Mittwoch, 19. Dezember 2018

Deutsche/Dresdner Bank Fusion geplatzt - Dresdner stoppt Verhandlungen

Der geplante Zusammenschluss ist geplatzt. Der Dresdner-Vorstand beschloss einstimmig, die Gespräche abzubrechen und erhob schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bank. Deren Chef Rolf Breuer kontert. Die Allianz bedauert.

Frankfurt - Die Ad-hoc-Meldung war kurz und knapp, aber offiziell: "Der Vorstand der Dresdner Bank AG hat einstimmig beschlossen, den geplanten Fusionsprozess mit der Deutschen Bank AG mit sofortiger Wirkung abzubrechen. Weitere Erläuterungen sind vorgesehen." Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte das Ende der Fusionsgespräche.

Zur Fusionspressekonferenz freuten sie sich noch: Deutsche Bank-Sprecher Rolf Breuer (vorn) und sein nun weniger gut gestimmter Partner Bernhard Walter von der Dresdner Bank.
AP
Zur Fusionspressekonferenz freuten sie sich noch: Deutsche Bank-Sprecher Rolf Breuer (vorn) und sein nun weniger gut gestimmter Partner Bernhard Walter von der Dresdner Bank.
Dresdner Bank: Vertrauensbasis entzogen

In einer Erklärung warf die Dresdner der Deutschen Bank unterdessen vor, durch ihr Verhalten das Scheitern der Fusion beider Institute ausgelöst zu haben. Es sei eine Fusion unter gleichen Partnern abgesprochen gewesen.

Entgegen der Absprache habe die Deutsche Bank nach der Ankündigung der Fusion gefordert, die Investmentbanking-Sparte Dresdner Kleinwort Benson ganz oder in Teilen zu verkaufen. "Die Deutsche Bank hat durch ihr Verhalten der geplanten Fusion die Vertrauensbasis entzogen", erklärte die Bank. Ein Zusammenschluss zu Lasten der Dresdner könne nicht im Interesse ihrer Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter liegen.

Deutsche Bank: Konzept in Frage gestellt

Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer erklärte, eine gleichberechtigte Partnerschaft sei nie geplant gewesen. Schon unter numerischen Aspekten sei das nicht in Frage gekommen. Dagegen hatten beide Banken zuvor öffentlich mehrfach betont, dass die Fusion als "merger of equals" vonstatten gehen sollte.

Die Deutsche Bank habe einen vollständigen Verkauf des Dresdner Bank-Investmenthauses Dresdner Kleinwort Benson bevorzugt, um den Wert des Investmenthauses in Gänze zu erhalten.

Danach sei man zu einer Teilintegration von Dresdner Kleinwort Benson bereit gewesen. Da auch darüber kein Einvernehmen habe erzielt werden können, sei ein wesentlicher Teil des Wertschaffungs-Konzeptes in Frage gestellt worden.

Mit der Ablehnung des Dresdner-Bank-Vorstandes seien nun auch die Gespräche mit der Allianz-AG obsolet geworden. Laut Breuer wird sein Haus an der Geschäftsstrategie festhalten. Das erste Quartal sei mit einer Steigerung des Ergebnisses vor Steuern von mehr als 50 Prozent erstklassig verlaufen.

Breuer: "Kein Image-Schaden"

Die Deutsche Bank verfolge nach diesen Quartals-Resultaten ein Stand-alone-Konzept. Eine weitere Fusion sei nicht geplant, betonte der Vorstandssprecher. Breuer zeigte sich überzeugt, dass die abgesagte Fusion keinen Image-Schaden für die Deutsche Bank bedeute. Den Aktionären sei bewiesen worden, dass es der Deutschen Bank ernst sei, die Konsolidierung des Finanzplatzes Deutschland voranzutreiben.

Wenn es dabei Hindernisse gebe, müsse auch der Mut aufgebracht werden, einen geplanten Zusammenschluss zurückzuziehen. Die abgesagte Fusion hat nach Angaben von Breuer keine personellen Konsequenzen im Vorstand der Deutschen Bank zur Folge. Das Bedauern über die Absage der Fusion sei einhellig ausgefallen.

Allianz: Weiter Konzentration auf Vermögensverwaltung

Der Allianz-Konzern hat auf die geplatzte Bankenfusion mit Enttäuschung reagiert. "Die Allianz bedauert außerordentlich, dass die geplante Transaktion zwischen der Deutschen Bank und der Dresdner Bank nicht zu Stande kommt", heißt es in einer Stellungnahme der Allianz AG am Mittwoch in München.

Der Versicherungskonzern bleibe weiter bei seiner strategischen Richtung, in Zukunft verstärkt in die Kerngeschäfte im Versicherungsbereich und in der Vermögensverwaltung zu investieren.

Vorstoss der Deutschen Bank kam unerwartet

Die Meldung kam auch für Marktkenner absolut unerwartet. Zwar waren die Aktien der beiden Institute in den vergangenen Tagen kurzzeitig gestiegen, weil Börsianer bereits auf das Scheitern der Fusion spekulierten. Doch Gerüchte in dieser Hinsicht waren eher vage.

Bereits am Mittwochmorgen berichtete die US-Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die neue Deutsche Bank den Großteil von Kleinwort Benson auflösen wolle. Damit dürften die meisten der rund 7500 Beschäftigten ihren Job verlieren, hiess es im Bericht.

Die Diskussion um Kleinwort Benson galt als erste Machtprobe zwischen den beiden Bankchefs Breuer (Deutsche) und Walter (Dresdner). Während Breuer trotz aller Beteuerungen einen Verkauf favorisierte, lehnte Walter einen solchen Schritt ab.

Kleinwort Benson erwirtschaftete mehr als die Hälfte des Gewinns vor Steuern, den die Dresdner Bank in ersten neun Monaten des vergangenen Jahres auswies. Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer bezeichnete Kleinwort zum Zeitpunkt der Fusionsankündigung als "Juwel" und versicherte, die Bank stünde nicht zum Verkauf. Tage später liess er durchblicken, dass er doch einige Teile verkaufen wolle.

Überraschung auch im Aufsichtsrat

Das Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank, Gerhard Renner, zeigte sich überrascht vom einseitigen Abbruch der Gespräche. Er habe dafür keine Erklärung. "Man fädelt nicht einen solchen Deal ein, um dann in letzter Minute alles abzublasen." Nun werde die Situation für beide Geldhäuser schwierig, sagte Renner. Besonders für die Beschäftigten der Dresdner Bank könne keine Entwarnung gegeben werden. Möglicherweise stünden nun andere Übernahmekandidaten bereit. `Der Zug fährt in dieser Richtung weiter." Im Gegensatz dazu habe die Deutsche Bank "sehr wohl die entsprechende Größe, alleine weiter zu marschieren".

Die geplante Fusion hatte bereits den Segen der Aufsichtsräte erhalten. Damit standen eigentlich nur noch die Zustimmung der Aktionäre und die kartellrechtliche Genehmigung für die Bildung eines der weltgrößten Kreditinstitute mit einer Bilanzsumme von rund 2,5 Billionen Mark aus.

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