Mittwoch, 20. März 2019

Banken Die Blamage geht weiter

Anlageberatung: Keine einzige Bank wurde von Finanztest mit "gut" bewertet

Knapp ein Jahr nach der jüngsten Untersuchung hat Finanztest erneut Testkunden in Bankfilialen geschickt. Fazit: Die Beratung der Geldhäuser ist immer noch schlecht. Sechs Anbieter sind mangelhaft. Sie händigten in mehr als der Hälfte der Fälle kein Beratungsprotokoll aus - obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet gewesen wären.

Berlin - Schon im Sommer 2009 waren die Tester von Finanztest in Deutschlands Geldhäusern unterwegs. Das Testergebnis damals war eine große Blamage: Obwohl der Test eine einfache Aufgabe zum Inhalt hatte, schnitt keine einzige Bank gut ab, zwei waren mangelhaft. Die Tester erwarteten jetzt, dass die Banken aus ihren Fehlern gelernt und Konsequenzen gezogen hätten. Das war zu optimistisch. Das Ergebnis ist diesmal sogar noch verheerender: Keine einzige Bank ist gut. Sechs Institute erhielten die Note mangelhaft, darunter Postbank Börsen-Chart zeigen, HypoVereinsbank Börsen-Chart zeigen und Targobank (siehe Tabelle).

Banken missachten Gesetze

Das größte Problem der Banken ist: Sie missachten Gesetze. Sie müssen, und zwar noch bevor sie eine Anlage empfehlen, die Kunden nach ihren finanziellen und persönlichen Verhältnissen fragen. Sie sind verpflichtet zu ermitteln, welches Ziel die Kunden mit ihrer Geldanlage erreichen wollen und welche Kenntnisse und Erfahrungen sie haben. Das hat nicht geklappt - und das, obwohl die Banken selbst hoch und heilig Besserung gelobt hatten.

Kein Beratungsprotokoll

Seit 2010 sind die Institute zudem verpflichtet, über jedes Anlagegespräch, in dem sie Wertpapiere ansprechen, ein Beratungsprotokoll anzufertigen und auszuhändigen. Auch das klappte nicht. In 126 von 146 Beratungsgesprächen war die Rede von Wertpapieren und ein Beratungsprotokoll wäre Pflicht gewesen. Aber nur 61 Mal gab es eines. 65 Mal haben die Berater ihre Pflicht nicht erfüllt.

Anlageproblem besser gelöst

Die Qualität der Anlageberatung - der eigentliche Mittelpunkt des Tests - gerät wegen der Gesetzesverstöße fast in den Hintergrund. Dabei haben sich die Banken hier verbessert. Das mag auch daran liegen, dass der Testfall ein wenig anders aufgebaut war als beim vergangenen Mal: Die Testkunden wollten 35.000 Euro für zehn Jahre anlegen - anders als beim vergangenen Test nicht absolut sicher. Sie waren bereit, Risiken einzugehen, wollten aber, dass am Ende der Laufzeit zumindest ihr eingesetztes Geld vorhanden ist. Zudem legten sie Wert darauf, dass sie im Notfall über ihre Anlage schon vor Ablauf der zehn Jahre verfügen können - wenn es sein muss, auch mit Verlust.

Die Anlageempfehlungen

Wichtig war den Testern, dass die Berater die 35.000 Euro nicht in eine einzige Anlage steckten. Einen solchen Betrag sollten Anleger auf mehrere Produkte verteilen. Im Testfall führte an einem Mix ohnehin kein Weg vorbei: Wenn ein Anleger zwar Risiken eingehen will, aber Wert auf Kapitalschutz legt, braucht es in der Regel mehrere Geldanlagen - riskante und sichere. Die meisten Berater haben einen zu riskanten Anlagemix oder auch nur eine einzige riskante Anlage empfohlen und damit das Ziel gefährdet, am Ende der Laufzeit mindestens das eingesetzte Geld wiederzubekommen.

Chat zum Thema Anlageberatung

Was haben Sie für Erfahrungen mit den Anlageberatern Ihrer Bank gemacht? Fühlen Sie sich gut beraten? Was müsste aus Ihrer Sicht verändert werden? Diskutieren Sie den Finanztest-Experten am Mittwoch, den 28. Juli, zwischen 13 und 14 Uhr im Chat zum Thema Anlageberatung. Sie können Ihre Fragen schon jetzt stellen.

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