Montag, 19. November 2018

Schatten-Finanzausgleich Solarabgabe verschärft Wohlstandsgefälle  

Im Schatten der Sonnenkollektoren: Die hohe Förderung des Solarstroms führt in Deutschland zu Umverteilungseffekten

2. Teil: Nordrhein-Westfalen zahlt mehr ein, als es erhält

So kommt es, dass ein einwohnerstarkes Land wie Nordrhein-Westfalen (NRW) deutlich mehr in das EEG-System einzahlt, als es daraus erhält. Etwa 2,2 Milliarden Euro brachten die Einwohner von NRW laut BDEW im vergangenen Jahr für die EEG-Umlage auf ihrer Stromrechnung auf. Die im bevölkerungsreichsten Land ansässigen Betreiber von Windrädern, Solar- sowie Biogasanlagen kassierten aber nur 800 Millionen Euro Mittelzuflüsse aus dem EEG.

Andere Länder kommen auf eine wesentlich erfreulichere Bilanz. Allen voran Bayern: EEG-Mittelabflüssen von etwa 1,2 Milliarden Euro standen 2010 laut BDEW Zuflüsse von 2,2 Milliarden gegenüber. Unterm Strich ergibt das einen positiven Saldo von mehr als einer Milliarde Euro. Damit landet in Bayern mit Abstand das meiste Geld aus diesem Schatten-Finanzausgleich.

Der Grund dafür ist nach Einschätzung des BDEW eine falsche Entwicklung der Vergütungssätze im EEG. "Das Ungleichgewicht zwischen den Bundesländern kommt vor allem zustande, weil die Vergütung für Solarstrom derzeit zu hoch ist", sagt BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller zu manager magazin.

55 Prozent der Ökostromförderung geht in die Photovoltaik

Nach Angaben der Verbandfunktionärin deckt die Photovoltaik derzeit lediglich 2 Prozent des Strombedarfs in Deutschland - insgesamt fließen jedoch 55 Prozent der Ökostromförderung in diese Energieart. "Über die EEG-Umlage werden 2011 6,8 Milliarden Euro in die Photovoltaik fließen", sagt Müller.

In vielen Regionen Deutschlands komme es zu einer klaren Überförderung durch das EEG, sagt die Lobbyistin. Bayern etwa sei Nettoprofiteur. "Den dortigen Solarstromanbietern fließen pro Jahr netto eine Milliarde Euro aus den anderen Bundesländern zu", sagt Müller. "Das ist eine versteckte Subvention für bayerische Landwirte und Eigenheimbesitzer." Die Forderung des BDEW lautet daher: Die Fördersätze für Solarstrom sollten im Sommer deutlicher gekürzt werden als bislang geplant.

Zum Hintergrund: Zweck des EEG ist es, den Erzeugern grünen Stroms die Markteinführung einer Energieart zu erleichtern. Die Mindestpreise im Gesetz werden daher immer wieder angepasst: Je weiter eine Art der Energieerzeugung entwickelt und in den Markt vorgedrungen ist, desto niedriger die garantierten Preise. Die EEG-Mindestpreise für Solarstrom wurden gerade zum Jahresanfang heruntergesetzt. Eine weitere Reduzierung ist für Juli 2011 geplant. Während die Sätze für Windstrom inzwischen bereits beinahe auf Marktniveau gesunken sind, bewegen sie sich bei Sonnenstrom jedoch nach wie vor weit darüber.

Solarindustrie sieht keinen Missstand

"Es sollten diejenigen Erneuerbaren besonders stark gefördert werden, die den größten Beitrag zu einer sicheren und wirtschaftlichen Energieversorgung liefern", sagt Verbandsgeschäftsführerin Müller. "In Deutschland sind das Windenergie und Biomasse." Das deutsche EEG setze derzeit die falschen Anreize, indem private Investitionen zu stark in die Photovoltaik gelenkt werden.

Die Solarindustrie sieht diesen Missstand - wie sollte es anders sein - offenbar nicht. "Der Umlagenmechanismus im EEG ist streng nach dem Verursacherprinzip organisiert", sagt David Wedepohl, Sprecher des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW). "Das bedeutet, je mehr konventionelle Energie ich verbrauche, desto stärker werde ich an den Kosten für die Einführung erneuerbarer Energien beteiligt."

Zwar sei es richtig, dass in Süddeutschland bislang die meisten Photovoltaikanlagen installiert wurden, so Wedepohl. Spätestens mit Erreichen der Wettbewerbsfähigkeit mit konventionellen Energien rechne der Verband jedoch mit einer gleichmäßigeren Verteilung in ganz Deutschland. "Die maximale Abweichung der Sonneneinstrahlung in Deutschland beträgt gerade mal 15 Prozent", sagt der Verbandssprecher.

Eine Möglichkeit gibt es für Menschen in Norddeutschland, schon heute vom Sonnenreichtum Bayerns finanziell zu profitieren. Sie können sich als Anleger an Photovoltaikprojekten dort beteiligen. Wie hoch dann ihre Erträge sind, hängt jedoch nicht nur vom EEG ab. Vielmehr spielen auch andere Kalkulationsgrößen eine Rolle, allen voran die Kosten einer solchen Beteiligungsgesellschaft, die mitunter beträchtlich sein können.

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