Mittwoch, 17. Oktober 2018

Ölpest "BP wird die Krise überleben"

Katastrophe am Golf: Seit dem 20. April, dem Tag der Explosion der dann später auch gesunkenen Ölplattform "Deepwater Horizon", strömt Öl nahezu ungehindert ins Meer und gelangt an die Küsten der Anrainerstaaten. Mittlerweile sind alle US-Bundesstaaten von der Ölpest betroffen. Bislang hat BP mehr als drei Milliarden Dollar zu Bewältigung der Katastrophe aufgebracht.

3. Teil: "BP muss eine Übernahme nicht fürchten"

Es wäre indes kein Novum, wenn sich ein arabischer Großinvestor an einem europäischen Energiekonzern beteiligte. So hält die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi rund 47 Prozent am spanischen Ölkonzern Cepsa und 20 Prozent am österreichischen Ölkonzern OMV. Zudem war die Kuwait Investment Authority (KIA) bereits Ende der 80er Jahre nach einer Teilprivatisierung von BP mit rund 22 Prozent an dem britischen Ölkonzern beteiligt. Gut zehn Jahre später verkaufte KIA einen Großteil seiner Beteiligung und hält jetzt noch knapp 2 Prozent an BP.

Staatsfonds aus dem arabischen Raum gelten laut Schalast als langfristig orientierte Investoren, die sich wohlwollend gegenüber dem jeweiligen Management verhielten. Für einen Konzern in einer Krisensituation gebe es von daher eigentlich nichts Besseres, als sich einen dieser Staatsfonds an Bord zu holen. "Er wird relativ wenig Einfluss nehmen und eher ein passiver Investor sein."

Die These, dass einer dieser Staatsfonds für BP den "weißen Ritter" spiele, um den Konzern vor einer Übernahme durch einen Wettbewerber zu schützen, teilt indes auch Schalast nicht. "Ich glaube nicht, dass BP derzeit Angst vor einer Übernahme haben muss und deshalb einen weißen Ritter braucht." Zum einen verfüge BP derzeit noch über ausreichend Kapital. Und zum anderen würde ein Wettbewerber die mit der Ölkatastrophe verbundenen Risiken derzeit nicht übernehmen wollen, glaubt der M&A-Experte.

Wenn gar nichts mehr geht, hilft London

Aber auch ein arabischer Staatsfondmanager werde die möglichen Risiken seines BP-Investments zuvor sehr kritisch prüfen, ist Schalast überzeugt. Denn dafür hätten diese Fonds, als sie zu Beginn der Finanzkrise mehrfach strauchelnden Banken in Europa und den USA zur Hilfe eilten, "einfach zu viel Lehrgeld gezahlt".

Bleibt nicht zuletzt der britische Staat, der ein hohes Interesse daran haben dürfte, dass BP nicht im Golf von Mexiko absäuft. Wenn wirklich gar nichts mehr geht, werde die Regierung wie einst den Banken mit Staatsbürgschaften und Notkrediten unter die Arme greifen, glauben viele Beobachter in London. Dies indes weniger aus der Erkenntnis, dass mit BP der letzte britische Großkonzern mit Weltgeltung von der Bildfläche verschwände. Nein, so weit reicht der Patriotismus des ansonsten deregulierungsfreudigen und in Übernahmefragen höchst liberalen Großbritannien nicht. Es sind vielmehr die Ersparnisse von Millionen Bürgern und Rentnern, die London schützen wolle, heißt es. Britische Pensionsfonds und Versicherer zählen mit zu den größten Investoren bei BP.

Fundamentaldaten hin oder her - vielleicht ist dies ja insgeheim der entscheidende Grund, warum die meisten Analysten in dieser spekulativen Gemengelage die Aktie zum Kauf empfehlen.

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