Dienstag, 19. März 2019

Reale Kaufkraft Nettoeinkommen der Beschäftigten gesunken

Real weniger in der Geldbörse: "Die Politik hat die Reformschraube überdreht"

Beschäftigte in Deutschland haben im Schnitt real weniger Geld in der Tasche als im Jahr 2000. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Trotz des jüngsten Aufschwungs mussten Normal- und Geringverdiener Einbußen hinnehmen, wenn man die Inflation berücksichtigt. 

Berlin - Die Nettoeinkommen der Arbeitnehmer in Deutschland sind nach einer Studie in den vergangenen zehn Jahren real gesunken. Vor allem in den unteren und mittleren Einkommensgruppen mussten die Beschäftigten bei Einberechnung der Geldentwertung Einbußen hinnehmen. Dies ergab eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Im Durchschnitt lag das Minus real bei 2,5 Prozent, in den untersten Gruppen betrug der Rückgang sogar 10 bis 22 Prozent. Die negative Tendenz setzte sich auch im vergangenen Jahr fort.

In den oberen Einkommensgruppen dagegen gab es 2010 leichte Zuwächse von bis zu 1,5 Prozent, auf Zehnjahressicht kaum eine Veränderung.

Die Daten, über die "Frankfurter Rundschau" und "Berliner Zeitung" (Dienstag) berichteten, lagen der Deutschen Presse-Agentur vor. Sie sind das Ergebnis einer Sonderauswertung des sozio-ökonomische Panels (Soep). Dies ist eine seit 1984 laufende Wiederholungsbefragung von derzeit etwa 23.000 Personen in mehr als 12.000 Privathaushalten.

Leiharbeit und Minijobs üben Druck auf die Löhne aus

DIW-Forscher Markus Grabka, der die Zahlen veröffentlichte, sieht als Gründe für den Rückgang der Niedriglöhne die Zunahme von Leiharbeit und Minijobs, die durch die Hartz-Arbeitsmarktreformen erleichtert worden seien. Außerdem hätten die Gewerkschaften vielerorts Gehaltseinbußen akzeptiert.

"Die Politik hat die Reformschraube überdreht", sagte Grabka der "Frankfurter Rundschau". "Wenn von 40 Millionen Erwerbstätigen sieben Millionen Minijobber sind, dann ist etwas aus dem Ruder gelaufen."

In der Studie wurden nur abhängig Beschäftigte nach dem monatlichen Nettoverdienst durch ihre Hauptbeschäftigung gefragt, also ohne Nebentätigkeiten und staatliche Zuwendungen.

Dabei wurden alle Einkommen aufsteigend nach der Höhe sortiert und dann in zehn gleich große Gruppen (Dezile) aufgeteilt. In der untersten Gruppe lag das Nettoeinkommen im Jahr 2000 bei 270 Euro, im Jahre 2010 preisbereinigt nur noch bei 211 Euro. In der zweitniedrigsten Gruppe sank das Einkommen in zehn Jahren von 520 auf 435 Euro

la/dpa-afx

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