Samstag, 18. April 2015

Altersvorsorge ETF-Sparpläne haben Tücken

Entspannter Ruhestand: Viele Sparer setzen bei der Altersvorsorge auf den Aktienmarkt - doch wer per ETFs auf den breiten Markt setzt, muss genau auf die Kosten schauen

Altersvorsorge mithilfe von Aktien - die Rentenlücke zwingt viele dazu, sich stärker am Kapitalmarkt zu engagieren. Immer mehr in den Blickpunkt rückt dabei die boomende Anlageklasse der ETFs. Doch die beliebten Index-Papiere haben als Sparplan bei mancher Bank ihren Preis.

Das Ticken der Zeitbombe hört jeder. Die Rentenlücke, das wurde den Bundesbürgern in den vergangenen Jahren immer wieder eingetrichtert, wird kommen. Fast jeder künftige Rentner wird im Ruhestand weniger in der Tasche haben als bei Überweisung seines letzten Nettogehalts. Wegen der ungünstigen demografischen Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten dürften die staatlich geleisteten Altersbezüge weiter absinken.

Schlimmer noch: Wie das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DAI) in einer Studie vorrechnete, knabbert auch noch eine andere Konstante an der Kaufkraft der zukünftigen Privatiers: die unterschätzte Gefahr der Inflation. Die schlägt insbesondere bei personalintensiven Dienstleistungen im Pflegebereich und der Gesundheit zu, die überdurchschnittlich von einer Geldentwertung betroffen sein dürften.

Die Rentenlücke für ein typisches Rentnerpaar erhöhe sich daher "um bis zu 179 Euro im Monat auf 508 Euro", folgert das DAI. Andere Schätzungen bescheinigen dem Durchschnittsdeutschen gar Einbußen von weit über 40 Prozent des letzten Bruttoeinkommens - wer nicht bis zum vorgeschriebenen Renteneintrittsalter von 67 arbeiten will, muss mit noch härteren Abschlägen rechnen.

Wie hoch die Abschläge prozentual auch ausfallen mögen: Gesetzliche und gegebenenfalls betriebliche Rentenbezüge reichen nicht mehr aus. Deswegen wurde unter der Regierung Schröder die sogenannte Riester-Rente aus der Taufe gehoben, die staatliche Anreize für die private Altersvorsorge gibt. Fast 14 Millionen Bundesbürger "riestern" inzwischen.

ETF-Boom: Das Jahrzehnt der Indexfonds

Ob als fondsgebundene Riester-Rentenversicherung oder als klassischer Sparplan: Bei der privaten Altersvorsorge setzen viele Sparer auf Renditechancen am Aktienmarkt. Dabei erfreut sich eine neue Fondsgattung unter Anlegern steigender Beliebtheit: Die sogenannten Indexfonds (Exchange Traded Funds), die in den vergangenen Jahren boomten wie kein anderes Investmentsegment.

Mit gerade einmal zwei Indexfonds von der Barclays Tochter iShares startete der Handel an der Deutschen Börse im April 2000. Inzwischen sind dort mehr als 680 Produkte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 130 Milliarden Euro gelistet. Zu iShares haben sich weitere Emittenten gesellt, wie die Deutsche Bank-Tochter DB X-Trackers, die französische Lyxor Asset Management, die zur Société Générale Börsen-Chart zeigen gehört, sowie der Commerzbank-Ableger Comstage.

Weltweit waren laut BlackRock Asset Management Ende April 2189 Indexfonds gelistet - der ETF-Markt ist zum Billionen-Markt avanciert.

"Exchange Traded Funds haben den entscheidenden Vorteil, dass sie transparenter sind im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds, da sie einfach nur den zugrunde liegenden Index abbilden", erklärt etwa Chris Plomitzer, Global Head of ETF/ETC Sales & Advisory bei Unicredit Börsen-Chart zeigen. " Die Performance wird nicht über aktive Entscheidungen beeinflusst, sondern folgt der Performance des zugrunde liegenden Index."

Viele Sparer, die für das Alter vorsorgen wollen, vertrauen zudem lieber auf den breiten Markt als auf die individuellen Entscheidungen eines einzelnen Fondsmanagers. Die aktiv gemanagten Investmentfonds, die durch ihre Selektion versuchen, den Markt zu schlagen, scheitern schließlich oft genug am Wunsch nach Outperformance. Immer weniger können Untersuchungen nachweisen, dass die meisten Fonds den Vergleichsindex nicht schlagen - je nach Studie bleiben 75 bis 85 Prozent der Investmentfonds hinter ihrer Benchmark zurück.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH