Montag, 10. Dezember 2018

Schwellenländer vs. Industriestaaten Wo Aktien die höchsten Renditen bringen 

Topperformer: Diese Aktien brachten 2010 weltweit die höchsten Rendite
AFP

2. Teil: Die größten Risiken der Schwellenländer

Die Folge daraus ist allerdings für Anleger wenig erfreulich. Denn wer künftige Entwicklungen vorhersagen, sprich, die Märkte mit den besten Aussichten identifizieren will, hat es nach Ansicht Plaschkes immer schwerer. "Die zunehmende Zerfaserung der weltweiten Kapitalmärkte macht es immer schwerer, klare Tendenzen abzuleiten", sagt der Experte. "Prognosen werden daher immer schwieriger."

"World Economic Outlook": Der IWF erwartet in den Schwellenländern signifikant höheres Wirtschaftswachstum als in den Industriestaaten. Am dynamischsten entwickelt sich Südostasien
Wer den Blick nach vorne dennoch wagt, wird zunächst feststellen, dass auch künftig die höheren Wachstumsraten in den Schwellenländern zu erwarten sind - und zwar vor allem in jenen Süd-Ost-Asiens. Der Internationale Währungsfonds (IWF) etwa prognostiziert insbesondere den Zugpferden dort in diesem Jahr gewaltige Zuwächse. So hat China laut IWF ein Plus von 9,6 Prozent zu erwarten, Indien steht immerhin eine Expansion der Wirtschaftsleistung um 8,4 Prozent ins Haus. Im gesamten World Economic Outlook des IWF erhält überhaupt nur ein Land eine höhere Prognose: Turkmenistan, mit plus 11,5 Prozent.

Selbst die übrigen Schwellenländer sehen gegenüber dem wachstumsstarken Emerging Asia blass aus. Russland und Brasilien beispielsweise haben ein Wirtschaftswachstum von jeweils gut 4 Prozent zu erwarten. Und die westliche Wirtschaft hinkt vollends hinterher: USA plus 2,3 Prozent, Euro-Zone sogar lediglich 1,5 Prozent, so die Prognose des IWF.

Das größte Problem der Schwellenländer ist die Inflation

Wer angesichts dessen schon drauf und dran ist, den Schwerpunkt seines Depots gen Osten zu verlagern, sollte jedoch noch innehalten. Denn die Wachstumsaussichten bringen zwar auch für die Börsen dort große Chancen mit sich. Denen stehen jedoch gewaltige Risiken gegenüber.

Das größte Problem, mit dem die Schwellenländer derzeit zu kämpfen haben, ist wohl die Inflation. Jeder Volkswirt weiß: Gerät die Teuerung außer Kontrolle, kann sie jeden Aufschwung schnell abwürgen. Und in einigen aufstrebenden Nationen hat die Preissteigerung insbesondere bei Lebensmitteln bereits ein bedenkliches Tempo erreicht.

Vor allem in Indien. Einer Analyse der US-Bank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen zufolge führt das Land das Inflationsranking der "Emerging World" an - mit einem Wert von 9,3 Prozent im vierten Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nicht viel besser steht Russland da, mit 8,1 Prozent. Und auch Brasilien (5,5 Prozent) und China (4,7 Prozent) haben zu kämpfen.

Die Inflation wird diese Länder auch künftig beschäftigen, so Goldman Sachs. Da die Regierungen vielerorts bereits kräftig gegenlenken, erwarten die Experten allerdings kein Ausufern der Preissteigerung. "Wir glauben, dass ein abruptes Abwürgen des Aufschwungs verhindert werden kann", heißt es in der Analyse.

Die Inflation ist allerdings nicht das einzige, was die Aussichten in den Schwellenländern verdüstern kann. Generell müssen Anleger dort in vielen Fällen eine geringere politische Stabilität einkalkulieren (siehe Tunesien, siehe Ägypten, siehe Libyen).

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