Mittwoch, 19. Dezember 2018

Schwellenländer vs. Industriestaaten Wo Aktien die höchsten Renditen bringen 

Topperformer: Diese Aktien brachten 2010 weltweit die höchsten Rendite
AFP

Angesichts politischer Instabilitäten und hoher Inflation werden Aktienanlagen in Schwellenländern anscheinend immer riskanter. Viele Experten raten daher jetzt zu etablierten Börsen. Doch der umsichtige Investor muss sich zwischen Frankfurt und Shanghai nicht entscheiden - wenn er die richtigen Papiere kauft.

Hamburg - Eine Aktienrendite von 54 Prozent pro Jahr, im Durchschnitt eines gesamten Marktes, ist beachtlich. Aber nicht unmöglich, wie eine Studie der Boston Consulting Group (BCG) zeigt. Der Untersuchung zufolge fiel diese Rendite - also Kursgewinne plus Dividenden - im vergangenen Jahr an der Börse in Argentinien an. Nach BCG-Berechnung war Buenos Aires damit 2010 weltweit Spitzenreiter.

Die Unternehmensberatung hat die Aktienrenditen des vergangenen Jahres aller wichtigen Märkte der Welt verglichen. Das Ergebnis überrascht auf den ersten Blick nicht: Die Börsen in den Schwellenländern warfen im Schnitt mehr ab als jene der Industriestaaten. Die hohen Wachstumsraten der Realwirtschaft machen sich eben auch an den Aktienmärkten bemerkbar.

Ein Blick auf die Details stimmt jedoch nachdenklich. Zum einen hinken die Industrieländer wie die USA, Deutschland oder Japan zwar im Schnitt hinterher. Auf der Liste mit den erfolgreichsten Einzelunternehmen belegen jedoch überwiegend Konzerne aus diesen etablierten Ökonomien die vorderen Plätze.

Die Börse in China kam 2010 unter die Räder

Zum anderen bekommt das Bild der zwei großen Blöcke aus Industrie- und Schwellenländern bei genauer Betrachtung Risse. Die Emerging Markets etwa bilden nur scheinbar eine dynamische Phalanx. Tatsächlich lieferten sie im vergangenen Jahr höchst unterschiedliche Performances. Während Länder wie Thailand (45 Prozent Aktienrendite), die Philippinen (43 Prozent) und Indonesien (36 Prozent) an die starke Wertentwicklung Argentiniens heranreichten, blieben andere deutlich dahinter zurück.

Vor allem die viel gerühmten BRIC-Staaten performten sehr unterschiedlich: Während Russland und Indien mit 24 beziehungsweise 18 Prozent deutlich im Plus landeten, stagnierte der Markt in Indien. Und in China kam die Börse mit einer Aktienrendite von minus 21 Prozent sogar heftig unter die Räder.

Ähnlich das Resultat bei den Industrienationen: Am stärksten entwickelte sich der wohlhabende Norden Europas, mit Aktienrenditen von beispielweise 35 Prozent in Dänemark oder 30 Prozent in Finnland. Die großen Wirtschaftsmächte wie Deutschland (16 Prozent) und die USA (15 Prozent) landeten im Mittelfeld. Nicht mithalten konnte dagegen der schuldengeplagte Süden Europas (Griechenland minus 39 Prozent, Spanien minus 13 Prozent) sowie Japan, wo die Börse 2010 trotz des weltweiten Aufschwungs ebenfalls lediglich stagnierte.

Für Frank Plaschke, BCG-Partner und Autor der Studie, ist diese Ausdifferenzierung das spannendste Ergebnis seiner Arbeit. "Im Jahr zuvor hatten wir beispielsweise bei den Schwellenländern noch einheitlich starke Zuwächse", sagt er. "Vor allem das Zurückfallen der BRIC-Staaten gegenüber anderen Emerging Markets im vergangenen Jahr kam wohl für viele überraschend."

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH