11.10.2010
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Die Welt der Reichen
"Ab 300 Millionen Euro auf der sicheren Seite"

Von Klaus Werle

Reichtum in Deutschland: Altes Geld, junge Gründer, Lottomillionäre
Fotos
Corbis

Der Sozialwissenschaftler Wolfgang Lauterbach hat erstmals die Verhältnisse der obersten 3 Prozent in Deutschland wissenschaftlich untersucht. Mit manager magazin spricht der Forscher über die Welt der Reichen, den Aufstieg aus der Mitte und warum Unternehmer spendabler sind als Erben.

mm: Professor Lauterbach, mit Ihrer Studie "Vermögen in Deutschland" liefern Sie erstmals eine quantitativ-wissenschaftliche Erhebung über die Welt der Reichen. Wie sind sie denn so, die oberen Zehntausend?

Lauterbach: Für die Studie haben wir rund 500 Haushalte mit einem frei verfügbaren Kapitalvermögen von mindestens 200.000 Euro befragt - also die obersten 3 Prozent der Haushalte in Deutschland. Trotz dieses sehr kleinen Ausschnitts sind die Reichen jedoch weit davon entfernt, homogen zu sein. Da gibt es altes Geld, junge Gründer und Lottomillionäre, die sich in Wertvorstellungen und Lebensstil erheblich unterscheiden.

mm: Aber einige Gemeinsamkeiten wird es doch geben?

Lauterbach: Sicher. Naturgemäß ist das Durchschnittsalter der Reichen recht hoch, ein Großteil ist über 60 Jahre alt. Bildung spielt eine große Rolle - mehr als 70 Prozent haben einen Universitätsabschluss. Und nicht zuletzt ist das Unternehmertum dominierend: Mehr als 60 Prozent der Reichen besitzen eine eigene Firma oder haben eine gegründet. Wer ein Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern hat, für den erhöht sich die Wahrscheinlichkeit reich zu sein gegenüber einem Arbeiter oder Angestellten um das Vierfache.

mm: Mit normalen Jobs, auch wenn man topqualifiziert ist, wird man also nicht reich?

Lauterbach: Es gibt natürlich Ausnahmen wie Topmanager, Partner großer Beratungsfirmen oder Chefärzte. Doch als Angestellter sind die Chancen eher gering. Auch erben oder heiraten führt weitaus seltener zu einem großen Vermögen als gemeinhin angenommen. Erben macht höchstens reicher: Da, wo schon Geld ist, wird es vermehrt. Unsere Studie aber zeigt, dass mehr als 55 Prozent durch eigener Hände Arbeit reich geworden sind. Und das heißt in den meisten Fällen: durch Gründung eines Unternehmens. Ein hoher Bildungsgrad ist dafür oft eine notwendige, aber keinesfalls hinreichende Bedingung.

mm: Ist die Welt der Vermögenden ein "closed shop" oder gibt es häufiger soziale Mobilität bis an die Spitze?

Lauterbach: Der Aufstieg ist sogar die Regel. 64 Prozent der Befragten stammen aus einem Elternhaus der Mittelschicht. Zählt man die 21 Prozent dazu, die von "ganz unten" aufgestiegen sind, handelt es sich bei stattlichen 85 Prozent der Vermögenden um Aufsteiger. Diese rekrutieren sich jedoch nicht repräsentativ aus der Bevölkerung, sondern stammen eben sehr viel häufiger aus der Mittelschicht, wo mit Bildung und einem gewissen materiellen Hintergrund bereits die Fundamente gelegt wurden.

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Zur Person

Wolfgang Lauterbach ist Sozialwissenschaftler und lehrt an der Universität Potsdam.

Die Studie erscheint demnächst als Buch: "Vermögen in Deutschland. Heterogenität und Verantwortung" (herausgegeben von Wolfgang Lauterbach, Thomas Druyen und Matthias Grundmann).

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