mit dem Europaparlament und den anderen Partnern gesprochen.

Seit Monaten sind die Märkte wegen der Schuldenkrise nervös. Der Euro Börsen-Chart zeigen fiel nach ersten Medienberichten über die bevorstehende S&P-Aktion unter 1,34 Dollar.

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