Montag, 20. November 2017

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175 Millionen Dollar in Gefahr US-Gericht schockt deutsche Anleger

Voller Zugriff auf die Vermögenswerte: Wells Fargo geht als Sieger aus dem Gerichtsstreit

Im Streit mit der US-Bank Wells Fargo hat ein US-Gericht einem Investmentvehikel des Berliner Fondshauses BAC den Gläubigerschutz verweigert. Damit droht mehr als 8000 Anlegern hierzulande der Totalverlust ihrer Einlage. Insgesamt stehen für sie 175 Millionen Dollar auf dem Spiel.

Hamburg - Schlechte Nachrichten für die mehr als 8000 Anleger der US-Policenfonds des Berliner Emissionshauses Berlin Atlantic Capital (BAC): Der United States Bankruptcy Court in Wilmington, Delaware, hat dem Investmentvehikel Life Trust Asset Pool (LTAP) den Gläubigerschutz ("Chapter 11") verwehrt. Sollten weitere rechtliche Schritte des Emissionshauses erfolglos bleiben, so droht den Anlegern nun der Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals. Dabei geht es um rund 175 Millionen Dollar, mit denen sich deutsche Investoren an den Fonds von BAC beteiligt hatten.

Zum Hintergrund: BAC hat hierzulande vor einigen Jahren ein knappes Dutzend so genannter US-Policenfonds platziert. Die Fonds erwerben auf dem amerikanischen Zweitmarkt für Risikolebensversicherungen Policen und führen diese bis zur Fälligkeit (sprich: dem Ableben des ursprünglich Versicherten) weiter. Insgesamt flossen von mehr als 8000 BAC-Anlegern rund 175 Millionen Dollar in diese Geschäfte.

2008 gründete BAC dann den LTAP, in den sämtliche Policen aus den Fonds überführt wurden. Zudem wurde ein Kredit in Höhe von 225 Millionen Dollar bei der US-Bank Wachovia aufgenommen. Mit dem Geld wurden weitere Policen für das Portfolio erworben.

BAC prüft Rechtsmittel

Dann wurde Wachovia von der US-Bank Wells Fargo übernommen. Letztere drängte laut BAC von Beginn an darauf, das Kreditgeschäft zu beenden. Als Sicherheit dient Wells Fargo das Paket aus rund 400 Risikopolicen, das für knapp 400 Millionen Dollar erworben worden war.

Als sich der Streit um das Millionendarlehen zuspitzte beantragte BAC im Dezember vergangenen Jahres Gläubigerschutz für den LTAP. So wollte das Management Zeit gewinnen, um eine alternative Finanzierung auf die Beine stellen zu können.

Daraus wird nun aber nichts. Der Antrag auf Gläubigerschutz wurde vom Gericht in Wilmington, Delaware, abgelehnt. Das Gericht sah auf Basis des aktuellen Marktwerts des LTAP-Portfolios keine ausreichende Grundlage, um einen angemessenen Schutz des Hauptgläubigers Wells Fargo bei gleichzeitiger Finanzierung der laufenden Versicherungsprämien zu gewährleisten, heißt es in einer Mitteilung von BAC.

Die Folge: Wells Fargo erhält nun vollen Zugriff auf das umstrittene Policenportfolio. Die Bank kann die Verträge sofort veräußern oder unter regelmäßiger Prämienzahlung weiterlaufen lassen. Nach Einschätzung von BAC dürfte sie letzteres planen. Die Anleger hierzulande schauen in dem Fall in die Röhre, denn künftige Rückflüsse aus Ablaufleistungen fließen einzig der US-Bank zu.

Die letzte Hoffnung, um den Totalverlust der 175 Millionen Dollar zu verhindern, sind nun weitere rechtliche Schritte. "Wir prüfen jetzt Rechtsmittel gegen den Richterspruch sowie weitergehende Schadenersatzansprüche gegen die Bank", sagt BAC-Geschäftsführer Franz-Philippe Przybyl. Berlin Atlantic Capital selbst müsse im Zuge des Gerichtsentscheids ausstehende Forderungen an den LTAP in Höhe von mehreren Millionen Dollar abschreiben.

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