Samstag, 10. Dezember 2016

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EC-Karten Easycash bestreitet Datenmissbrauch

Der gläserne Kunde: Gleicht Easycash Daten von EC-Karten mit Daten von Kundenkarten ab und bietet sie Handelsunternehmen zum Kauf an?

Die Bankdaten von bis zu 14 Millionen Verbrauchern in Deutschland werden laut einem Medienbericht systematisch für Kundenanalysen verwendet und Handelsunternehmen angeboten. Verantwortlich dafür soll Deutschlands größter EC-Netzbetreiber Easycash sein. Der bestreitet die Vorwürfe.

Hamburg - Deutschlands größter EC-Netzbetreiber Easycash bietet nach Informationen des Senders NDR Info den Abgleich von Kontonummern, die beim Einsatz von EC-Karten in Supermärkten oder Tankstellen gespeichert wurden, mit den Daten von Kunden- und Rabattkarten an.

Damit können die Daten umfangreich und direkt auf die einzelnen Kunden bezogen ausgewertet werden, ohne dass diese davon wissen oder diesem Vorgehen zugestimmt haben. Verantwortlich für den Abgleich soll den Informationen zufolge die Easycash-Tochterfirma Easycash Loyalty Solutions in Hamburg sein.

Der zuständige Hamburger Landesdatenschutzbeauftragte Johannes Caspar sprach von einer "neuen Dimension": "Die Kunden werden so zu gläsernen Verbrauchern, deren Daten ausgewertet werden, ohne dass sie es erfahren." Caspar kündigte eine sofortige und umfassende Untersuchung an.

Easycash wies die Vorwürfe gegenüber manager magazin zurück. "Die Möglichkeit einer Nutzung und des Vergleiches der Daten wurde zwar in der Vergangenheit erwogen und intern diskutiert, aber unter anderem aufgrund datenschutzrechtlicher Vorbehalte nicht realisiert", erklärte Frank Wio, Mitglied der Geschäftsleitung. Der NDR habe sich auf Präsentationsunterlagen aus Kundengesprächen gestützt. Eine darauf beruhende Zusammenarbeit mit einem Partner sei inzwischen beendet, Kundendaten seien nicht ausgetauscht worden. Die Firma prüfe rechtliche Schritte.

Easycash Loyalty Solutions betreut nach eigener Aussage etwa 14 Millionen Kundenkarten von Handelsfirmen. In einer NDR Info vorliegenden Präsentation wirbt das Unternehmen mit mindestens zehn verschiedenen Auswertungsformen. Es sei möglich, genau zu ermitteln, welcher Kunde was wann und wo einkauft.

Easycash war schon einmal im Fokus der Datenschützer

Die Firma spricht dabei dem Sender zufolge unter anderem von der "Beobachtung eindeutiger Kontoverbindungen pro Straße". Außerdem erstelle Easycash Loyalty Solutions Bewegungsprofile und ermittele die Kundenqualität und den Ausschöpfungsgrad der Kunden. Für Datensätze mit je tausend EC-Kartenkunden sollen Handelsunternehmen bis zu 5000 Euro zahlen, recherchierte der Sender.

Während Easycash als EC-Netzbetreiber Kontodaten aus EC-Zahlungen dauerhaft speichert, verfügt Easycash Loyalty Solutions durch die Kundenkartenanträge neben der Bankverbindung auch über zahlreiche weitere Angaben wie Name, Anschrift, Beruf und Geburtsdatum.

Easycash Loyalty Solutions sucht bei dem Abgleich der EC-Karten-Daten und der Kundenkartendaten identische Kontonummern. Findet es sie, kann das Unternehmen das Einkaufsverhalten der betreffenden Kunden anhand ihrer EC-Karten in weiten Bereichen des Handels genau verfolgen und entsprechende Datensätze erstellen.

Bereits vor wenigen Wochen war Easycash ebenfalls durch einen Bericht von NDR Info in die Schlagzeilen geraten: Der größte deutsche Zahlungsabwickler soll ohne rechtliche Grundlage die Daten von Millionen Kunden gespeichert haben. Das Unternehmen wies den Vorwurf damals zurück.

mg/dpa-afx

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