Donnerstag, 17. August 2017

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Anlagebetrug an Fußballprofis "Der Schaden dürfte gigantisch sein"

Betrügerparadies Profifußball: Diese Kicker verbrannten Millionen
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dapd

Fußballprofis setzen mit schlechten Kapitalanlagen immer wieder Millionensummen in den Sand. Christian Daudert betreut viele Berufskicker in Finanzfragen und spricht mit manager magazin über wackelige Ostimmobilien und darbende Autohäuser - und seinen neuen Fonds für die Profis.  

mm: Herr Daudert, immer, wenn es darum geht, dass Menschen viel Geld mit Kapitalanlagen verlieren, kommt früher oder später die Rede auf Fußballprofis. Woran liegt das?

Daudert: Fußballprofis sind eine dankbare Zielgruppe für Betrüger oder Anbieter windiger Anlageofferten. In der Regel sind sie jung und völlig unerfahren. Sie haben sich nicht hochgearbeitet zu so einem hohen Einkommen. Und wenn dann das viele Geld da ist, sind die Spieler sehr empfänglich für allerlei halbseidene Berater, die sie hofieren, loben, beglückwünschen und vielleicht Nebendienstleistungen anbieten. Dann ist schnell ein falscher Vertrag unterschrieben.

mm: Das heißt, der Fußballprofi als solcher ist das ideale Opfer für unseriöse Anlageanbieter, denn er bringt die beiden entscheidenden Voraussetzungen mit: Viel Geld und wenig Ahnung von Finanzdingen?

Daudert: Ja, klar. Das geht ja schon sehr früh los. Wer im Fußball ganz nach oben will, muss sich heute schon mit zehn oder elf Jahren dafür entscheiden. Das Thema Schule wird dann weitgehend liegen gelassen. Und wenn wir ehrlich sind: Selbst Abiturienten haben oft wenig Ahnung in Gelddingen. Ein junger Mann, der sich voll auf Fußball konzentriert hat, also erst recht nicht. Da fehlt es am absoluten Grundwissen. Wir fordern daher, dass sich jeder Profi zumindest an einen ausgebildeten Berater wendet.

mm: Ist das nicht üblich?

Daudert: Nein, wir erleben oft, dass Branchenfremde eingebunden werden, etwa Brüder oder andere Verwandte und Freunde. Die sind dann von Berufswegen nicht selten arbeitslos, IT-Servicedienstleister, Feuerwehrmann oder Bäcker.

mm: Und verwalten die Millionen?

Daudert: Genau. Oder freier Handelsvertreter für Gardinen. Habe ich alles schon erlebt.

mm: Gibt es Abzocker, die sich darauf spezialisiert haben, Fußballprofis das Geld abzuknöpfen?

Daudert: Ja, auch die habe ich schon getroffen. Oft sind es Immobilienverkäufer, die sich seit Jahren ungestraft im Umfeld bestimmter Fußballvereine aufhalten.

mm: Und das spricht sich unter den Profis nicht herum?

Daudert: Ich bin immer wieder überrascht, wie ungeschoren die davonkommen. Ich kann es mir nur so erklären, dass man sich nur schwer eingesteht, welchen Fehler man gemacht hat. Auf der anderen Seite sind solche Anlagebetrüger allerdings auch ziemlich unverfroren. Die suchen nicht so einfach das Weite.

mm: Welches war der schlimmste Fall, der Ihnen untergekommen ist?

Daudert: Da gibt es zwei. Einmal wurde eine zu sanierende Immobilie für 1,5 Millionen Euro verkauft, inklusive eines Sanierungspakets für neun Millionen. Saniert wurde aber nie. Weil die fünf Fußballer, die das betroffen hat, sich das Objekt nicht einmal angeschaut haben, weder im Alt-, noch im angeblichen Neuzustand, ist das jahrelang nicht aufgefallen.

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