Samstag, 30. Juli 2016

Verbraucherschutzministerin Aigner "Der Kunde soll wissen, wer ihm gegenübersitzt"

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU): Erste Bilanz

Schlampige Beratungsprotokolle, Druck auf Kunden: Mit dem Anlegerschutz haben die Banken Probleme. Sie verspielen damit die Chance, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, sagt Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner im Interview - und fordert von den Geldhäusern Verbesserungen.

mm: Frau Ministerin, Sie haben den Satz geprägt: "Es darf nicht sein, dass wegen einer falschen Beratung die sicher geglaubte Altersversorgung plötzlich nichts mehr wert ist". Den gut 50.000 Lehman-Opfern in Deutschland ist dies wohl nur ein schwacher Trost. Unter Schwarz-Gelb sollte sich vieles im Anlegerschutz verbessern. Was haben Sie bislang erreicht?

Aigner: Wir haben viel erreicht. Seitdem ich im Amt bin, setze ich mich mit Nachdruck dafür ein, dass die Position der Verbraucher gegenüber Banken und Anlageberatern gestärkt wird. Seit Januar diesen Jahres müssen alle Beratungsgespräche über Wertpapiere protokolliert werden. Es muss genau dokumentiert werden, was der Kunde wollte und warum ihm welche Anlage empfohlen wurde. Das Beratungsprotokoll muss dem Kunden übergeben werden. In der Vergangenheit waren Schadenersatzansprüche von Anlegern häufig an Beweisproblemen über solche Fragen gescheitert.

mm: Was nicht zuletzt eine Frage der Zeit war.

Aigner: Schadenersatzansprüche können jetzt auch bis zu zehn Jahre nach der Anlageberatung geltend gemacht werden. Das gab es vorher nicht. Ich habe mich auch dafür eingesetzt, dass der Verbraucher künftig zu jedem Anlageprodukt einen so genannten Beipackzettel bekommt, auf dem alle Chancen, Risiken und Kosten klar und deutlich vermerkt sind. Momentan arbeite ich daran, dass wir einen rechtlichen Rahmen für die Honorarberatung schaffen.

mm: Greifen wir das Stichwort Beratungsprotokoll auf, seit Jahresbeginn ist es Pflicht. Erhebungen von Verbraucherschützern oder der Finanzaufsicht zeigen, dass viele Finanzberater bei der Protokollierung des Kundengesprächs schlampen. So arbeiten sie zum Beispiel mit vorgegebenen Textbausteinen. Was und wie lässt sich hier verbessern?

Aigner: Ich habe den Eindruck, dass noch nicht alle Geldinstitute verstanden haben, dass sie im Wettbewerb nur dann eine Chance haben, wenn es ihnen gelingt, verlorengegangenes Vertrauen ihrer Kunden zurückzugewinnen. Schlampige Beratungsprotokolle oder Druck auf die Kunden sind ganz sicher nicht der richtige Weg. Die Banken müssen ihre Mitarbeiter besser schulen und ihr Qualitätsmanagement verbessern.

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