Montag, 17. Dezember 2018

Trotz Turbulenzen Warum der Dax nicht fallen will

Börse in Frankfurt: Der Dax hält sich knapp unter seinem Dreijahreshoch - trotz des Preissprungs bei Öl und der Aussicht auf steigende Zinsen zeigt sich der Index sehr robust

Revolten erschüttern die arabische Welt, Öl verteuert sich stark, und die EZB erhöht wohl schon im April die Zinsen. Jede dieser Nachrichten könnte für sich einen veritablen Kursrutsch auslösen, doch der Dax bleibt unerschütterlich knapp unter Dreijahreshoch. Diese Standhaftigkeit hat Gründe.

Hamburg - Eine Zinserhöhung in Euroland wahrscheinlich schon im April, ein Ölpreis von knapp 120 Dollar pro Barrel und Straßenschlachten in weiten Teilen der arabischen Welt: Der Dax hält sich jedoch weiterhin über der Marke von 7100 Zählern und hat in den vergangenen drei Wochen gerade einmal 3 Prozent an Wert verloren. Dabei fehlt es dem deutschen Leitindex nicht an Fallhöhe: Binnen zwei Jahren ist der Dax um 100 Prozent gestiegen und notierte Mitte Februar auf dem höchsten Stand seit rund 3 Jahren. Die Klettertour war bereits vielen Anlegern unheimlich geworden - noch vor Ausbruch der Revolten in Nordafrika und dem Nahen Osten.

"Die Standhaftigkeit des Dax ist bemerkenswert", sagt Roland Rupprechter, Leiter Portfolio und Asset Management bei der Hypo Landesbank Vorarlberg. Der deutsche Leitindex sei so stark unterstützt, dass er in den vergangenen Monaten ohne nennenswerten Rücksetzer nach oben geklettert sei. "Und diese Standhaftigkeit hat gute Gründe", meint Rupprechter.

Ein Rücksetzer in Richtung 7000 Punkte, von vielen Börsianern bereits als "überfällig" angekündigt, müsste dann kein Signal zum Ausstieg sein. In diesem Szenario müssten jedoch die Wolken, die derzeit auf breiter Front den Börsenhimmel verdüstern, sich mittelfristig in Wohlgefallen auflösen.

Erste Belastung: Die Aussicht auf eine rasche Zinserhöhung in Euroland. "Wir werden wohl im April eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) sehen", meint Rupprechter. "Doch diese Zinswende ist weniger dramatisch, als sie auf den ersten Blick scheint."

Erster Zinsschritt "kein Beginn einer Serie"

Bei einer Inflationsrate von aktuell 2,4 Prozent sei es richtig, dass die Europäische Zentralbank ein Zeichen setze. Bislang importiere Euro-Land nur Inflation aus anderen Ländern, zum Beispiel durch höhere Rohstoffpreise. Gefährlich werde es jedoch, wenn in Folge höherer Inflationserwartungen auch die Löhne und Preise in Ländern in den Ländern der Eurozone stark steigen.

Ein Zinsschritt soll verhindern, dass die bislang nur importierte Inflation eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzt: "Dieser Zinsschritt wird jedoch nicht der Beginn einer Serie von raschen Zinserhöhungen sein", schätzt Rupprechter. Dafür seien die südlichen Euro-Länder wie Portugal, Spanien oder Griechenland noch viel zu fragil - die Schuldenproblematik in Euro-Land stehe einer Serie von Zinserhöhungen entgegen. Und eine Anhebung von 1 auf 1,25 Prozent, so der Aktienstratege, "werden die Märkte verkraften."

Öl: "Starke Schwankungen normale Begleiter einer Hausse"

Zweite Belastung: Der stark steigende Ölpreis. Auch hier setzten viele Börsianer mittelfristig auf eine Beruhigung. Der Preisanstieg während der arabischen Revolten im Februar sei kein Grund, den Kopf zu verlieren, meint Mikio Kumada, der bei LGT Capital die globale Anlagestrategie verantwortet. Vom Tiefpunkt der Rezession im März 2009 bis Ende Januar 2011 sei der Ölpreis von etwa 35 auf rund 92 Dollar pro Fass gestiegen - ohne dass die Märkte deswegen in Panik verfallen wären.

Im Laufe des turbulenten Februars sei dann die Volatilität stark gestiegen, doch Preisschwankungen bei Rohstoffen seien "normale Begleiter einer Hausse", meint Kumada. Auch Rupprechter rechnet nicht mit einem Ölpreisschock und glaubt, dass sich der Ölpreis bald wieder auf ein Niveau von unter 100 Dollar pro Barrel begeben werde. Für die Preissteigerung sei schließlich nicht eine explodierende weltweite Nachfrage, sondern die Sorge um die Lieferkapazität einzelner Angebotsländer verantwortlich. "Wer eine Eskalation in der arabischen Welt und einen Ölpreis von bis zu 200 Dollar für wahrscheinlich hält, sollte sich aus dem Aktienmarkt verabschieden", sagt Rupprechter. "Wer aber auf eine Stabilisierung setzt, sieht eher Chancen zum Nachkaufen."

US-Notenbank hält den Geldhahn offen

Der wichtigste Treibstoff für die Aktienmärkte bleibe weiterhin die enorme Geldmenge, die um den Globus schwappt. Die US-Notenbank werde den Geldhahn weiter offen halten, meint Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Trotz der jüngsten Stabilisierung der US-Konjunktur und dem Zuwachs von knapp 200.000 Jobs im Februar sei es für Amerikas Zentralbanker "noch viel zu früh, jetzt schon den Stecker zu ziehen." Die Notenbank werde nicht riskieren, mit einer frühen Wende in der Zinspolitik die Konjunktur abzubremsen. Rupprechter rechnet sogar damit, dass die US-Notenbank ihre Maßnahmen des "Quantitative Easing" im zweiten Halbjahr verlängert, also weiterhin Staatsanleihen aufkauft und damit praktisch die Gelddruckmaschine am Laufen hält. "Die Menge an Kapital, das nach Anlagemöglichkeiten sucht, bleibt hoch - das spricht für Aktien wie auch für Gold und Rohstoffe."

Einen Rücksetzer des Dax unter die Marke von 7000 Punkten sieht der Experte der Hypo Landesbank Vorarlberg daher als Kaufchance, nicht als Signal zum Ausstieg. Eine hohe Gewinndynamik der Dax-Unternehmen, reichlich Liquidität und eine erwartete mittelfristige Beruhigung der Rohstoffpreise sind für ihn die Argumente. Und auch das Zinsgespenst in Europa sei kleiner, als es derzeit scheine: "Von einer aktiven Anti-Inflationspolitik der Notenbanken sind wir noch weit entfernt."

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