Freitag, 22. Februar 2019

Kreditkosten Amerika wird zum Teflon-Schuldner

Dollar-Note mit Schönheitsfehler: Trotz Abstufung noch immer begehrt

Unbeirrte Finanzprofis: Heute vor zwei Wochen hat Amerika seinen Status als Topschuldner verloren, doch plötzlich sinken Amerikas Kosten für die eigene Verschuldung. Das zeigt, wer die wahre Supermacht an der globalen Börse ist - und dass es für die Finanzszene keine Alternative zu den USA gibt. 

Hamburg - Zwei Wochen nach dem Verlust des Topratings erfreuen sich US-Staatsanleihen steigender Beliebtheit. Es ist, als hätten die Märkte das negative Vorzeichen bei der Herabstufung übersehen, als Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit der USA am 5. August erstmals seit 1917 von AAA auf AA+ senkte. Der Zinssatz für die zehnjährige Staatsanleihe fiel seitdem von 2,77 Prozent auf 2,07 Prozent. Das verringert die Zinslast auf die Schuldenlast der USA in Höhe von 14.300 Milliarden Dollar um jährlich 86 Milliarden.

Innerhalb weniger Tage beschert damit der Kapitalmarkt den USA ein Drittel der Erleichterung, die das neue Sparpaket nach monatelangem Ringen in Aussicht stellt.

Die Käufer amerikanischer Schuldpapiere begnügen sich also wenige Tage nach der Herabstufung mit einer erheblich geringeren Risikoprämie, wenn sie US-Treasuries kaufen. Nicht einmal das Downgrade der Ratinagentur Fitch am Mittwoch für New Jersey oder die Ausrufung des fiskalischen Ausnahmezustands im hoch verschuldeten Miami am Dienstag haben für Unruhe gesorgt, obwohl sie belegen, wie bedrohlich auch die Finanzlöcher im Hinterland der USA geworden sind.

Selbst die wachsenden Spannungen zwischen Notenbank und Kongress - die verdeutlichen, dass weder fiskalisch noch geldpolitisch viel Spielraum zur Ankurbelung der Konjunktur übrig ist - können den Appetit für US-Anleihen verderben. Am Mittwoch übte der Präsident der Fed-Zweigstelle in Dallas, Richard Fisher, heftige Kritik am Parlament, indem er sagte: "Was unsere Wirtschaft ausbremst, ist nicht die Geldpolitik der Notenbank, es ist fiskalische Schluderei in Washington". So ähnlich hatte auch S&P seine Begründung für die Abstufung am 5. August formuliert.

Ausfallprämien überraschend gesunken

Entgegen vieler Prognosen ist auch die Ausfallprämie, mit der sich Investoren gegen eine mögliche Pleite der USA versichern, in den vergangenen zwei Wochen 26 Prozent billiger geworden. Der Preis für Credit Default Swaps - so heißen die Versicherungspapiere gegen eine Staatspleite - sind für fünfjährige US-Anleihen auf 69.370 Dollar gesunken. Das heißt: Um US-Anleihen im Wert von zehn Millionen Dollar gegen einen Ausfall zu versichern, muss man jetzt pro Jahr 69.370 Dollar bezahlen. Für Deutschlands Risiko müssen aktuell 111 Prozent mehr bezahlt werden. Frankreichs Risiko kostet 110 Prozent mehr. Und Griechenlands Risiko ist 27 Mal so teuer.

Für flüchtige Beobachter stellt sich damit ein Widerspruch. Es scheint, als habe die Watsche von S&P überhaupt erst den Beweis erbracht, dass US-Staatsanleihen - neben Schweizer Franken, Gold Börsen-Chart zeigen und Yen - noch immer mit Abstand der sicherste Hafen an den wogenden Finanzmärkten sind. Denn die Zinsen auf US-Anleihen sanken besonders schnell in den vergangenen Tagen, als die Kursausschläge an den Börsen globale Schockwellen verbreiteten. In dieser Zeit brach der deutsche Aktienleitindex Dax Börsen-Chart zeigen um 16 Prozent auf unter 6000 Punkte ein.

Wie kann es sein, dass die globale Nachfrage nach US-Staatsanleihen steigt, wenn deren Risiko nun höher sein soll, wenn dem Land sogar eine erneute Rezession droht, wenn die Papiere so wenig Zinsen abwerfen und der Dollar im Sinkflug ist?

Die Antwort fällt erstaunlich simpel aus. Und sie sagt viel über die weiter bestehende Attraktivität der Supermacht an den Finanzmärkten sowie die Rolle des Dollar als globale Leitwährung - aber auch den Mangel an Alternativen zum Greenback. Die genauere Analyse zeigt: Entstanden ist zunächst nur politischer Schaden. Die wirtschaftlichen Folgen der Rating-Watsche schätzen die Märkte erst einmal als begrenzt ein. Den politischen Schaden bekommt in dieser Woche bei seinem fünftägigen Besuch in China US-Vizepräsident Joe Biden zu spüren.

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