Montag, 11. Dezember 2017

Finanzstar Cindy Sweeting Templeton-Managerin warnt vor der nächsten Blase

Schwellenländer im Fokus: Das Wachstum der Mittelschicht Chinas gehört für Templeton-Fondsmanagerin Sweeting zu den Megatrends der Zukunft

Cindy Sweeting, Managerin des renommierten Templeton Growth Funds, sagt im Gespräch mit manager magazin, warum die Zeit für Aktienkäufe selten besser war als jetzt - und warum sich zugleich die nächste Blase an den Finanzmärkten bilden kann. 

mm: Frau Sweeting, nach der Finanzkrise streiten sich die Gelehrten, wo wir wirtschaftlich stehen. Wie schätzen Sie die ökonömische Großwetterlage ein?



Sweeting: Die Wirtschaft befindet sich in einem mehrjährigen Prozess, die Exzesse der vergangenen Jahrzehnte zu verarbeiten. Auch die Rückführung der Staatsverschuldung braucht Zeit. Die Regierungen sind überschuldet, und das Finanzsystem wurde mit zuviel billigem Geld aufgepumpt. Ich denke, dass wir jetzt zwei Jahre eines Anpassungsprozesses hinter uns haben, der aber insgesamt etwa sechs Jahre dauern wird.



mm: Was bedeutet das für die Unternehmen?



Sweeting: Die Erkenntnis greift um sich, dass es kein normaler Zyklus ist, den wir gerade durchlaufen. Es ist ein langfristiger Anpassungsprozess in den Firmenbilanzen und Staatshaushalten, der keine schnelle Erholung zulässt. Wir erwarten für die entwickelten Märkte daher nur ein bescheidenes Wachstum, weil das billige Geld nicht mehr da ist. Aber viele Unternehmen, die ihren Sitz in Europa oder den USA haben, besitzen gute Wachstumsmöglichkeiten in den Schwellenländern.



mm: Befürchten Sie keine neue Blase aufgrund der weiterhin niedrigen Zinsen?



Sweeting: Es gibt das Risiko einer Blasenbildung, wenn die exzessiv lockere Geldpolitik der amerikanischen und europäischen Zentralbanken dazu führt, dass die Geldströme in andere Märkte schwappen, zum Beispiel in Schwellenländer, die dieses billige Geld gar nicht brauchen. Man hat den Eindruck dass die Angst vor einer Deflation alles andere überragt und die US-Notenbank das Wiederankurbeln der Konjunktur deshalb über alles stellt.



mm: Welche Auswirkungen könnte das haben?



Sweeting: Eventuell werden wir eine Rückkehr der Inflation sehen. Das wird sich auf Festzinsanlagen auswirken. Die Anleger sind derzeit größtenteils risikoavers. Sie akzeptieren ein Prozent für zehnjährige japanische Staatsanleihen, 2,2 Prozent für deutsche oder 2,5 Prozent für amerikanische. Sollten wir aber Inflation wegen der lockeren Geldpolitik der Fed bekommen, dann könnten sich die Staatsanleihen als Verlustgeschäft erweisen.



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