Freitag, 23. Februar 2018

Schiffsbeteiligungen Beluga-Pleite bringt Fondsanleger in Not

Gegenwind für Anleger: Die Pleite der Bremer Beluga-Reederei wirkt sich auch auf die Ergebnisse zahlreicher Schiffsfonds aus (im Bild: die "Beluga Nomination", die Anfang Januar von Piraten entführt worden war und inzwischen wieder freigegeben wurde)

Tausende Schiffsfondsanleger leiden nach wie vor unter den Folgen der Wirtschaftskrise, die ihre Beteiligungsgesellschaften in Schieflage gebracht hat. Mit der Pleite der Bremer Beluga-Gruppe entstehen zusätzliche Einbußen. Und die Investoren haben wenig Chancen, verlorenes Geld zurückzubekommen.

Hamburg - Die Anleger von Schiffsbeteiligungen haben derzeit wenig zu lachen. Erst brachte die Wirtschaftskrise zahlreiche Fondsgesellschaften in Schieflage, dann sorgt die Pleite der Beluga-Gruppe in Bremen für neue Sorgen. Vor den Augen der Öffentlichkeit legt die Schwergut-Reederei gerade eine imposante Großpleite hin, inklusive eines Betrugsverdachts gegen den Gründer Niels Stolberg.

Betroffen davon sind auch zahlreiche Schiffsfonds. Expertenangaben zufolge hatten insgesamt 95 Frachtschiffe Verträge mit der Beluga-Gruppe. Davon gehörten etwa 60 Schiffe deutschen Fondsgesellschaften, waren also zum Großteil von Privatanlegern finanziert. Zum Teil wurden diese Frachter durch Beluga bereedert, zum Teil waren sie an die Gruppe vermietet (im Jargon: verchartert).

Für die Anleger dieser Fonds dürfte die Beluga-Pleite zum Teil unangenehme Folgen haben. Die betroffenen Emissionshäuser - allen voran die Hamburger HCI Capital Börsen-Chart zeigen mit 20 "Beluga-Schiffen" - reagierten zwar schnell. Schon Tage vor der Beluga-Pleite waren sie mit dem US-Investor Oaktree, der rund die Hälfte der Anteile an der Bremer Reederei hält, aneinander geraten. Oaktree forderte Minderungen der Schiffs-Chartern von den Fondshäusern - zu denen diese aber nicht bereit waren. Als dann in Bremen die Bombe platzte, gründeten die Emittenten rasch eine Interessengemeinschaft und kündigten kurzerhand die Verträge mit der Pleitereederei.

Neue Verträge zu schlechteren Konditionen

Damit sind die Probleme aber noch längst nicht gelöst. Denn für die Schiffe müssen nun neue Beschäftigungsverträge abgeschlossen werden - und die sind in vielen Fällen wohl lediglich zu schlechteren Konditionen zu bekommen.

Beispiel Ownership: Immerhin elf Schiffe des Hamburger Emissionshauses hatten Verträge mit Beluga. Der Emittent steht damit hinter HCI auf Platz zwei im Ranking der größten Leidtragenden. Lediglich zwei der Ownership-Frachter waren nach Angaben des Emissionshauses allerdings auch an die Bremer Reedereigruppe vermietet und mussten daher in neue Beschäftigungsverhältnisse überführt werden. "Für die beiden Schiffe neue Beschäftigungen zu bekommen, war vergleichsweise unproblematisch", sagt ein Ownership-Sprecher. "Die übrigen neun Schiffe wurden von Beluga lediglich bereedert und waren von vornherein an andere Gesellschaften verchartert."

Unterm Strich bewegen sich die neuen Charterraten der Ownership-Schiffe nach Angaben des Sprechers zwar nicht auf dem alten Niveau. Es entstehe in den Fonds aber immerhin keine Unterdeckung, Zins und Tilgung der Bankdarlehen können also noch geleistet werden.

Beim Konkurrenten HCI ist die Lage offenbar noch weniger erfreulich. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Schwierigkeiten der Beluga Gruppe seien Maßnahmen auf den Weg gebracht worden, um die Interessen der Anleger zu schützen, so ein Unternehmenssprecher gegenüber manager magazin. Gemeinsam mit der Hammonia Reederei als neuem Bereederer und der Peter Döhle Schiffahrts-KG als neuem Befrachter konnten dann auch neue Beschäftigungskonzepte für alle 20 betroffenen Schiffe erreicht werden, so der Sprecher.

Das hört sich gut an. Die Frage ist jedoch, zu welchen Bedingungen die Schiffe künftig beschäftigt werden. Wie viel werden sie also verdienen?

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