Dienstag, 27. Juni 2017

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Dax-Geflüster Mit Euro und Dollar in der Achterbahn

Euro runter, Euro rauf: Anleger fragen sich, wie sie mit Wechselkursschwankungen umgehen sollen

2. Teil: Immer auf die Diversifikation achten

Zweitens dürfte die Änderung den Inflationsdruck in China dämpfen, der durch zu teuer eingeführte Waren entsteht. Dies wiederum senke die Wahrscheinlichkeit von Zinsanhebungen seitens der chinesischen Notenbank. Und drittens verbessere ein stärkerer Renminbi die internationale Kaufkraft der Chinesen, was den dortigen Konsum stütze.

Die Argumente lassen den fernöstlichen Währungs- und Wirtschaftsraum als Anlageregion zwar attraktiv erscheinen. Kaum ein Experte würde aber dazu raten, das komplette Portfolio in dieser Richtung zu positionieren. Zumal die Investition in Fremdwährungen immer auch ein zusätzliches Anlagerisiko mit sich bringt.

"Viele meinen, dass sie sich durch Fremdwährungen in irgendeinen sicheren Hafen begeben", sagt Vermögensverwalter Hannes Peterreins aus München. "Fakt ist aber, dass sie das Gegenteil tun." Jeder sollte wissen, so Peterreins, dass man, wenn man als Euro-Anleger eine Fremdwährungsposition aufmacht, sehr hohe spekulative Risiken eingeht.

Quoten führen zu antizyklischem Investieren

Ganz auf ausländische Währungen zu verzichten, hält aber auch Peterreins für wenig ratsam. "Man kann Fremdwährungen als Mittel sehen, sein Vermögen zu diversifizieren", sagt er. "Das kann geschehen durch Aktien oder Anleihen, die in fremden Währungen notiert sind. Also beispielsweise US-Aktien oder US-Staatsanleihen."

Der Vermögensverwalter rät in dem Fall dazu, Soll-Quoten festzulegen. "Bei der Frage nach der Höhe der Quoten spielen persönliche Vorlieben und die Risikoneigung des Anlegers eine große Rolle", sagt er. "Generell sollte ein Euro-Anleger wohl nicht mehr als 25 Prozent seines Vermögens in US-Dollar anlegen und nicht mehr als 8 Prozent in Schweizer Franken."

Der Vorteil: Dieses Vorgehen führt praktisch automatisch zu einem antizyklischen Investieren, das ja von vielen Experten befürwortet wird. "Die Ist-Quoten müssen wegen der Wechselkursschwankungen ständig an die Soll-Quoten angepasst werden", so Peterreins. "In der letzten Zeit hätte diese Methode also eher dazu geführt, Euro-Werte nachzukaufen, und Fremdwährungsposition tendenziell abzubauen."

Nicht zu viel China

Auch China würde Peterreins ins Portfolio aufnehmen, allerdings lediglich zu einem Anteil von maximal 10 Prozent. Seine Vorbehalte: "China ist nach wie vor ein Emerging Market mit hohen Risiken", sagt er. "Ich glaube, dass viele derzeit den Fehler begehen, China zu sehr überzugewichten."

Damit spricht Peterreins ein typisches Problem an. Immer wenn sich Anleger mit einem Investment oder einer Region sehr sicher sind, neigen sie zu Übertreibungen. Gut zu beobachten war dies vor zehn Jahren beim Neuen Markt, dem damaligen Börsensegment für junge, vermeintlich aufstrebende Unternehmen der "New Economy".

"Damals waren sich auch viele Leute zu sicher mit diesem Segment, haben auf Diversifikation weitgehend verzichtet und sind irrwitzige Übergewichtungen von zum Teil 100 Prozent eingegangen", sagt Peterreins. "Als es dann krachte war es für diese Anleger wirklich schlimm."

Die Lehre daraus lautet: Trotz Zuversicht sollten Anleger auch bei Währungen stets auf die Diversifikation achten. Und das heißt aktuell: China, ja. Aber nicht zu viel.

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