Sonntag, 20. Januar 2019

Philosophie des Geldes Wir haben die Vernunft verloren

Geld ist der bedeutsamste Leitstern unserer Gesellschaft, sagt Gerhard Hofweber - ein Fehler. Wie es dazu kommen konnte und warum wir dennoch hoffen können, schildert der Philosoph in einem Gastbeitrag für manager magazin.

Augsburg - Wir haben die Vernunft verloren. Das ist das Ergebnis der philosophischen Analyse unserer Gesellschaft. Maßgebend ist dabei der Befund, dass Geld zum obersten Wert geworden ist. Wie ist das möglich? Wie kann man Geld als den obersten Wert ansehen?

Geld: Im Auge der Menschheit
Wenden wir uns zuerst den Fragen zu, was Geld eigentlich ist und welche Funktion es erfüllt. Wir können dabei auf die erste Theorie des Geldes eingehen, die Aristoteles formuliert hat und dabei feststellen, dass diese nach 2500 Jahren immer noch aktuell ist. Sie ist sogar viel aktueller und lehrreicher als alles, was heute täglich in den Talkshows zum Besten gegeben wird.

Aristoteles betrachtet Geld als Mittel zum Zweck. Denn das, was man kauft, muss einem mehr Wert sein, als das Geld selbst, sonst würde man es ja nicht kaufen. Von dem gekauften Produkt versprechen wir uns ein bestimmtes Gefühl, das wir wiederum höher schätzen, als das Produkt selbst. Am höchsten in dieser Hierarchie der Wertschätzungen steht aber das Glück. Glück wird dabei in einem weiten Sinne gefasst, als das Gelingen des Lebens im Ganzen, als das Bejahen des ganzen Lebens. Alles was wir tun, tun wir letztlich, um glücklich zu werden.

Dementsprechend weist Aristoteles dem Geld die Aufgabe zu, die Mittel bereitzustellen, die ein gutes Leben ermöglichen. Die Menge des Geldes und die Menge der Mittel werden also durch das gute Leben begrenzt. Mehr als das, was ein gutes Leben ermöglicht brauchen wir nicht. Deshalb ist für Aristoteles auch die Frage entscheidend, was das gute Leben eigentlich ist. Diese Frage lässt sich aber nur im vernünftigen Denken entscheiden.

Aristoteles entwirft aber auch ein Szenario, das heute Wirklichkeit geworden ist. Wenn nämlich das gute Leben als Maßstab wegfällt, gibt es für das Haben des Geldes keine Grenze mehr. Denn Geld drückt sich als Maßeinheit für den Wert in Zahlen aus und die Zahlenreihe ist unendlich. Man gerät also in den Sog der Maximierung. Wie viel Geld ist dann genug? Das ist unter dieser Perspektive eine sinnlose Frage, denn es ist nie genug. Egal wie viel es ist, es könnte immer noch mehr sein. Wenn das gute Leben und das vernünftige Denken als Maßstab wegfallen, wird das Bedürfnis grenzenlos und die Gier ist die logische Folge.

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