Freitag, 14. Dezember 2018

Bankenkrise Deutsche Bank soll Griechen helfen

Schlange vor einer NBG-Filiale auf Lesbos: Die reichen Griechen schaffen Ersparnisse ins Ausland, die ärmeren bezahlen damit ihre Rechnungen
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Schlange vor einer NBG-Filiale auf Lesbos: Die reichen Griechen schaffen Ersparnisse ins Ausland, die ärmeren bezahlen damit ihre Rechnungen

Die griechischen Banken werden für ihre Stabilität gerühmt. Doch dem Sog von Schuldenkrise und Rezession entkommen auch sie nicht mehr. Alle Großbanken melden einen Gewinneinbruch und hängen am Tropf staatlicher Unterstützung. Die Deutsche Bank soll dem Staat helfen, die Branche neu zu ordnen.

Hamburg - Traditionell mögen Griechen und Türken verfeindet sein, doch das Geschäft halten solche Barrieren nicht auf. Immerhin hat der reichste Türke den Großteil seines Vermögens aus Griechenland. Mehr als drei Milliarden Dollar zahlte die National Bank of Greece (NBG) vor zwei Jahren an Hüsnü Özyegin für die Mehrheit an seiner Finansbank. "Ich hätte gern NBG-Aktien statt Bargeld genommen, aber es waren keine verfügbar", sagte der Selfmademan damals.

Im Nachhinein dürften beide Seiten froh sein, dass dieser Deal so gelaufen ist. Özyegin wurde vom Kurssturz der NBG-Aktie Börsen-Chart zeigen verschont, die NBG verdankt heute ihre Stabilität den Filialen im Nachbarland. 251 Millionen Euro verdiente der griechische Marktführer im ersten Halbjahr in der Türkei, während er in der Heimat 159 Millionen Euro verlor. Unterm Strich sank das Ergebnis konzernweit um 79 Prozent auf 146 Millionen Euro.

Ähnlich schrumpfte der Gewinn der anderen Großbanken laut den nun vorliegenden Zahlen zusammen. Eurobank EFG Börsen-Chart zeigen: minus 44 Prozent auf 95 Millionen Euro. Alpha Bank Börsen-Chart zeigen: minus 82 Prozent auf 38 Millionen Euro. Piraeus Bank Börsen-Chart zeigen: minus 92 Prozent auf zehn Millionen Euro. Die vielen Niederlassungen griechischer Banken im südosteuropäischen Ausland federn den Absturz auf dem Heimatmarkt ab.

Zu Hause brachte die Staatsschuldenkrise der Branche gleich mehrere Schockwellen. Die Banken mussten nicht nur eine Sondersteuer auf ihre Gewinne aus dem Vorjahr zahlen; sie verloren wegen der Kapitalflucht vor allem reicher Griechen allein im zweiten Quartal 5,5 Prozent ihrer Einlagen; die Rezession treibt die Ausfallquote ihrer Kredite auf inzwischen nahe 10 Prozent, für manche Banken wie die Crédit-Agricole-Tochter Emporiki sogar auf ein Drittel; und die griechischen Staatsanleihen, mit rund 45 Milliarden Euro in den Bilanzen, verlieren weiter an Wert.

Bank von Griechenland: "Die internationalen Kapitalmärkte sind verschlossen"

Im Gefolge des Staats büßten auch die Banken an Kreditwürdigkeit ein. "Die internationalen Geld- und Kapitalmärkte sind für griechische Banken praktisch verschlossen", stellt die Zentralbank fest. Als Ausweg blieben nur Staatsgarantien und Kredite der Europäischen Zentralbank. Bis Ende Juli mussten sie sich den Rekordbetrag von 96 Milliarden Euro bei der EZB leihen, die extra ihre Ansprüche für Sicherheiten senkte.

Verschuldet haben die Geldhäuser ihre Krise aber kaum. "Wenn wir die Sorgen um Staatsschulden außer Acht lassen, sind die griechischen Banken systemisch gesund und belastbar", urteilt Analyst Alexander Kyrtsis von der UBS. Alpha-Bank-Chef Demetrios Mantzounis verweist auf die "Kultur des Kapitalerhalts" und die "defensive Kreditvergabe" im Haus. Dies gebe ihm "Vertrauen, dass wir auch noch schlimmere Bedingungen überleben würden".

Die Großbanken haben allesamt dicke Kapitalpolster, die über dem europäischen Durchschnitt liegen. Trotz im Vergleich zu ausländischen Wettbewerbern besonders strenger Annahmen bestanden sie den jüngsten Stresstest zumeist mit Bravour. Als einzige fiel die staatliche Landwirtschaftsbank ATE durch, "deren Kapitalbedarf schon lange bekannt war", so Analyst Kyrtsis.

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