Sonntag, 21. Oktober 2018

Rohstoffe Der Kampf um den Erzpreis

Der Wandel, den der Erzhandel derzeit durchläuft, könnte sich erheblich auf die Finanzmärkte auswirken. Die Umstellung der Lieferverträge der großen Anbieter wie Vale und Rio Tinto auf kurze Laufzeiten zwingt Stahlkonzerne zu Absicherungsgeschäften. Goldene Zeiten also für den Derivatemarkt - falls die Minen mitspielen.

Hamburg - Die Entwicklung zeichnet sich bereits seit mehr als einem Jahr ab, und einige Player am Finanzmarkt haben sie früh erkannt: Der Erzhandel wandelt sich. Wo früher langfristige Verträge mit Laufzeiten von in der Regel einem Jahr abgeschlossen wurden, gehen die Marktteilnehmer mehr und mehr zu kurzfristigen Kontrakten mit Orientierung an Spotpreisen über.

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Spätestens seit in diesen Tagen bekannt wurde, dass die drei großen Erzanbieter - die brasilianische Vale sowie die australischen Konzerne BHP Billiton Börsen-Chart zeigen und Rio Tinto Börsen-Chart zeigen - nur noch Verträge abschließen, bei denen sich die Preise am Spotmarkt orientieren und im Vierteljahresrhythmus schwanken können, scheint der Wandel unumkehrbar.

Die Folge: Stahlerzeugern wie ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen und Salzgitter Börsen-Chart zeigen als weitaus größter Fraktion unter den Erzabnehmern stehen unruhige Zeiten ins Haus. Denn mit der Umstellung auf den Spotpreis geht Marktkennern zufolge nicht nur eine drastische Preissteigerung von schlagartig 80 bis 130 Prozent einher. Künftig müssen sich die Unternehmen vielmehr auch auf wesentlich stärkere Schwankungen ihrer Einkaufspreise einstellen. Innerhalb der vergangenen Monate stieg der Erzpreis nach Händlerangaben beispielsweise um bis zu 100 Prozent.

Das hat Konsequenzen: Zum einen hat die neue Preispolitik der Minengesellschaften zur Folge, dass es möglicherweise in der gesamten Wertschöpfungskette der Stahlindustrie einen Systemwechsel geben muss. Die Unternehmen haben dies bereits angedeutet: Wenn die Kosten auf der einen Seite vierteljährlich schwanken, können Kunden wie die Automobilindustrie auf der anderen Seite nicht weiterhin auf langfristige Preiszusagen pochen.

Die zweite Folge tangiert die Finanzmärkte und das Derivategeschäft. Denn die Stahlerzeuger werden künftig nach Wegen suchen, die starke Volatilität der Erzpreise abzufedern. An der Stelle kommen jene Finanzmarktteilnehmer ins Spiel, die die Entwicklung bereits früh erkannten.

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen etwa sowie die Credit Suisse Börsen-Chart zeigen und inzwischen auch einige weitere Banken wie etwa Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen bieten bereits Eisenerz-Swaps an. Diese "Termingeschäfte mit Barausgleich" können Stahlerzeuger nutzen, um sich auch künftig für beispielsweise zwölf Monate einen festen Preis zu sichern. Etwaige Abweichungen des tatsächlichen Spotpreises vom mit der Bank fixierten Vertragspreis werden dann zwischen beiden Parteien ausgeglichen.

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