Samstag, 17. November 2018

MobilCom Vom Nischenanbieter zum Börsenstar

Firmenchef Gerhard Schmid scheint am Ziel. In nur acht Jahren schmiedete er aus einem Nischenanbieter einen Börsenstar, der nach dem Einstieg von France Télécom gute Chancen hat eine der begehrten UMTS-Mobilfunklizenzen zu erhalten.

Büdelsdorf - Die schleswig-holsteinische Telefonfirma Mobilcom in Büdelsdorf bei Rendsburg ist wesentlich die Schöpfung ihres Gründers und Mehrheitsaktionärs Gerhard Schmid. Der ehemalige Vorstand beim Autovermieter Sixt vermarktet seit 1992 Mobilfunk-Anschlüsse samt Handy, erst im neuen D2-Netz von Mannesmann, später auch für D1 und E-Plus. Das Unternehmen wächst zügig und stetig. Nach fünf Jahren erreicht Mobilcom 1997 als reiner Mobilfunk-Dienstleister mit 300 Mitarbeitern mehr als 300 Millionen Mark Umsatz.

Doch dann geht die Entwicklung erst richtig los. Als erstes Unternehmen geht Mobilcom 1997 an den Neuen Markt und leitet mit einer bis dahin unbekannten Vervielfachung des Aktienkurses innerhalb kurzer Zeit den neuen Börsenboom ein. Als im Januar 1998 der liberalisierte Telefonmarkt beginnt, ist Mobilcom als erste Gesellschaft startbereit und gewinnt mit einer einfachen Tarifstruktur auf Anhieb die führende Position unter den Telekom-Konkurrenten.

Seitdem setzt Schmid, der 60 Prozent der Mobilcom-Anteile hält und durch den Erfolg des Unternehmens steinreich wurde, strategisch auf drei Geschäftsfelder: Mobilfunk, Festnetz-Telefonieren und seit 1999 verstärkt auf das Internet. Er rundet sein Firmenreich mit Zukäufen von Vertriebs- und Internetfirmen ab und beginnt mit dem Aufbau eigener Netzkapazitäten. Inzwischen hat Mobilcom in Deutschland mehr als drei Millionen Kunden, steuert auf vier Milliarden Mark Umsatz zu und beschäftigt 3000 Mitarbeiter.

Mobilcom-Chef Schmid hat sich zu möglichen Übernahmen schon im Februar 2000 eindeutig geäußert: "Wenn ein vernünftiges Angebot käme, das wirtschaftlich Sinn macht, wäre ich der letzte, der sich sperrt." Aber, so fügte Schmid hinzu, es würde für den Erwerber recht teuer werden. Allein der Börsenwert der Aktien beträgt (bei einem Kurs von rund 200 Euro) 17 Milliarden Mark. Wer sich beteiligen will, muss in der Regel zusätzlich einen Paketaufschlag bezahlen.

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