Montag, 5. Dezember 2016

Finanzdienstleister "Honorarberatung ist nicht aufzuhalten"

Provisionsjäger oder fairer Berater? Finanzberatung in Deutschland leidet darunter, dass die meisten Berater zugleich auch Verkäufer sind und von Provisionen leben

Quirin-Bank-Chef Karl Matthäus Schmidt und Honorarberater-Verbandsgründer Dieter Rauch sind überzeugt: Unabhängige Finanzberatung gibt es nur gegen Honorar. Im Interview mit manager magazin sagen sie, warum Anleger auf ein neues Gesetz hoffen können und wie sie sich gegen Finanzhaie wehren.

mm: Meine Herren, Sie gelten als die langjährigsten und engagiertesten Verfechter der Honorarberatung in Deutschland. Auf viel Verständnis und Gehör scheinen Sie aber weder in der Politik noch beim Verbraucher zu stoßen. Woran liegt das?

Schmidt: Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung? Politisch finden wir sehr wohl Gehör. Unsere Meinung in den Ministerien ist gefragt, wir machen Fortschritte - zwar nicht so schnell wie wir uns das wünschen würden, aber es geht voran.

mm: Hat das Bundeswirtschaftsministerium nicht gerade einen Gesetzentwurf gekippt, der die Finanzberatung auf Honorarbasis regeln sollte?

Rauch: Nein, das trifft so nicht zu. Verschiedene Presseberichte waren da einfach missverständlich. Der Entwurf des Anlegerschutzgesetzes hat zu keinem Zeitpunkt eine Regelung der Honorarberatung verfolgt. Richtig ist, dass das Bundeswirtschaftsministerium im Konflikt mit dem Finanzministerium um die Beaufsichtigung des Grauen Kapitalmarkts den ursprünglich geplanten Entwurf einer reformierten Gewerbeordnung zurückgezogen hat. Davon ist leider auch die Honorarberatung - die schon seit langer Zeit in der GewO geregelt werden sollte - mittelbar betroffen. Die Honorarberatung ist damit eher ein zufälliges Opfer des Streits zwischen Finanz- und Wirtschaftsministerium geworden.

mm: Damit hat die Honorarberatung den Zug einer gesetzlichen Regelung ihres Berufsstandes zumindest aber erst einmal verpasst.

Schmidt: Wir sehen das anders. Der Zug der Honorarberatung in Deutschland mag ein bisschen langsamer fahren, aufzuhalten ist er aber nicht. Die gesetzliche Verankerung der Honorarberatung ist keineswegs vom Tisch, und sie wird kommen. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner selbst hat im Interview mit Ihrem Magazin ja erklärt, dass die Regierung an einem gesetzlichen Rahmen für die Honorarberatung arbeitet.

mm: Die Ministerin hat es in dem Konflikt mit schwergewichtigen Gegenspielern zu tun …

Schmidt: … und Sie dürfen davon ausgehen, dass unser neu gegründeter Bundesverband der Honorarberater die Ministerin in ihren ambitionierten Zielen unterstützt. Denn eine richtig verstandene und richtig umgesetzte Finanzberatung auf Honorarbasis hat sehr viel mit Verbraucherschutz zu tun.

mm: Das sollten Sie erklären.

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