Dienstag, 31. Mai 2016

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Goldhausse Goldfans blicken auf Minenaktien

Gold: Goldbugs, Nixon und der "Freak Peak"
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ddp

Der Goldpreis notiert wieder auf Rekordniveau. Eine Hausse, die langsam unheimlich wird. Experten streiten darüber, wie lange sie noch andauert. Viele Goldinvestoren blicken derzeit auf Goldminenaktien.

Hamburg - In den Bergen im Hinterland der Küstenstadt Marsa Alam liegt ein Gebiet voller Schluchten und Felsen. In diesem unwirtlichen Teil Ägyptens wird deutlich, warum Gold Börsen-Chart zeigen derzeit immer weiter an Wert gewinnt. Denn dort sucht Centamin Egypt Limited nach Gold. In den vier Sektoren Amun, Ra, Gazelle und Pharaoh will man 1,4 Gramm Gold pro Tonne Gestein finden. Eigentlich kein schlechtes Verhältnis, doch früher gaben die Minen mehr her.

"Früher wurden im weltweiten Schnitt 1,6 Gramm pro Tonne gefunden, heute sind es 0,6", erklärt Martin Siegel, Goldexperte und Verwalter des Fonds Stabilitas Gold & Ressourcen. Das bedeutet, dass die Kosten der Goldproduktion gestiegen sind und weiter steigen werden. Denn je geringer der Goldanteil je Tonne Gestein, um so mehr Stahl zum Beispiel muss zur Sicherung der Mine verbaut werden, um so mehr Energie muss genutzt werden, um die Gesteinsmühlen zu betreiben.

Dazu kommen die steigenden Auflagen des Umweltschutzes. Die Produktion von Gold wird also immer teurer. Doch da der Weltmarktpreis stetig steigt, lohnen sich auch Vorhaben wie das bei Marsa Alam. Vor einem Überangebot, dass die Preise wieder senken könnte, haben die Investoren keine Angst. Denn der Prozess von der ersten Exploration bis hin zur Förderung dauert lange. Und "die Minen mit hohen Goldanteil im Gestein sind bereits alle entdeckt", sagt Siegel.

Trotz hoher Preise ist "das Goldangebot aus der Minenproduktion stagnierend bis leicht rückläufig", beobachtet Eckart Keil, Geschäftsführer von Premium Investments. Es bleibt als zusätzliche Quelle des Edelmetalls noch das "Scrapgold", das Brauchgold, zum Beispiel aus eingeschmolzenem Schmuck. Der Anteil dieser Goldquelle hat sich von 2009 auf 2010 um 1 Prozent auf 40 Prozent reduziert, vermeldet das World Gold Council, einer Art Weltverband der Goldproduzenten.

Doch schwerer als alle vermeintlich nüchternen Fakten dürfte die Psychologie wiegen, die Angst vor der Inflation, die Angst vor einem erneuten Einbruch der Weltwirtschaft. Gold gilt traditionell als sicherer Hafen. Wo stünde das Edelmetall ohne diese Angst? Für hartgesottene Goldaficionados vermutlich eine hypothetische Frage. Ohne die Inflationsangst würde aktuell "eher eine Deflationsangst vorhanden sein", sagt Werner Ullmann von Placer Gold International Corporation. "Damit wäre der Goldpreis unter Umständen etwas niedriger. Aber mit der akuten Bedrohung des weltweiten Finanzsystems durch eine Deflation wäre Gold auch in dieser Situation 'der' sichere Hafen", glaubt Ullmann.

Anlass zur Sorge gibt es in der Tat. Die überschuldeten Länder der Welt, die USA zum Beispiel oder einige EU-Länder auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Unruhen in Nordafrika, die sich wiederum in der Sorge um die stete Versorgung der Weltwirtschaft mit Öl niederschlagen - all das lässt die Furcht vor einem wirtschaftlichen Rücksetzer steigen. Eine goldene Mauer ums Depot zu ziehen, liegt nach Ansicht vieler Investoren in solch einer Situation nahe - trotz der aktuell extrem hohen Preise.

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