Sonntag, 16. Dezember 2018

Türkei-Investments Balanceakt am Bosporus

Raueres Fahrwasser: Wie geht es weiter mit den türkischen Aktien?

Mit türkischen Aktien haben Anleger im vergangenen Jahr mehr Geld verdienen können als mit Titeln aus den berühmten Bric-Staaten. Doch 2011 wird es für das Cebit-Partnerland Türkei schwer, diesen Investmenterfolg erneut möglich zu machen. Es sei denn, der türkischen Zentralbank gelingt ein Balanceakt.

Hamburg - Shoppen ist alles. Von der Boutique zum Schuhladen, von dort ins Café. Denn je mehr die Menschen einkaufen, umso besser steht eine Wirtschaft da. Und während sich die Ökonomen in Deutschland bereits über eine leichte Verbesserung der Binnennachfrage freuen, haben sich die Kollegen in der Türkei daran längst gewöhnt, an ihre konsumfreudigen Landsleute. Kein Wunder, dass die Börsianer seit Längerem schon bewundernd an den Bosporus schauen.

Wie zum Beispiel Sonal Pandit, einer der Fondsmanager des JPM Emerging Middle East Equity Fund. "In der Türkei ließen sich zuletzt sehr attraktive Renditen erzielen", sagt er. "Allein 2010 stieg der türkische Leitindex ISE 100 um 32,3 Prozent, in Euro gerechnet, und ließ damit die globalen Schwellenländer rund 5 Prozent hinter sich."

Das hat eine Reihe von Gründen. Da ist erstens die vergleichsweise junge Bevölkerung - je jünger, umso weniger ist ein Land von den teuren Problemen einer alternden Bevölkerung betroffen, wie es Japan, Italien oder auch Deutschland sind. "Rund die Hälfte der Türken ist unter 28, und das kurbelt den Binnenkonsum an. Mit 8 Prozent Wirtschaftswachstum im Jahr 2010 zeigt sich die Türkei ähnlich dynamisch wie Indien oder China", sagt Pandit.

Aber auch die Regierung scheint ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. "Parallel gingen die Staatsschulden in den letzten Jahren von knapp 80 Prozent auf aktuell 42 Prozent der Wirtschaftsleistung zurück und für 2011 ist ein Haushaltsdefizit von nur 2,8 Prozent vorgesehen." Außerdem habe sich das statistische Pro-Kopf-Einkommen seit 2002 verdreifacht. Alles ordentliche Daten - doch genau darin liegt auch eines der Probleme des Landes.

Viel heißes Geld ist an den Bosporus geflossen

Denn diese Entwicklung hat sich nicht unbemerkt vollzogen. Viele Männer wie Pandit haben sie genau beobachtet und viel Geld in die Region gesteckt. Und wären jederzeit bereit, es wieder abzuziehen. "Heißes Geld", das ist das Stichwort, unter dem dieses Phänomen diskutiert wird. "In der Tat ist im letzten Jahr viel Geld in die Anlageklasse Türkei geflossen", sagt Pandit. "Allerdings sehen wir dies weniger als 'hot money', sondern als Ergänzung der strategischen Allokation vieler Anleger."

Ein Fall für die Zentralbank? Auch von anderer Seite könnte der türkische Aufschwung gebremst werden und ein Eingreifen der Zentralbank erfordern - durch anziehende Inflation. Vor allem der steigende Ölpreis bereitet den Experten Sorgen. Immerhin, so schreibt zum Beispiel die Fondsgesellschaft Investec, wäre es möglich, dass der Preis des Barrel auf bis zu 150 US-Dollar springen könnte.

"Ein massiver Anstieg des Ölpreises würde sich unterschiedlich auf die Schwellenmärkte auswirken", formuliert Eric Le Coz von Carmignac. "Indien, Korea und die Türkei gehören zu den Importländern, die die Auswirkungen dieses Anstiegs zu spüren bekämen."

Das sieht auch Fondsmanager Pandit so. "Die Türkei muss 2011 wie andere Schwellenländer mit zunehmender Inflation rechnen: Dafür sprechen die steigenden Rohstoffpreise und der anziehende Konsum. Die Notenbank versucht bereits, die Kreditvergabe zu begrenzen, um dem schnellen Wachstum Einhalt zu gebieten, damit die Wirtschaft nicht überhitzt."

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